Nachgefragt: Pflegeausbildung wird modernisiert

22. Februar 2016
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  • Gesundheit und Pflege
  • Generalistische Pflegeausbildung

Die Pflegeausbildung wird 2016 neu geregelt. Aus Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege soll eine generalistische Ausbildung werden. Zu den Hintergründen Manfred Carrier, Referent für Altenhilfe und Pflege der Diakonie.

Was ist die generalistische Pflegeausbildung?

Manfred Carrier: Die generalistische Pflegeausbildung fasst die bisherigen Ausbildungen der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zu einer generalistischen Pflegeausbildung zusammen. Diese dauert unverändert 3 Jahre und teilt sich wie bisher in theoretischen Unterricht und Praxiseinsätze. Die praktische Ausbildung gliedert sich in Einsätze in einer stationären Pflegeinrichtung, einem Krankenhaus und einem ambulanten Dienst. Hinzu kommen diverse Praxiseinsätze in anderen Bereichen wie beispielsweise der Kinderkrankenpflege. Die genaue Regelung dieser Praxiseinsätze steht derzeit noch aus. Mit dem Berufsabschluss als "Pflegefachfrau" oder "Pflegefachmann" können die Fachkräfte dann in allen pflegerischen Berufsfeldern arbeiten. Die neue Pflegeausbildung wird im Pflegeberufsgesetz geregelt. Dieses tritt voraussichtlich ab Sommer 2016 abgestuft in Kraft. Die ersten Azubis könnten ihre generalistische Pflegeausbildung dann ab Januar 2018 beginnen.

Warum wird die Pflegeausbildung neu geregelt?

Carrier: Die Anforderungen an die Pflege haben sich vor allem durch die demographischen Veränderungen in den letzten Jahren weitreichend verändert. In Langzeit-Pflegeeinrichtungen werden die Menschen zunehmend auch medizinisch versorgt und gepflegt. In medizinischen Versorgungseinrichtungen wie beispielsweise Krankenhäusern hingegen steigt der Anteil der Menschen mit hohem Pflegebedarf – etwa aufgrund einer Demenzerkrankung oder ihres hohen Alters. Eine spezifisch ausgerichtete Pflegeausbildung auf eine altersabhängige Lebensphase oder eine bestimmte Versorgungssituation hin ist nicht mehr zeitgemäß. Durch die generalistische Ausrichtung wird die Pflegeausbildung grundlegend modernisiert: Die Auszubildenden erhalten Kenntnisse in allen pflegerischen Bereichen. Dies macht sie beruflich flexibler, denn sie können zwischen den verschiedenen Berufsfeldern der Pflege wechseln.

Wie bewertet die Diakonie die Neuregelung der Pflegeausbildung?

Carrier: Wir machen uns bereits seit Jahren für eine generalistische Pflegeausbildung stark. Denn nur durch eine Reform der Pflegeausbildung können wir den veränderten Anforderungen in der Pflege gerecht werden und die Qualität der Pflege erhalten. Der Abschluss der generalistischen Pflegeausbildung eröffnet eine hohe berufliche Flexibilität und neue Karrieremöglichkeiten: Als "Pflegefachfrau" oder "Pflegefachmann" können die Fachkräfte sowohl in der Alten- als auch Kranken- und Kinderkrankenpflege arbeiten und im Laufe ihres Berufslebens ihren Tätigkeitsbereich wechseln. Die generalistische Pflegeausbildung ist im gesamten EU-Ausland anerkannt und ermöglicht so weitreichende berufliche Mobilität. Auch dies macht den Pflegeberuf wesentlich attraktiver. Die generalistische Pflegeausbildung wirkt so dem Fachkräftemangel entgegen.

Interview: Diakonie/Sarah Spitzer

Interviewpartner

© Hermann Bredehorst

Manfred Carrier

Stationäre und teilstationäre Altenhilfe und Pflege

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