"Der glaubende Mensch weiß sich begleitet"

23. September 2020
  • Kampagne UNERHÖRT!
  • Diakonisches Profil

Tilman Schröder ist Hochschulpfarrer in Stuttgart. Studenten und Studentinnen, so berichtet er, fühlen sich oft einsam, wenn sie sich dem Leistungsdruck an der Uni nicht gewachsen fühlen. In der Evangelischen Studentengemeinde finden sie Gemeinschaft. Hören Sie seine Geschichte! 

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Diese Geschichte ist Teil der Kampagne UNERHÖRT! Nicht alles, was erzählt wird, entspricht unserem Menschenbild oder den Positionen der Diakonie. Darüber müssen wir reden. Zuhören bedeutet nicht automatisch Zustimmung.

Zuhören statt verurteilen

Mit "UNERHÖRT!" wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht.

Jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden – auch wenn sie Widerspruch herausfordert. Es lohnt sich zum Beispiel, sehr genau hinzuhören, warum sich Menschen von der offenen Gesellschaft distanzieren. Auch sie sind Teil unserer freien und offenen Gesellschaft und können sie mitgestalten, für sie eintreten. Wir sind überzeugt: Zuhören und Streiten hilft hier weiter, und weder Zuhören noch Streiten ist einfach.

Die Kampagne will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen als Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe.

Tilman Schröders Geschichte zum Nachlesen

Also ich heiße Tilmann Schröder. Ich bin seit jetzt fast 30 Jahren Hochschulpfarrer hier in Stuttgart. Das Thema Einsamkeit begegnet mir selbstverständlich. Es begegnet mir zum einen in der Studentengemeinde in der Tatsache, dass Leute kommen, die nicht einsam sein wollen, sondern hier auch, wenn sie beginnen in Stuttgart, Orte suchen, die so‘n bisschen Heimatersatz sind. Es gibt aber auch Leute, die ganz vorsichtig anrufen und sagen, „ich bin eigentlich kein Student mehr, keine Studentin mehr, aber habe keine Kontakte, kann ich mal vorbeikommen?“ Die haben schon einen sehr wichtigen Schritt unternommen, indem sie zum einen einen Leidensdruck erspürt haben, auch merken, allein geht’s nicht, und ich bin in einer Umgebung, die keine wirkliche soziale Umgebung ist, sondern ich spüre diese Einsamkeit, und da suche ich nach Leuten, wo aber meine bisherige Einsamkeit auch nicht als Makel empfunden wird.

Die Reflexion, was heißt alleine sein und was heißt einsam sein, das ist ja nochmal ein anderer Schritt. Also ich kann alleine sein und sagen, mal schön, dass ich Ruhe habe, aber das ist etwas anderes als einsam zu sein, dass ich nämlich merke, in meinem sozialen Verhalten oder meinen sozialen Begegnungen stimmt irgendetwas nicht. Und das kann ich natürlich auch, kann mir passieren in einem Hörsaal mit 300 Kommilitonen. Da bin ich garantiert nicht alleine, aber ich kann mich trotzdem einsam fühlen. Das fängt schon an „ich kann der Vorlesung nicht folgen, also die gucken alle so wissend, ich habe das jetzt überhaupt nicht verstanden“. Der der darüber reflektiert, ich will keine blöden Fragen stellen, der stellt sie dann nicht und leidet aber darunter, dass er sie nicht stellt. Man steht unter einem Druck und muss diesen Druck bedienen, und wenn man das nicht kann aus verschiedenen Gründen, dann zieht man sich zurück.

Wir sind ja keine Missionsgesellschaften, sondern wir sind einfach mal da und stellen Gemeinschaft zur Verfügung, versuchen Gemeinschaft zu bilden. Das ist natürlich die kirchliche Antwort auf die Einsamkeit des Menschen. Der biblische Hintergrund, der Glaubenshintergrund spielt natürlich eine Rolle. Der glaubende Mensch hat es natürlich einfacher, weil er in dieser Hinsicht nie ganz einsam ist, sondern er weiß sich begleitet. Und dieser Gottesbezug, dieser Christusbezug der hilft auch dann durch manche Tiefen hinweg, wenn man sich selber sehr alleine zwar fühlt, aber dieses Vertrauen hat, es geht auch wieder aufwärts.

Text und Audio: Diakonie/Justine Schuchardt