Reformationstag 2018: „Keine Macht den Angstmachern!“

30. Oktober 2018
  • Journal

In neun Bundesländern ist der Reformationstag am 31. Oktober zum zweiten Mal arbeitsfreier Feiertag. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, würdigte aus diesem Anlass die gute Zusammenarbeit zwischen Kirchen und Zivilgesellschaft, die kulturelle Neugier geweckt und innovative Projekte ermöglicht hat. Gemeinwesenorientierung, wie sie auch von der Diakonie an vielen Stellen praktiziert wird.

In seiner Predigt am Reformationstag in der Wittenberger Schlosskirche werde er über den Freiheitsbegriff im Paulusbrief an die Galater predigen, kündigte der Ratsvorsitzende an. „Was damals galt, gilt heute genauso: Angst zu machen ist ohne Segen! Wir haben auch heute allen Grund, die Angstmacher und falschen Ablassprediger zu stellen: Niemand wird befreit dadurch, dass er andere ausgrenzt."

Denn tatsächlich herrscht heute vielfach ein Tonfall der Angst, wie auch Diakonie-Präsident Ulrich Lilie in seinem Buch "Unerhört! Vom Verlieren und Finden des Zusammenhalts" schreibt: "Angesichts bester Konjunkturdaten in Deutschland haben so viele Menschen Ängste vor unkontrollierbar erscheinen Entwicklungen in Europa und der Welt wie lange nicht mehr."

Ein erstes Mittel gegen die Angst kann das Zuhören sein, das Ernstnehmen der Ängste und Sorgen derjenigen, die sich ungehört fühlen. Wie zum Beispiel die Menschen, die uns im Rahmen der UNERHÖRT!-Kampagne der Diakonie Deutschland ihre Geschichte erzählt haben.

Dabei haben die Menschen uns nicht nur von ihren Sorgen und Ängsten erzählt. Sondern auch von den vermeintlich kleinen Dingen, die man tun kann, um die Welt besser zu machen: unsere "Alltagshelden". Da ist der Restaurantbesitzer, der in seiner Freizeit für Obdachlose kocht. Oder der pensionierte Kriminalbeamte, der heute Strafgefangene auf ihre Entlassung vorbereitet. Oder die MTA, die mit einsamen Menschen telefoniert.

Genau das brauchen wir, sagt auch der EKD-Ratsvorsitzende: "Wir brauchen Mutgeschichten zum Weitererzählen, nicht, weil wir keine Probleme hätten, sondern weil wir uns nicht einschüchtern lassen."

Und wer weiß? Egal ob Sie mit Ihren Kindern zum Halloween-Umzug gehen oder zu einem Reformationstags-Gottesdienst: auf jeden Fall Gelegenheit, mit anderen ins Gespräch zu kommen - und zuzuhören.