Wohnquartier und Zivilgesellschaft - Miteinander gestalten

12. Dezember 2016
  • Journal
  • Gesundheit und Pflege
  • Psychische Erkrankungen

Menschen mit psychischen Erkrankungen werden im Alltag oft stigmatisiert. An fünf Modellstandorten wird nun gezeigt, wie ein gemeinsames Zusammenleben gelingen kann.

Logo

Unser Ziel: die Akzeptanz chronisch psychisch kranker/seelisch behinderter Menschen
im Wohnquartier und der lokalen Zivilgesellschaft spürbar verbessern

Aktuelle Studien unterstreichen, dass die Stigmatisierung von Menschen mit psychischer Erkrankung in den letzten Jahren trotz Anti-Stigmakampagnen zugenommen hat. Die Barrieren in den Köpfen und Vorbehalte scheinen gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen besonders hoch zu sein. Gleichzeitig belegen Studien, dass Menschen mit psychischer Beeinträchtigung kleinere soziale Netzwerke haben und sozial isolierter leben.

Sie sind darüber hinaus in besonders hohem Maße von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen. Es bedarf mehr selbstverständliche Begegnung von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung im Alltag. Dabei benötigen alle Beteiligte eine Unterstützung, um gelingende Begegnungen zu ermöglichen. Gemeint sind Begegnungen, die kein einseitiges Anpassen von Menschen mit seelischer Behinderung an die Erwartungen der Mehrheitsgesellschaft einfordern oder auf ein Negieren dieses Andersseins hinauslaufen.

Was macht die Diakonie Deutschland?

An fünf Modellstandorten – Bremen, Düsseldorf, Hörsel, Stuttgart, Wetzlar – entwickeln wir, die Diakonie Deutschland ab Herbst 2015 gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Partnern wie Volkshochschulen, Kleinbetrieben oder kulturellen Anbietern Projekte für beispielhaftes Zusammenleben und werden diese umsetzen. Damit wollen wir gesellschaftliche Akzeptanz und Toleranz für Menschen mit schwer verlaufenden psychischen Erkrankungen schaffen und Nachbarschaft fördern. Betroffene sollen vor allem darin gestärkt werden, ihre eigenen Belange wirkungsvoll zu vertreten. Die Diakonie Deutschland hat zur Inklusion von Menschen mit psychischen Erkrankungen beziehungsweise seelischen Behinderungen im Wohnquartier  ein Handlungskonzept entworfen. Zwischen Herbst 2015 bis Anfang 2018 wird das Konzept an den Modellstandorten erprobt und weiterentwickelt, um die Akzeptanz chronisch psychisch kranker beziehungsweise seelisch behinderter Menschen im Wohnquartier und der lokalen Zivilgesellschaft spürbar zu verbessern.  

An allen Modellstandorten werden psychisch kranke Menschen, ihre Angehörigen und Experten beteiligt. Auch interessierte Bürger, kommunale und lokale zivilgesellschaftliche Akteure im Bereich der Quartiersentwicklung, Vertreter von Kontakt-  und Beratungsstellen für psychisch kranke Menschen sowie regionale Organisationen sind eingeladen.

Fragen und Antworten zum Projekt

Es geht um die Inklusion von Menschen mit schweren und chronisch verlaufenden psychischen Erkrankungen. Welche Barrieren erleben Menschen mit seelischer Behinderung in ihrem Alltag? Wie kann eine tolerante Nachbarschaft gefördert werden?

Unser Ziel: die Akzeptanz chronisch psychisch kranker/seelisch behinderter Menschen im Wohnquartier und der lokalen Zivilgesellschaft spürbar verbessern.

Stereotype und Haltungen in der Zivilgesellschaft können durch Informationen, Sensibilisierung, Bewusstseinsbildung und am wirkungsvollsten durch direkte Kontakte mit Menschen mit psychischer Erkrankung/seelischer Behinderung hinterfragt und verändert werden. Das Projekt soll eine tolerante Gemeinschaft fördern und gleichzeitig Psychiatrie-Erfahrene darin unterstützen, ihre eigenen Belange wirkungsvoll zu vertreten und ihre Lebensverhältnisse mit Anderen zu gestalten.

