Präsident Lilie über Sterbebegleitung

4. November 2015
  • Journal
  • Gesundheit und Pflege
  • Hospiz- und Palliativversorgung

Anfang November entscheidet der Bundestag über eine Neuregelung der Sterbehilfe. Warum die Politik zuallererst die palliative Pflege stärken sollte, erläutert Diakonie-Präsident Ulrich Lilie in seiner Video-Botschaft.

© Diakonie/Claudine da Rocha

Ältere Menschen dürfen nicht vergessen werden

Diakonie Präsident Ulrich Lilie plädiert bei der aktuellen Debatte zur Sterbebegleitung darauf, ältere Menschen und ihre Bedürfnisse nicht aus dem Blick zu verlieren.

Die Videobotschaft zusammmengefasst

Darf sterbenskranken Menschen auf Verlangen geholfen werden, aus dem Leben zu scheiden? Eine schwierige Frage, auf die es keine einfache Antwort gibt. Anfang November entscheidet der Bundestag über eine Neuregelung der Sterbehilfe.

Diakonie-Präsident Ulrich Lilie vermisst in der bisherigen Debatte den Blick auf die älteren und pflegebedürftigen Menschen in unserem Land. Menschen, die nicht mehr für sich selber sorgen und diese Entscheidung über ihr Leben und Sterben nicht treffen können. Dabei sind pflegebedürftige Menschen ganz besonders darauf angewiesen, dass sie sich auf ein hohes Maß an Lebensqualität und Selbstbestimmung am Lebensende verlassen können.

Angst vor qualvollen Ende

Umfragen zeigen, dass viele Menschen Angst vor einem langen qualvollen Sterbeprozess haben und deshalb Sterbehilfe befürworten. Diese Sorgen können ihnen nur genommen werden, wenn sie sich auch am Lebensende gut versorgt wissen. Dazu muss die Begleitung von Schwerstkranken und Sterbenden in Altenpflegeheimen besser werden. Denn hier oder in Krankenhäusern sterben die meisten Menschen.

Dass man den letzten Lebensabschnitt mit viel pflegerischer Qualität und menschlicher Zuneigung versehen kann, hat Diakonie-Präsident Ulrich Lilie bei seinem Besuch im Haus Elias in Baden-Baden erlebt. Um den Bewohnern einen würdevollen Tod zu ermöglichen, entscheidet dort ein ethisches Konsil über die bestmögliche Behandlungsweise. Beteiligt sind der sterbende Mensch, seine Angehörigen, Seelsorger, Ärzte und Pflegepersonal. Im Einsatz sind auch alternative Behandlungsmethoden wie Klangschalentherapie und Aromapflege. Auch persönliche Wünsche wie ein Segelflug oder eine Ballonfahrt werden erfüllt. Es ist eine besondere Abschiedskultur, die dieses Haus lebt und pflegt.

Damit dies zum Regelfall wird, brauchen Pflegeheime mindestens zwei palliativ ausgebildete Fachkräfte pro 100 Bewohner, die speziell für schwerkranke und sterbende Menschen da sind. Das wäre etwas ganz Neues und ein Quantensprung für die Pflege. Und etwas, das die Politik zuallererst ermöglichen sollte. Diese gute Sterbebegleitung macht ein Sterben in Würde und ohne Angst selbstverständlich und schafft Vertrauen. Damit könnte sich die Frage nach Sterbehilfe erübrigen.

Redaktion: Diakonie/Ulrike Pape