Nachgefragt: „Ich bin zuversichtlich, dass die Impfungen bald gut laufen“

8. Februar 2021
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Die Impfungen gegen das Corona-Virus sind bundesweit vor gut einem Monat gestartet. Gerade in der Umsetzung sind für viele Menschen aber noch Fragen offen. Wie man über seine persönliche Impfung informiert wird und ob man sich danach wieder freier bewegen kann, erklärt Heike Prestin, Referatsleitung Altenhilfe, Pflege, Hospiz bei der Diakonie Deutschland.

Eine Spritze wird in einen Oberarm gespritzt
© Diakonie Aue-Schwarzenberg/Silvio Namsler

Die Impfungen gegen das Corona-Virus sind vor gut einem Monat gestartet.

Wie und wann erfahre ich, wann und wo ich und meine Angehörigen geimpft werden?

Heike Prestin: Dazu informiert man sich am besten über die Webseite der Gesundheitsbehörde des jeweiligen Bundeslandes, in dem man lebt. Das Bundesgesundheitsministerium hat in der Impfverordnung zwar festgelegt, in welcher Reihenfolge geimpft wird. Die Umsetzung ist aber in jedem Bundesland anders. So muss man sich zum Beispiel in Brandenburg über eine Internetseite für einen Impftermin anmelden, in Berlin wird man vom Gesundheitsamt angeschrieben und bekommt einen Impftermin zugewiesen. In manchen Bundesländern informiert die Kassenärztliche Vereinigung. Durch dieses Durcheinander wissen die Leute oft gar nicht, wo sie sich melden müssen und wann sie voraussichtlich geimpft werden. Die vielen unterschiedlichen Informationen produzieren Aufregung und verunsichern die Menschen meiner Meinung nach zusätzlich. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass sich das bald einspielen und beruhigen wird, so dass alle, die sich impfen lassen wollen, auch eine Impfung bekommen.

Porträtfoto von Heike Prestin
© Hermann Bredehorst

Heike Prestin ist Referatsleitung Altenhilfe, Pflege, Hospiz bei der Diakonie Deutschland.

Dürfen sich Menschen, die bereits geimpft wurden, wieder freier bewegen? Können beispielsweise Kinder dann wieder gefahrlos die Groß- oder Urgroßeltern treffen?

Prestin: Ich fürchte, wir müssen uns noch eine Weile vorsichtig verhalten. Sicher ist aber ein Besuch bei den Großeltern möglich, wenn diese geimpft sind. Der vollständige Impfschutz ist zwei Wochen nach der zweiten Impfung erreicht. Es besteht ein sehr kleines Restrisiko einer Infektion, weil der Impfschutz 95 Prozent beträgt. Aber selbst wenn es nach der Impfung zu einer Infektion kommt, verläuft diese in der Regel sehr mild. Was wir noch nicht wissen ist, wie gut die Impfstoffe, die wir jetzt haben, gegen die Virusmutationen helfen. Bisher sieht es so aus, als wenn der Impfschutz auch gegen die Mutationen besteht. Unklar ist außerdem, ob bereits geimpfte Menschen das Virus dennoch weiterhin auf andere Menschen übertragen können, auch, wenn es bei ihnen nicht ausbricht. Deshalb sollten wir uns gerade im öffentlichen Raum auch weiter schützen, bis das Infektionsrisiko so gering ist, dass man wieder sicher vor einer Ansteckung sein kann.

In den Pflegeheimen war die Situation durch das Corona-Virus in den letzten Monaten besonders angespannt. Wann wird sich dort die Lage durch die Impfung normalisieren? Wann wird es beispielsweise wieder möglich sein, die Angehörigen zu besuchen ohne körperliche Distanz wahren zu müssen?

Prestin: Die Entscheidung über die Kontaktbeschränkungen in den Pflegeheimen treffen die lokalen Gesundheitsbehörden. Sie hängt aber von verschiedenen Faktoren ab. Es wird zum Bespiel relevant sein, ob die Impfung auch gegen die Virusmutationen hilft und wie hoch die Infektionszahlen in der jeweiligen Gegend gerade sind. Wir sollten im Sinne und zum Schutz der alten Menschen aber weiterhin vorsichtig sein und die Lockerungen langsam angehen, wenn sie dann möglich sind. Auch, wenn das schwer fällt und die Geduld vieler Menschen schon lange überstrapaziert ist.

Interview: Diakonie/Sarah Spitzer