  • Die Erfahrungen an den Modellstandorten werden während der zwei Erprobungsphasen wissenschaftlich evaluiert.
  • Aus der Endfassung des Handlungskonzepts und den abschließenden Evaluationsergebnissen wird ein Curriculum abgeleitet, das der Weiterbildung und Qualifizierung von "Quartiersmachern" (Multiplikatoren/ Initiatoren der Willkommenskultur im Wohnquartier) dient.
  • Das Handlungskonzept und das Curriculum werden auf der Fachtagung zum Abschluss des Projektes vorgestellt und mit einer Buchpublikation veröffentlicht sowie intensiv in den Fortbildungseinrichtungen der Diakonie genutzt.

Das Gesamtprojekt dauert von Mai 2015 bis April 2019. Die Ergebnisse werden in den darauffolgenden Monaten veröffentlicht. 

Das veröffentlichte Handlungskonzept sowie das Curriculum sollen aufzeigen, welche Aktivitäten unter welchen Voraussetzungen Akzeptanz und Toleranz chronisch psychisch kranker/seelisch behinderter Menschen im Wohnquartier und der lokalen Zivilgesellschaft spürbar verbessern. Auf der anderen Seite soll auch beschrieben werden, welche Aktivitäten eher weniger Erfolge erzielen. Mit der Buchpublikation ist 2019 zu rechnen. 

Zielgruppen sind Menschen mit psychischer Beeinträchtigung/seelischer Behinderung und ihre Angehörigen, kommunale und zivilgesellschaftliche Akteure im Bereich der Quartiersentwicklung, Vertreterinnen und Vertreter der psychosozialen Unterstützungssysteme und anderer regionaler Organisationen, Bürgerinnen und Bürger.  

Die Modellprojekte werden an den fünf Modellstandorten durchgeführt und von erfahrenen Projektleitungen koordiniert.  

Ein Fachbeirat begleitet die Arbeit der fünf Modellstandorte. Dem Fachbeirat Beirat gehören an: Psychiatrie-Erfahrene, Angehörige sowie Vertreterinnen und Vertreter der Diakonie Deutschland, diakonischer Landesverbände, des Bundesverbandes evangelische Behindertenhilfe (BeB), der Bundesakademie für Kirche und Diakonie und der Fachhochschule der Diakonie.  

Das Gesamtprojekt wird von der Diakonie Deutschland – Evangelischer Bundesverband geleitet. 

Die Diakonie Deutschland - Evangelischer Bundesverband bedankt sich bei der Aktion Mensch für die finanzielle Unterstützung. Insgesamt stellt die Diakonie Deutschland je Modellstandort über die Dauer von circa zwei Jahren für die verschiedensten Aktivitäten 35.000,- Euro zur Verfügung. 

Die fünf Modellstandorte sind in Bremen, Düsseldorf, Hörsel, Stuttgart und Wetzlar.  

Bremen: Verein für Innere Mission in Bremen - Bereich Psychosoziale Hilfen Gabriele Ravenborg-Natur
E-Mail: [email protected]
Webseite zum Projekt

Düsseldorf: Graf Recke Stiftung - Sozialpsychiatrie & Heilpädagogik Henning Rannoch und Reimund Weidinger
E-Mail: [email protected] und [email protected] 
Webseite zum Projekt

Hörsel: Bodelschwingh-Hof Mechterstädt e.V. – Christina Reinhardt und Cathleen Gärtner
E-Mail: [email protected] und [email protected]
Webseite zum Projekt 

Stuttgart: Gemeindepsychiatrisches Zentrum Stuttgart-Möhringen (Evangelische Gesellschaft Stuttgart e.V.) - Birgit Claaßen
E-Mail: [email protected]  
Webseite zum Projekt 

Wetzlar: Diakonie Lahn Dill e.V. – Wolfgang Muy und Lea Glaubrecht
E-Mail: [email protected] und [email protected]
Webseite zum Projekt 
www.soziale-inklusion.com

Projektkoordination

Florian Hermann

Projekt Wohnquartier und Zivilgesellschaft - Miteinander gestalten

030 65211-1663

[email protected]

Fachliche Leitung

© Hermann Bredehorst

Dr. Katharina Ratzke

Sozialpsychiatrie und Suchthilfe

030 65211-1659

[email protected]

Die Diakonie Deutschland bedankt sich für die finanzielle Unterstützung