Nachgefragt: Kinderreha stationär oder ambulant?

20. Mai 2019
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Die Kinderreha ist im Wandel. Bislang gibt es fast ausschließlich stationäre Kliniken für Kinderreha. Seit dem "Flexirentengesetz" sind auch ambulante Angebote möglich. Zudem sollen die Eltern stärker beteiligt werden. Was das für die Kinderreha konkret bedeutet, erläutert Dr. Tomas Steffens, Referent für Medizinische Rehabilitation, Prävention und Selbsthilfe bei der Diakonie Deutschland.

In der Kinderreha malen Kinder an einem Tisch gemeinsam Kratzbilder
© Diakonie/Ulrike Pape

Kinderreha in einer stationären Reha-Klinik: Bei der Ergotherapie malen die jungen Patientinnen und Patienten gemeinsam Kratzbilder aus

Zusätzlich zu Kliniken soll es bald auch ambulante Möglichkeiten für die Kinderreha geben - ist das sinnvoll?
Dr. Tomas Steffens:
Bislang gibt es kaum ambulante Kinderrehea-Angebote, sie müssen erst entwickelt werden. Das neue ambulante Angebot ist für die Leistungserbringer wie Krankenkassen und auch für die Reha-Träger eine Herausforderung, denn es bedarf neuer Konzepte und deren Umsetzung. Es muss nämlich in Zukunft genau geschaut werden, welches Angebot - ob ambulant oder stationär - für ein Kind geeigneter ist.

 

Wie unterscheidet sich die ambulante Kinderreha von der stationären?
Steffens:
Gemeinsam haben beide, dass ein interdisziplinäres Team die Kinder behandelt. Aber das Kind geht nicht in eine Klinik, sondern zur ambulanten Reha-Einrichtung. Möglich ist auch eine Kombination von stationärem Aufenthalt und ambulanter Reha. Von der Konzeption her ist die ambulante Reha näher am Alltagsleben, denn das Kind bleibt in seiner gewohnten Umgebung wohnen. Es gibt aber auch Kinder und Jugendliche, für die ist die Klinik die bessere Lösung, weil sie Distanz zur Familie und zur Alltagspraxis gewinnen.

 

Familienangehörige können neuerdings in den Kinderreha-Prozess stärker mit einbezogen werden. Wie läuft das ab und wie steht die Diakonie dazu?
Steffens:
Mit dem "Flexirentengesetz" aus dem 6. Sozialgesetzbuch zur Rentenversicherung ist festgelegt, dass nicht nur Begleitpersonen bei Kindern bis zum 12. Lebensjahr mitaufzunehmen sind, sondern dass Familienangehörige auch in die Kinderreha einzubeziehen sind, wenn das für den Reha-Erfolg notwendig ist. Reha-Patient bleibt das Kind. Die Kinderreha wird jedoch ein Stück weit systemischer ausgerichtet, denn das Familiensystem gerät mehr in den Blick. Das betrifft beispielsweise die Frage, wie in der Familie mit Krankheiten umgegangen wird oder wie bei den Jugendlichen die Ablösung in der Pubertät gut gelungen ist. Dazu braucht es in der Praxis gute Konzepte. Weil es sich um neue Leistungen handelt, die die Kliniken erbringen, muss das für sie auch vergütet werden. Wir als Diakonie sind im Bündnis für Kinderreha engagiert und setzen uns für diese neue systemische Ausrichtung ein.

Interview: Diakonie/Ulrike Pape