Was heißt hier eigentlich Demokratie? Demokratieerziehung als originärer Auftrag der frühkindlichen Bildung

23. August 2019
  • Journal
  • Familie und Kinder

Die Diakonie Deutschland setzt sich in Zusammenarbeit mit der Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder e.V. (BETA) verstärkt für Demokratiebildung in Kindertageseinrichtungen ein. Das Projekt trägt dazu bei, dass Demokratiebildung in evangelischen Kindertageseinrichtungen Eingang findet und schon bei kleinen Kindern demokratisches Interesse geweckt wird. Es wird gefördert durch das Programm Demokratie leben! des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSJ) .

Demokratiebildung mit Kleinen und Großen

© Michael Regner

Erziehung zur Demokratie bedeutet auch, den Umgang mit digitalen Medien zu lernen.

In Weiterbildungsprogrammen werden pädagogische Fachkräfte und Fachberatungsmitarbeitende  zur Demokratiebildung geschult und im Umgang mit ausgrenzenden Tendenzen, Rechtsextremismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sensibilisiert. Sie erhalten Handwerkszeug, um sprechfähig zu werden und sich klar für demokratische Werte zu positionieren.

Ergebnisse der Arbeit im Projekt

Um Demokratiebildungsprozesse in Kindertageeinrichtungen zu fördern, werden im Projekt verschiedene Arbeitsmaterialen und Veranstaltungen gemeinsam mit Fachberatungen erarbeitet und durchgeführt:

  • Demnächst erscheint hier eine Broschüre zum Thema "Demokratiebildung aus evangelischer Perspektive" zum Runterladen. Sie soll ein Instrument sein, um Demokratiebildung im frühpädagogischen Arbeitsfeld ins Gespräch zu bringen, dafür zu motivieren und als Ansatz in den Einrichtungen zu stärken;
  • Die Inhalte dieser Broschüre münden in Schulungen für Fachberatungen.
  • Auf Fachtagen und in Workshops kommen Mitarbeitende aus frühpädagogischen Einrichtungen zusammen, um ihre Expertise und Erfahrungen miteinander auszutauschen, Positionen zu reflektieren und neue Kenntnisse zu gewinnen. Bisher diskutierte Themen waren Partizipation, Machtverhältnisse und Geschlechtervielfalt sowie vorurteilsbewusste Bildung und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.
  • Es steht filmisches didaktisches Material zur Verfügung, das Fachberatungen und Einrichtungen nutzen können, um Partizipation mit Kindern zu thematisieren.
  • Ein sechssprachiges Poster, mit begleitendem Flyer "Kinderrechte stärken" auf dem fünf Partizipationsstufen erklärt werden, dient Fachkräften als Werkzeug. Sie können es nutzen, um über Partizipation, was es in ihrer Kita bedeutet und wie sie dort gelebt wird, zu sprechen.
  • In Kooperation mit der Fachstelle Queere Bildung QUEERFORMAT wird die Broschüre "Hurra es ist ein... Kind! - Geschlechtervielfalt ist (k)ein Neus Thema" publiziert. Diese erklärt, leicht verständlich, warum es in Deutschland neuerdings 3 Geschlechtseinträge gibt, was es mit dem Thema Geschlechtervielfalt auf sich hat und warum das auch für Kitas eine Rolle spielt. Als Zielgruppen werden Eltern von Kita-Kindern angesprochen. Implizit sind pädagogische Fachkräfte eine weitere Zielgruppe. Sie werden diese Informationen ebenfalls lesen und an die Eltern weiterreichen.

Erste Erkenntnisse aus der bisherigen Projektarbeit

Systemorientierter Blick zur Förderung von Demokratiebildung

Demokratiebildung ist mehr als eine pädagogische Herausforderung in der Kindertagesbetreuung, denn sie soll nicht nur dazu beitragen, dass Kinder Selbstwirksamkeitserfahrungen machen und Handlungs-und Selbstorganisationsfähigkeit entwickeln. Vielmehr ist Demokratiebildung auch erste politische Bildung. Es werden Grundqualifikationen für ein demokratisches Handeln vermittelt, wie z.B. Verhandlungs- und Konfliktlösungskompetenzen, Urteilsfähigkeit, Organisationsgeschick, Kooperationsfähigkeiten, Regelverständnis sowie Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung. Deswegen hat Demokratiebildung auch eine entscheidende gesellschaftspolitische Bedeutung.

Um dieser Bedeutung gerecht zu werden und Kitas als Orte zu gestalten, in denen demokratisches Handeln geübt werden kann, sind mitbestimmungsorientierte Strukturen und Entscheidungsverfahren hilfreich. Eine systemorientierte Perspektive fördert, Demokratiebildung in Kitas im Sinne eines institutionellen Wandlungsprozesses zu verankern. Denn wenn Ansätze von Demokratiebildung, wie z. B. Beschwerdemanagementverfahren, Sanktionen bei Diskriminierung, partizipativ orientierte Teamsitzungen und mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten für Eltern und Familien ins Leben gerufen und umgesetzt werden sollen, hat das Auswirkungen für Arbeitsabläufe und Entscheidungsstrukturen in Kitas und darüber hinaus. Auch der Ressourceneinsatz im Hinblick auf Zeit und Personal, ist davon betroffen.

Erziehungspartnerschaft

Von besonderer Bedeutung im Zusammenhang einer Neuorientierung von Arbeitsabläufen und Prioritäten in der Kindertagesbetreuung, ist die Zusammenarbeit mit Eltern und Familien. Denn Demokratiebildung und vorurteilsbewusste Erziehung funktioniert nur mit ihnen, nicht für sie. Pädagogische Fachkräfte, Kinder und ihre Angehörigen sind eine gemeinsam zu adressierende Gruppe. Insofern ist neben der Bildungsinstitution Kindertagesbetreuung vor allem der Bildungs- und Lernort Familie gefragt und sollten im Rahmen von ihren Demokratiebildungsbestrebungen ebenfalls in den Blick genommen werden. Pädagogische Fachkräfte sollten Eltern und Familien dabei auf Augenhöhe begegnen. So werden sie an bestimmten Entscheidungen in ihrer Kita bei Demokratiebildungsprozessen systematisch beteiligt. Ihnen werden Möglichkeiten zur Mitwirkung gegeben. So erhalten Sie die Chance, das Zusammenleben in der Kita mitzugestalten. Wenn Eltern und Familien erleben, dass sie gehört werden und mit ihren Bedürfnissen in der Kita Berücksichtigung finden, fühlen sie sich motiviert, ihren Beitrag zu Demokratiebildung zu leisten.

Ansprechpartnerin

© Hermann Bredehorst

Meike Geppert

Projekt Demokratie und Vielfalt in Kindertageseinrichtungen

030 65211-1066

[email protected]