Nachgefragt: Wie die Telefonseelsorge in der Corona Krise hilft

18. März 2020
  • Journal
  • Corona

Die Angst vor Corona macht sich auch in steigenden Anrufen bei der TelefonSeelsorge bermerkbar. Martina Rudolph-Zeller, Leiterin der Evangelischen Telefonseelsorge in Stuttgart, erklärt, welche Sorgen die Menschen haben und wie die TelefonSeelsorge hilft.

Martina Rudolph-Zeller
© Martin Stollberg

Martina Rudolph-Zeller

Welche Rolle spielt das Thema Corona in der TelefonSeelsorge?

Die Gespräche zum Thema Corona Virus sind in den letzten Tagen stark angestiegen. War es am 10.3.2020 noch jedes zehnte Gespräch, so ist inzwischen jedes zweite Gespräch geprägt von dem Thema.

Welche Ängste löst das Corona Virus aus?

Die Menschen am Telefon, aber auch in der Onlineseelsorge berichten von Angst vor Ansteckung mit dem Virus. Die Unsicherheit über die Bedrohlichkeit, das Ungewisse, nicht Kontrollierbare macht den Menschen zu schaffen.

Aber auch Überforderung bei den Auswirkungen der Vorsichtsmaßnahmen sind ein großes Thema. Hier besteht die Angst weniger vor leeren Regalen im Supermarkt, als vor den Folgen der wirtschaftlichen Lage. Kurzarbeit, Entlassungen, keine Aufträge mehr für kleinere selbstständige Betriebe - die berufliche und finanzielle Zukunft wird unsicher.

Die logistischen Herausforderungen wie Kinderbetreuung und Einkäufe sind durch die gesellschaftlichen Einschränkungen groß. Es gibt so viel zu organisieren. Werden diese affektiv aufgeladen, sprich hoch emotional angegangen, dann ist es fast unmöglich, sachlich und cool die Möglichkeiten abzuwägen.

Konflikte in der Familie, die ja nun enger als gewohnt zusammenrückt, spielen noch keine Rolle. Wir rechnen aber damit, dass sie ein Thema werden, je länger diese Situation dauert.

Wie kann die TelefonSeelsorge in der Situation helfen?

Wer nicht mehr weiter weiß, überflutet wird von Ängsten und Sorgen und sich allein damit fühlt, findet bei der TelefoSseelsorge empathische und verschwiegene Gesprächspartner und Gesprächspartnerinnen. Diese Gespräche helfen, die Situation gemeinsam zu betrachten, Fragen zu klären und Gedanken zu sortieren. Sie vermitteln das beruhigende Gefühl, dass man mit diesen Ängsten nicht allein ist.

Unseren ehrenamtlichen Mitarbeitenden ist sehr bewusst, dass sie im Moment mehr denn je gebraucht werden. Sie übernehmen die Dienste mit großem Engagement, auch zusätzlich, etwa weil ein Kollege oder eine Kollegin ganz normal erkrankt sind. Damit gewährleisten sie, dass wir bei Tag und Nacht durchgehend erreichbar sind.

Redaktion: Diakonie/Justine Schuchardt

So erreichen Sie die Telefonseelsorge

Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr unter 0800 1110111  erreichbar. Die Anrufe sind kostenfrei und die Anonymität ist gewährleistet.
Auch online können sich Menschen unter telefonseelsorge.de an die Telefonseelsorge wenden und per Mail und Chat Kontakt aufnehmen.