Abdul: "Vermissen bleibt immer"

29. Dezember 2017
  • Kampagne UNERHÖRT!
  • Flucht und Migration

Ganz allein war Abdul, als er vor zwei Jahren von Syrien nach Deutschland flüchtete. Jetzt wohnt der 18-jährige bei einer Pflegefamilie und macht sein Fachabitur. Hören Sie ihm zu, in seiner Audio-Geschichte. 

Zuhören statt verurteilen!

Diese Geschichte ist Teil der Kampagne UNERHÖRT! Damit wirbt die Diakonie Deutschland für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt in einer immer unübersichtlicheren Welt, in der das Tempo steigt und Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht. Doch jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden.

Manche Geschichte fordert Widerspruch heraus. Zuhören bedeutet nicht automatisch Zustimmung. Und nicht alles, was erzählt wird, entspricht unserem Menschenbild oder den Positionen der Diakonie. Darüber müssen wir reden - denn häufig steckt hinter einer Geschichte eine existenzielle Notlage.

Die Kampagne, die von 2018 bis 2020 laufen soll, will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen, sie will zur Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe werden.

Abduls Geschichte zum Nachlesen

"Hallo, ich bin Abdul. Ich komme aus Syrien.

Meine Flucht war alleine von Syrien nach Deutschland, 15 Tage. Also: Syrien, Libanon, vom Libanon in die Türkei mit Flugzeug, von Türkei nach Griechenland mit Plastikboot.

Viele Menschen sterben an dieser Stelle. Das ist nicht einfach, das ist auch gefährlich. Aber man hat etwas gewünscht in seinem Leben und man muss dafür arbeiten.

Ich habe mir gewünscht, besser zu leben. Also Schule, Universität und danach ein Job und ein gutes Leben mit meiner Familie - wie jeder Flüchtling.

Nach zwei Jahren finde ich das super bei mir, läuft richtig gut. Ich mache jetzt Schule, Fachabitur. Ich lebe bei einer netten Pflegefamilie und ich will nach einem Jahr studieren gehen.

"Mit nur Chillen wird das hier gar nichts"

Was hat mich überrascht? Wir haben viel gehört in Syrien, aber hier muss man arbeiten, um gut zu sein, zum Beispiel Sprachkurse, Schule, Universität. Das ist, was ich meine, aber zu Hause bleiben oder chillen, das wird gar nichts, das ist gar nicht gut.

Ich finde Deutschland supernett. Die haben viel gemacht für uns als Flüchtlinge. Manche in der Integrationsklasse, die Lehrer und die Lehrerinnen, auch die helfen. Die waren alle nett zu mir. Viele Deutsche geben ohne zu nehmen. Die denken nicht, ich gebe dir und du musst mir auch geben - Nein! Das finde ich richtig gut, richtig nett von denen, das so zu machen mit den Flüchtlingen. Das gibt uns ein gutes Gefühl.

Nach zwei Jahren wird es immer besser, mit der Sprache, mit dem Integrieren, aber Vermissen bleibt immer."

Redaktion: Diakonie/Ulrike Pape