Nachgefragt: Freiwilliges Engagement

21. März 2017
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Freiwilliges Engagement ist für die Diakonie unersetzlich. Wie man selbst das richtige Engagement für sich findet, hat uns Rainer Hub erläutert, Referent für freiwilliges Engagement.

Wie kann ich herausfinden, welches Engagement zu mir passt?

Rainer Hub: In unserem Hilfeportal gibt es einen Fragebogen zu der Frage, ob man für freiwilliges Engagement geeignet ist. Ein paar Möglichkeiten, sich innerhalb der Diakonie zu engagieren, sind auch hier aufgezeigt.

Sie sollten zwei wichtige Fragen vorher klären. Wann will ich mich engagieren? Also, habe ich regelmäßig Zeit für ein Engagement, wie viele Stunden kann ich mich engagieren und passt es mir unter der Woche oder am Wochenende besser? Und: Wo möchte ich mich engagieren? Da spielt zum Beispiel eine Rolle, wie weit die Fahrwege sein dürfen, die ich bereit bin, in Kauf zu nehmen. Idealerweise kann man mit den Hauptamtlichen besprechen, ob sich die Vorstellungen decken oder widersprechen. Die Diakonie bietet vielfältige Möglichkeiten zum Engagement. Man findet also eine Option, egal, was die Antwort auf die Fragen sein mag.

Wie könnte man mehr junge oder männliche Freiwillige gewinnen?

Hub: Tatsächlich sind gesamtgesellschaftlich mehr Männer als Frauen und vor allem Menschen zwischen 15 und 27 Jahren engagiert. Im sozialen Bereich findet man allerdings wirklich überwiegend das typische Sozial-Profil: weiblich, älter als 60 Jahre und schon länger engagiert. Der einzige Unterschied sind die Freiwilligendienste, die hauptsächlich von jungen Menschen genutzt werden. Um diese auch für langfristiges Engagement zu begeistern, sind wir vor Jahren eine Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft evangelische Jugend eingegangen. Sie haben mehr Kontakt, wir mehr Engagement-Möglichkeiten. Eine andere Möglichkeit, die immer beliebter wird, sind Projekte, in denen man sich über einen bestimmten Zeitraum sehr intensiv engagiert. Das sind dann beispielsweise mehrere Wochen am Stück. Hiermit könnte man vielleicht auch Menschen mittleren Alters motivieren, die bereits Familie und Beruf unter einen Hut bekommen müssen. Hier sollten wir unsere Angebote weiterentwickeln.

Viele haben sich 2015 für Geflüchtete engagiert. Wie hat sich dieses Engagement weiterentwickelt?

Hub: Das Engagement hat nicht abgenommen. Lediglich die Aufgaben, um zu einer gelingenden Integration beizutragen, verändern sich. Viele der geflüchteten Menschen sind weiterhin hier und auch die Krisen der Erde sind nicht bewältigt. Die Integrationsarbeit endet ja nicht schlagartig. Es geht nicht mehr so sehr um die Organisation von Sachspenden und Essensverteilung, sondern eher um Behördengänge und Sprachkurse. Die deutsche Bürokratie bietet genug Herausforderungen – selbst wenn man der deutschen Sprache mächtig ist. Was tatsächlich in manchen Orten nicht gelingt, ist, noch weitere Menschen für Engagement zu gewinnen. Das Potential scheint mitunter ausgeschöpft. Die Diakonie vertritt hier auch ganz klar die Position: Engagement sollte freiwillig stattfinden und nicht erzwungen oder gar zur Bürgerpflicht erklärt werden.

Interview: Diakonie/Nele Spandick

 

Interviewpartner

© Hermann Bredehorst

Rainer Hub

Freiwilliges soziales Engagement, Freiwilligendienste

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