Diese Obdachlosen! UNERHÖRT!-Forum in Schwäbisch Hall

7. Dezember 2018
  • Kampagne UNERHÖRT!
  • Wohnungslosigkeit

Auch in einer prosperierenden Region wie Hohenlohe in Nordwürttemberg gibt es Armut. Seit 25 Jahren öffnet in der Kreisstadt Schwäbisch Hall die „Schuppachburg“ ihre Tür für Obdachlose. Den Geburtstag des Tagestreffs für Wohnungslose hat die Erlacher Höhe, der Träger der Einrichtung, am 6. Dezember mit einen „UNERHÖRT!“-Forum gefeiert.

Vier Männer und eine Frau stehen an zwei Stehtischen, ein Mann spricht ins Mikrofon.
© Diakonie/Thomas Schiller

Beim UNERHÖRT!-Forum diskutierten unter anderem (v. l.n.r): Diakonie-Präsident Ulrich Lilie, Moderator Peter Ruf, Jutta Niemann MdL (Grüne), Wolfgang Engel, Geschäftsführer Diakonieverband Schwäbisch Hall und Oliver Klein, Abteilungsleiter in der Erlacher Höhe.

Beate erzählt, wie sie ihre Wohnung verloren hat: Nach einem Reha-Aufenthalt ist das Geld aufgebraucht, Zwangsräumung ihrer Wohnung, Unterkunft bei einem Freund, der aber sein Haus durch eine Zwangsversteigerung verliert – dann Unterkunft in einer Hütte im Wald, die vor Wind und Wetter nur begrenzt Schutz bietet. Bei starkem Regen sucht sie mit ihrem Hund Schutz in einem Bus-Wartehäuschen. Ihr größter Wunsch: eine kleine Wohnung für sich, ihren Freund und ihren Hund.

Zugehört haben rund 200 Besucher im Saal der „Kunsthalle Würth“, der guten Stube der Stadt. Gekommen sind auch Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim (SPD) und die Landtagsabgeordnete Jutta Niemann (Bündnis 90/Die Grünen). „Die wichtigste Hilfe ist, dass zu allererst Wohnraum geschaffen wird“, sagt die Politikerin.

Auf dem Podium diskutiert auch Ulrich Lilie, der Präsident der Diakonie Deutschland, mit. Der Aufnahme des Rechts auf Wohnen ins Grundgesetz steht er skeptisch gegenüber. Wichtiger sei es, aktiv und in Bündnissen Probleme zu lösen – und die Diakonie wolle Teil der Lösung sein. „Wir müssen darüber reden, wie wir besser organisieren“, sagt er. Ein konkreter Schritt zur Verbesserung sei beispielsweise, Notunterkünfte von Bürokratie und der aufwändigen Abrechnung einzelner Unterkünfte bei den Behörden zu entlasten und mit pauschalen Budgets auszustatten.

Und was wünscht Oberbürgermeister Pelgrim der „Schuppachburg“ zum 25. Geburtstag? „Dass es irgendwann gar nicht nötig wäre, dass diese Angebote vorhanden sind.“ Die Realität sieht aber anders aus, das weiß auch er.  „Wir als Stadt stehen zur Unterstützung Ihres Angebots“, sagt das Stadtoberhaupt dem Geschäftsführer der Erlacher Höhe, Wolfgang Sartorius, zu. Satorius verweist in der Kunsthalle auf die Unterschiede von Arm und Reich in der Stadt: Vom Wert einzelner Kunstwerke in dem Museum könne man die „Schuppachburg“ auch die nächsten 25 Jahre betreiben.

Die UNERHÖRT!-Foren

Das Thema der bundesweiten UNERHÖRT!-Foren sind sozialpolitische Brennpunkt-Fragen. Die Veranstaltungsreihe zur Kampagne findet in Kooperation mit Landes- und Fachverbänden, diakonischen Einrichtungen und der Diakonie Deutschland statt.