Britta wünscht sich, dass mehr Menschen in der Mitte bleiben

31. Oktober 2018
  • Kampagne UNERHÖRT!
  • Flucht und Migration
  • Engagement und Hilfe

Britta engagiert sich ehrenamtlich für geflüchtete Menschen und Migranten. Als Krankenschwester hat sie  viele Jahre im Ausland gearbeitet. Aus eigener Erfahrung weiß sie, was Integration bedeutet. Sie versteht die Ängste der Deutschen, ebenso kann sie die Sorgen der Migranten gut nachvollziehen. Sie wünscht sich, dass beide Seiten mehr aufeinander zu gehen.

Diese Geschichte ist Teil der Kampagne UNERHÖRT! Nicht alles, was erzählt wird, entspricht unserem Menschenbild oder den Positionen der Diakonie. Darüber müssen wir reden. Zuhören bedeutet nicht automatisch Zustimmung.

Zuhören statt verurteilen

Mit "UNERHÖRT!" wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht.

Jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden - auch wenn sie Widerspruch herausfordert. Es lohnt sich zum Beispiel, sehr genau hinzuhören, warum sich Menschen von der offenen Gesellschaft distanzieren. Auch sie sind Teil unserer freien und offenen Gesellschaft und können sie mitgestalten, für sie eintreten. Wir sind überzeugt: Zuhören und Streiten hilft hier weiter, und weder Zuhören noch Streiten ist einfach.

Die Kampagne, die von 2018 bis 2020 läuft, will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen als Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe.

Brittas Geschichte zum Nachlesen

Mein Name ist Britta, ich komme aus der Nähe von Hamburg, ich bin von Beruf Krankenschwester, hab selbst viele Jahre auch im Ausland gearbeitet und gelebt. In meiner Freizeit bin ich ehrenamtlich auch im Flüchtlingsbereich tätig. Also, wenn jemand eine Wohnung sucht, wenn jemand eine Arbeitsstelle sucht, einen Kindergartenplatz, wenn jemand Ärger mit einem Nachbarn hat, also im Grunde so die Alltagssachen, dann ist es mir einfach irgendwie ein großes Anliegen, da Dinge auch zu lösen, wenn ich sie lösen kann.

Was mir Sorge bereitet, so allgemein ist natürlich, dass es diese rechts und links Geschichten gibt, und dass dadurch sehr wenig Leute in der Mitte sind. Dass die Leute auch so dahin gedrängt werden, sich entscheiden zu müssen: man ist für, man ist gegen. Ich denke, am Schluss hat man dann natürlich zwei große Gruppen, und dann hat man die Probleme erst. Das wäre, denke ich, in jedem anderen Land das gleiche. Wenn da ganz viele Leute kommen würden oder so, natürlich würde es da Integrationsprobleme geben, natürlich würde es auch Probleme geben, weil es einfach verschiedene Kulturen sind. Genauso gibt es aber auch Berührungsängste bei vielen Deutschen und ich finde, dass muss man einfach trotzdem auch ernst nehmen. Umgekehrt für die Flüchtlinge ist es natürlich auch sehr schwierig, die haben ihre Traumas hinter sich, die haben oft keine andere Wahl, die haben ihre Familien, die versuchen das Beste aus der Situation zu machen, was sie können. Und dann wird natürlich gefordert, dass sich die Leute integrieren, und das findet halt im Alltag statt. Aber wie kann man sich integrieren, wenn man viele Dinge nicht weiß? Und deswegen ist es einfach, denke ich auch, sehr wichtig, dass Informationen stattfinden, dass die Leute die Sprache lernen, dass sie einfach auch schöne Dinge in unserem Land sehen.

Ich möchte dazu beitragen, diese Probleme zu beseitigen oder möglichst klein zu halten. Für mich ist einfach nochmal sehr schön auch, dass ich im Grunde, was ich früher so im Ausland hatte, dass ich das im Grunde in meiner Heimat jetzt nutzen kann und damit auch was bewirken kann. Das ist für mich nochmal ein sehr schönes Erlebnis auch.

Wenn ich mir was wünschen könnte, dann würde ich mir vielleicht wünschen, dass die Menschen nicht so das Gefühl hätten, sich für links oder rechts entscheiden zu müssen, sondern mehr in der Mitte bleiben. Ich denke, in der Mitte hat man sehr viel mehr Möglichkeiten, was zu verändern. Wenn man dagegen an der Seite steht, dann ja steht man halt auf einer Seite und hat nicht mehr so viele Möglichkeiten.

Redaktion: Diakonie/Claudine da Rocha