Barbara Schüler engagiert sich in ihrer Rente für Menschen mit seelischen Verwundungen

22. Mai 2018
  • Kampagne UNERHÖRT!
  • Psychische Erkrankungen
  • Engagement und Hilfe
  • Freiwilliges Engagement

Barbara Schüler (65) aus Goslar war früher Veranstaltungsorganisatorin. Als Rentnerin wollte sie sich sinnvoll betätigen und koordiniert nun die "Hofkultur" im Integrativen Betrieb "Goslarsche Höfe". Die gemeinsame Einrichtung von Caritas und Diakonie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen mit seelischen Verwundungen eine Beschäftigung zu geben, Ehrenamtliche einzubinden, Nachhaltigkeit vorzuleben und ein Ort der Begegnung und gegenseitigen Hilfe zu sein. Hören Sie ihre Geschichte.

Zuhören statt verurteilen

Diese Geschichte ist Teil der Kampagne UNERHÖRT! Damit wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht. Doch jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden.

Andere Menschen wiederum engagieren sich mit viel Zeit und Leidenschaft in ihrer Familie, ihrem Beruf oder ehrenamtlich und sind dabei oft am Limit. Diese Alltagshelden tragen erheblich zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft bei, stehen jedoch selten im Licht der Öffentlichkeit. Auch sie kommen in unserer Kampagne zu Wort, damit sie mehr Beachtung finden.

Manche Geschichte fordert Widerspruch heraus. Zuhören bedeutet nicht automatisch Zustimmung. Und nicht alles, was erzählt wird, entspricht unserem Menschenbild oder den Positionen der Diakonie. Darüber müssen wir reden - denn häufig steckt hinter einer Geschichte eine existenzielle Notlage.

Die Kampagne, die von 2018 bis 2020 laufen soll, will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen, sie will zur Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe werden.

Barbara Schülers Geschichte zum Nachlesen

Mein Name ist Barbara Schüler, ich bin 65 Jahre alt, bin u.a. die letzten 20 Jahre meines Berufslebens im Marketing tätig gewesen, und ich wollte das eben auch für die Zeit nach der aktiven Berufstätigkeit irgendwo ehrenamtlich sinnvoll einsetzen. Bei den Goslarschen Höfen kam mir natürlich meine Tätigkeit als Veranstaltungsorganisatorin zugute und auch die vielen Kontakte, die ich u.a. zu Künstlern hier in der Region hatte, und so war einfach die Idee geboren, ein bisschen mehr Leben auf die Höfe zu bekommen. Und mach seitdem ein Hofkulturprogramm.

Also das ist einmal natürlich der telefonische Kontakt, dann brauche ich Informationen über diese jeweiligen Künstler, weil ich mache auch sämtliche Pressearbeit, und ich muss natürlich am Tag der Veranstaltung selber hier sein, dann muss umgeräumt werden, dann muss das Glas Wasser für den Autoren da stehen, dann muss ein besonders bequemer Stuhl beschafft werden, bis so eine Veranstaltung dann wirklich umgesetzt wird.

Man hat Kontakt zu sämtlichen Chören, vom Kinderchor bis zur Kantorei, man kennt einfach die Verantwortlichen, wir hatten neulich ein ganz tolles Ensemble hier, die die Premiere ihres neuen Programms hier exklusiv bei uns auf den Höfen präsentiert haben, das zieht Publikum, das ist toll, das wollen wir erreichen, wir wollen bekannter werden.

April war wirklich der Höhepunkt, fünf Veranstaltungen hatten wir hier nacheinander weg, also vom großen Fahrradflohmarkt bis zu größeren Konzerten, das ist einfach viel, viel Arbeit, aber es bringt uns ein anderes Publikum auf die Höfe, und dafür lohnt es.

Es gibt hier ein Gesangsensemble, die Be queens, und wer das Weihnachtskonzert hier erlebt hat, oh, mir stehen jetzt schon wieder die Tränen in den Augen, das ist emotional sehr rührend gewesen, die vielen Menschen, die hier zum Teil an der Wand entlang gestanden haben, weil's keine Sitzmöglichkeiten mehr gab, das zu erleben, in diesen Räumen, das bewegt einen.

Redaktion: Evangelischer Kirchenfunk Niedersachsen/Katja Jacob