Diakonisse Bettina Winkler: „Die Schwächen der anderen annehmen wie sie sind“

30. Mai 2018
  • Kampagne UNERHÖRT!
  • Diakonie und Glauben
  • Diakonissen

Seit 40 Jahren ist Bettina Winkler Diakonisse im Evangelischen Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin. Sowohl mit Kindern mit geistiger Behinderung wie auch mit älteren Menschen arbeitet sie liebend gern. Sie wünscht sich mehr junge Diakonissen und auch Diakone.

Zuhören statt verurteilen

Diese Geschichte ist Teil der Kampagne UNERHÖRT! Damit wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht. Doch jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden.

Andere Menschen wiederum engagieren sich mit viel Zeit und Leidenschaft in ihrer Familie, ihrem Beruf oder ehrenamtlich und sind dabei oft am Limit. Diese Alltagshelden tragen erheblich zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft bei, stehen jedoch selten im Licht der Öffentlichkeit. Auch sie kommen in unserer Kampagne zu Wort, damit sie mehr Beachtung finden.

Manche Geschichte fordert Widerspruch heraus. Zuhören bedeutet nicht automatisch Zustimmung. Und nicht alles, was erzählt wird, entspricht unserem Menschenbild oder den Positionen der Diakonie. Darüber müssen wir reden - denn häufig steckt hinter einer Geschichte eine existenzielle Notlage.

Die Kampagne, die von 2018 bis 2020 laufen soll, will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen, sie will zur Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe werden.

Bettina Winklers Geschichte zum Nachlesen

Ich bin Bettina Winkler, bin 65 Jahre alt und wohne hier jetzt in Teltow und bin seit 40 Jahren Diakonisse gewesen. Jetzt bin ich im Ruhestand, hab 50 Jahre bei geistig behinderten Kindern gearbeitet. Zuletzt war ich in der Küche und jetzt helfe ich im Altersheim in Horeb beim Essen reichen.

Weil auch gerade bei den alten Menschen das Strahlen, das gibt mir dann soviel wieder zurück und die Dankbarkeit und dann weil es ja doch gerade im Haus Horeb sehr viel Verwirrte sind, die auch nicht wissen manchmal, wo sie sind. Die muss man dann schnell anhalten und sagen "Warten Sie, Sie müssen hierein!" Aber die sind so dankbar, wenn man ihnen dann hilft und das gibt mir eigentlich die Kraft.

Ich bin Diakonisse geworden, weil meine Patentante Schwester Ruth Buchholz, die war Eisenacher Diakonisse und bei der war ich im Kindergarten. Und dann lernte ich im christlichen Hort in Leipzig die Schwester Ruth Sommermeier kennen. Und das sind meine beiden großen Vorbilder gewesen. Dass die immer sich eingesetzt haben für andere und waren für andere da, und haben geholfen, hatten immer ein offenes Ohr und das war ganz wichtig. Auch in schweren Zeiten, wenn man auch mal krank ist, dass man ihnen mal hilft. Oder auch die Schwächen der anderen einfach so annimmt, wie sie eben sind. Und das finde ich eben ganz gut, dass es so eine Gemeinschaft ist. Auch das Haus, hier wohnen nicht nur Schwestern, da wohnen auch Mieter und das ist eben auch sehr schön. Da kann man eben auch mal sich austauschen und man hilft sich untereinander und erzählt einfach, und das ist ganz gut. Und es ist auch schön, dass ich in der Gemeinschaft trotzdem Zeit habe für meinen Vater, dass ich mir viel Zeit nehmen kann. Da ist jeder auch damit einverstanden, dass ich auch mal wegfahre mit ihm am Tag mit dem Rollator und mit dem Bus.

Dass es alles friedlich bleibt und harmonisch, also das finde ich immer am wichtigsten. Und dass man noch so weiter rumlaufen kann und Kontakt pflegen kann. Und ja das noch ein paar jüngere Schwestern dazu kommen oder Diakone auch, also das wäre schon ganz prima, wenn da noch jemand dazu käme.

 

Redaktion: Diakonie/Sarah Spitzer