22. August: UNERHÖRT!-Forum in Hamburg

22. August 2018
  • Kampagne UNERHÖRT!

Die letzte Station auf der Sommerreise des Diakonie-Präsidenten Ulrich Lilie war Hamburg. Beim dortigen UNERHÖRT!-Forum auf dem Regerhof ging es um Integration und Ehrenamt.

 

Für den heutigen Tag hat sich Y.* extra in Schale geworfen: Dunkler Anzug, dunkles Hemd und dazu eine gestreifte Krawatte. Der 49jährige Syrer ist einer von mehreren syrischen Flüchtlingen, die Diakonie-Präsident Ulrich Lilie auf dem Regerhof in Hamburg im Rahmen seiner Unerhört!-Sommertour trifft. Drei Jahre war er auf der Flucht, zu Fuß, per Bus und mit dem Boot, bis er 2015 in Deutschland ankam. Seine Familie musste er in der Heimat in der Nähe von Damaskus zurücklassen: Frau und drei Söhne, heute 8, 17 und 19 Jahre alt. Seit Juni leistet er einen Bundesfreiwilligendienst als Hausmeister auf dem LutherCampus der Luther-Kirchengemeinde in Hamburg-Bahrenfeld. Er sorgt sich sehr um Frau und Kinder, die immer noch in den Kriegswirren in Syriern stecken. Der Antrag auf Familienzusammenführung ist gestellt und Y.* hofft, dass er seine Familie bald in die Arme schließen kann.

 

Großes Engagement für Flüchtlinge

Der Regerhof in der Regerstraße 73 ist die Antwort von Kirche und Diakonie auf die vielen Flüchtlinge, die 2015 nach Deutschland und auch nach Hamburg kamen. Viele von ihnen wurden in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Schnackenburgallee untergebracht. In dem Zelt- und Containerdorf mitten in einem Gewerbegebiet ohne vernünftige Verkehrsanbindung lebten zu Spitzenzeiten über 3.500 Flüchtlinge. "Die Bahrenfelder haben sich schon immer engagiert. Als 2015 immer mehr Flüchtlinge kamen, haben sie geschaut, was dringend gebraucht wird. So entstand der Regerhof mit einer Kleiderkammer, einer Sozialberatung und einer Fahrradwerkstatt, damit die Geflüchteten mobiler werden", erklärte Bettina Buhr, Leiterin der Kleiderkammer im Regerhof.

Unerhört-Tour: Diakonie-Präsident Lilie zu Besuch in Hamburg

Ort der Begegnung

Mittlerweile ist der letzte Bewohner aus der Erstaufnahmeeinrichtung in der Schnackenburgallee ausgezogen, die Container werden abgebaut. Der Regerhof mit seinen Angeboten aber ist geblieben. Aus dem kleinen Zentrum für Flüchtlingsarbeit hat sich ein Ort der Begegnung für alle Bahrenfelder entwickelt. Flüchtlinge wie Y.* können sich hier einbringen, als Hausmeister oder als Übersetzer, als Fahrradreparateur oder Kleidersortierer. Aus ehrenamtlichen Helfern wurden Mitarbeitende, so wie Bettina Buhr. Alteingesessene und neue Hamburger haben gemeinsam das Café Elio auf dem Regerhof gebaut. In dem gemütlichen Holz-Café ruhen sich nun auch die Bahrenfelder gerne bei einer Tasse Kaffee aus, die einen der drei benachbarten Friedhof besucht haben. Hier kommen sie mit den Flüchtlingen ins Gespräch, hier hören sie sich zu.

Füreinander Verantwortung übernehmen

"Wir brauchen mehr solche sorgende Gemeinschaften, Menschen aus verschiedenen Bereichen der Zivilgesellschaft - Nachbarschaften, Kirchengemeinden, Diakonie -, die füreinander Verantwortung übernehmen", erklärt Diakonie-Chef Ulrich Lilie. "Denn es ist wichtig für die Integration, nicht nach 500 Metern plötzlich die Luft rauszulassen und rechtsabzubiegen. Integration ist ein Marathonlauf für alle Beteiligten und den müssen wir mit dem gleichen Tempo und den gleichen Mitteln weiterlaufen."

* Name von der Redaktion geändert

Text: Diakonie/Ute Burbach-Tasso

Die UNERHÖRT!-Foren

Das Thema der bundesweiten UNERHÖRT!-Foren sind sozialpolitische Brennpunkt-Fragen. 2018 steht die Sommerreise des Diakonie-Präsidenten Ulrich Lilie im Zeichen der UNERHÖRT!-Tour. Die Reise führt vom 14. und 22. August einmal quer von Süd nach Nord: Stuttgart, Frankfurt, Leipzig, Syke, Wilhelmshaven, Hamburg. Die Veranstaltungsreihe zur Kampagne findet in Kooperation mit Landes- und Fachverbänden, diakonischen Einrichtungen und der Diakonie Deutschland statt.