Nachgefragt: Warum sind Ehrenamtliche für die Hospizarbeit so wichtig?

30. September 2019
  • Journal
  • Hospiz- und Palliativversorgung

Die Bedeutung der ehrenamtlich engagierten Menschen für die Hospizarbeit erläutert Dr. Jutta Ataie, Expertin für Hospizarbeit und Palliativ Care bei der Diakonie Deutschland.

Mann und Frau sitzen und berühren ihre Hand
© Diakonie/Ulrike Pape

Sterbende Menschen und ihre Angehörigen brauchen Menschen, die ihnen beistehen.

Warum sind ehrenamtlich engagierte Menschen so wichtig für die Hospizarbeit?

Dr. Jutta Ataie: Die Ursprungsidee der Hospizbewegung war es, dem Sterben einen Platz im Leben zu geben und nicht zu einem guten Sterben anzuleiten. Sterben konfrontiert den Menschen mit Fragen, auf die es keine Expertenantworten gibt. Sterbebegleitung ist im Bereich zwischen Wissen und Nicht-Wissen angesiedelt. Deshalb sind hier professionell und ehrenamtlich arbeitende Menschen aufeinander angewiesen. Sie ergänzen sich im Interesse der Betroffenen aufgrund ihrer unterschiedlichen Rollen und Aufgaben gut und können voneinander lernen.

Welche Aufgaben haben ehrenamtlich engagierte Menschen in der Hospizarbeit?

Ataie: Ehrenamtlich engagierte Menschen schenken schwerstkranken und sterbenden Menschen und ihren Angehörigen Zeit, gehen auf ihre Wünsche und Bedürfnisse ein und schaffen durch die Begegnung auf Augenhöhe ein Stück Normalität. Sie sind in der Öffentlichkeitsarbeit aktiv, betätigen sich in den Vorständen von Hospizvereinen oder unterstützen den Hauswirtschaft- oder Verwaltungsbereich stationärer Hospize. Zudem setzen sich ehrenamtlich engagierte Menschen für eine andersartige Kultur im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer ein und halten das Bewusstsein wach, dass das Sterben in die Mitte unserer Gesellschaft gehört. Dadurch leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität der Betroffenen.

Was muss passieren damit sich mehr Menschen ehrenamtlich in der Hospizarbeit engagieren?

Ataie: Ehrenamtlich Engagierte in der Hospizarbeit sind nicht nur altruistisch, sondern wünschen sich, dass ihre Tätigkeit in ihr Leben passt und diesem Sinn und Tiefe verleiht. Das für ehrenamtliche Hospizarbeit typische Rollen- und Aufgabenverständnis hat sich gewandelt. Heute engagieren sich auch Menschen, die studieren, erwerbstätig sind, vielleicht auch Kinder haben. Sie verfügen nicht so frei über ihre Zeit, wie ältere Frauen, die sich nach der Erwerbsphase ehrenamtlich engagieren. Menschen, die zeitlich sehr eingespannt sind, fallen manchmal aus guten Gründen plötzlich aus, für eine kurze Zeit oder auch für immer. Dies erfordert sehr viel Koordination durch die Hauptamtlichen.

Haupt- und ehrenamtlich engagierte Menschen müssen im Team gut zusammen arbeiten und einander akzeptieren. Dafür sind fortlaufend Schulungen nötig. Die Teammitglieder müssen lernen, Toleranz für ihre teilweise sehr unterschiedlichen Zeitkonzepte und Weltbilder zu entwickeln und umzusetzen. Nur so werden die ehrenamtlich engagierten Menschen dauerhaft Freude an und Motivation für Ihre Tätigkeit behalten und sich längerfristig an die jeweilige Hospizorganisation binden.

Wie werden Ehrenamtliche auf ihre Arbeit im Hospiz vorbereitet?

Ataie: Wer sich ehrenamtlich in der Hospizarbeit engagieren möchte, wird auf diese anspruchsvolle Arbeit gründlich vorbereitet. Dabei hat sich das sogenannte "Celler Modell" bewährt. Es basiert auf der Annahme, dass nur eine tiefe Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung gegenüber den Grenzen des Lebens zusammen mit fachlicher Kompetenz die notwendigen Voraussetzungen bilden, um Menschen am Ende ihres Lebens gut begleiten zu können.

Redaktion: Diakonie/Justine Schuchardt

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