21. August: UNERHÖRT!-Forum in Wilhelmshaven

21. August 2018
  • Kampagne UNERHÖRT!

In Wilhelmshaven hinterlässt das "UNERHÖRT!-Forum" Spuren zum 150. Stadtjubiläum 2019. In einem Zuhör-Laden mitten in der Stadt können sich Wilhelmshavener gegenseitig ihre Geschichten erzählen und einander zuhören.

Wilhelmshaven, Station fünf der UNERHÖRT!-Sommertour von Diakonie-Präsident Ulrich Lilie: Sonne glitzert auf dem Wasser, ein grauer Kriegsschiffkoloss vor blauem Himmel, ein paar Badegäste, die Wassertemperatur ist bei 21 Grad. Einmal vom Deich aufs Meer schauen und durchatmen vor dem intensiven Programm, das die Diakonie Friesland-Wilhelmshaven vorbereitet hat.

Ein Zuhör-Laden für Wilhelmshaven

Wilhelmshaven feiert im kommenden Jahr seinen 150. Geburtstag. Die UNERHÖRT!-Kampagne soll sich hier in der Jade-Stadt nicht in Plakaten und dem UNERHÖRT!-Forum erschöpfen, sondern nachhaltige Folgen haben: Die Diakonie des Kirchenkreises plant mit Unterstützung des Diakonischen Werks Oldenburg einen Zuhör-Laden mitten in der Stadt. Einen Ort, an dem die Menschen offene Ohren finden für ihre Geschichten. Für große und kleine Sorgen, für Unerhörtes und nie Erzähltes. Medien- und Kulturpartner sind die Wilhelmshavener Zeitung, das Lokalradio Jade und das Marine-Museum.

Der heutige Besuch von Diakonie-Präsident Ulrich Lilie ist Anlass, die Projektidee gemeinsam mit Bürgermeisterin Ursula Glaser (CDU), Vertretern des Rats und der Bundestagsabgeordneten Siemtje Möller (SPD) der Öffentlichkeit vorzustellen. Auch das sind Aspekte der Vernetzung, mit der Diakonie über die UNERHÖRT!-Kampagne zu einer Plattform für die Diskurse zur sozialen Teilhabe vor Ort werden möchte: "Diakonie mit anderen". "Nur gemeinsam werden wir den Herausforderungen in unserer diverser, bunter, älter und ungleicher werdenden Gesellschaft begegnen können", betonte Lilie.

Erzählen, wo der Schuh drückt

Schulden, Armut, Migration, Pflegenotstand, Sucht, Wohnungslosigkeit und Straffälligenhilfe sind Themen in verschiedenen Roundtable-Gesprächen im Haus der Diakonie. Betroffene und ihre Unterstützer erzählen Lilie und seinem Team, aber auch Räten der Stadt Wilhelmshaven und anderen Verantwortungsträgern in der regionalen Diakonie und Kirche, wo der Schuh drückt: Etwa wie die Datenschutzgrundverordnung oder das bürokratische Vorgehen der Krankenkassen den Alltag einer Frau belasten, die seit vier Jahren ihren schwer erkrankten Mann zuhause rund um die Uhr pflegt. Oder wie frustrierend es ist, als alleinerziehende Mutter von vier Kindern seit 15 Jahren in Deutschland ohne Papiere geduldet zu sein und doch kein Recht zu haben, an der Gesellschaft Teilzuhaben - schlicht weil es verboten ist zu arbeiten.

Lilies Rede an die Stadt

"Wie geht es Ihren Alten? Wie geht es ihren Kindern, wie geht es Ihren Fremden in Ihrer Stadt?", fragte Ulrich Lilie dann abends in der gut besuchten Christus- und Garnisonkirche. Der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven, die Citykirche Wilhelmshaven und das Rogate-Kloster Sankt Michael haben Bürger der Stadt und des Landkreises sowie Prominente dazu eingeladen "Zehn Reden für die Stadt" Wilhelmshaven und die Region zu halten. Präsident Lilie beschließt als zehnter Redner die Sommerreihe mit "Weltstadt Wilhelmshaven - eine Caring Community mit Zukunft". In seiner Rede entwirft Lilie das Bild eines Gemeinwesens, in dem das aufmerksame Zuhören und Zusammenarbeiten die Basis eines Miteinanders wird, in dem alle Menschen - ob mit oder ohne Migrationshintergrund - eine Heimat finden können: "Das Wir einer Gesellschaft entwickelt sich von unten, subsidiär. Darum gilt: Die Kommune ist der Ernstfall der Demokratie."

Text: Diakonie/Evamaria Bohle

Die UNERHÖRT!-Foren

Das Thema der bundesweiten UNERHÖRT!-Foren sind sozialpolitische Brennpunkt-Fragen. 2018 steht die Sommerreise des Diakonie-Präsidenten Ulrich Lilie im Zeichen der UNERHÖRT!-Tour. Die Reise führt vom 14. und 22. August einmal quer von Süd nach Nord: Stuttgart, Frankfurt, Leipzig, Syke, Wilhelmshaven, Hamburg. Die Veranstaltungsreihe zur Kampagne findet in Kooperation mit Landes- und Fachverbänden, diakonischen Einrichtungen und der Diakonie Deutschland statt.