Die Würde der Sterbenden - Debatte zum selbstbestimmten Sterben

13. Januar 2021
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Das Bundesverfassungsgericht hat im Februar 2020 entschieden, das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen in Bezug auf das eigene Sterben zu schützen und den Gesetzgeber aufgefordert, entsprechend tätig zu werden. Der parlamentarische Prozess wird begleitet durch eine zivilgesellschaftliche Debatte. Sie erfordert Positionierungen der evangelischen Kirche und der Diakonie – und ebenso die Diskussion innerhalb von Kirche und Diakonie darüber, wie im Rahmen christlicher Einrichtungen der freie Wille von Menschen auch in einer solchen Grenzsituation zu respektieren ist.

Kreuz auf einem Berg bei Sonnenaufgang
© epd-Bild/Rainer Oettel

Seit das Bundesverfassungsgericht im Februar 2020 entschieden hat, das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen in Bezug auf das eigene Sterben zu schützen, wird das Thema auch in Kirchenkreisen kontrovers diskutiert.

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat bereits Stellung bezogen. Davon abweichend gibt es verschiedene profilierte Einzelmeinungen. Die Diakonie Deutschland hat 2020 einen innerverbandlichen Diskussionsprozess eingeleitet. Das Papier „Selbstbestimmung und Lebensschutz: Ambivalenzen im Umgang mit assistiertem Suizid“ wird derzeit im Verband diskutiert.

Im Rahmen der Diskussion haben der Vorsitzende der Kammer für öffentliche Verantwortung der EKD, Prof. Dr. Reiner Anselm, die praktische Theologin Prof. Dr. Isolde Karle sowie Ulrich Lilie, der Präsident der Diakonie Deutschland, einen Meinungsbeitrag geleistet, der am 11. Januar 2021 in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) veröffentlicht worden ist. An dem Diskussionsprozess, der zu dem Beitrag führte, hatten sich auch Landesbischof Ralf Meister (Hannover), EKD-Ratsmitglied Prof. Dr. Jacob Joussen sowie der Palliativmediziner Prof. Dr. med. Friedemann Nauck beteiligt und den Artikel als Mitautoren mitgezeichnet.

Diakonie-Präsident Ulrich Lilie, der selbst über langjährige Erfahrung als Klinik- und Hospizseelsorger verfügt, unterstreicht die Notwendigkeit, dass über die wichtige ethische Frage des assistierten Suizids eine offene Debatte geführt werden müsse. „Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts erfordert von uns, bisherige Positionen zu überdenken“, sagt Lilie. „Man kann in der ethisch schwierigen Frage des assistierten Suizids zu unterschiedlichen Urteilen kommen. Die Auffassung unseres Autorenteams ist eine von mehreren denkbaren Positionen.“