Nachgefragt: „Die Impfung ist derzeit das beste Mittel, das wir haben“

20. Dezember 2021
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Die Impfungen gegen das Corona-Virus sind vor einem Jahr gestartet, viele Menschen haben bereits eine dritte Dosis erhalten. Aber noch immer sind nicht alle Menschen überzeugt, sich impfen zu lassen. Warum Impfen der einzige Weg zurück in die Normalität ist und wie man Impfskeptikern begegnen sollte, erklärt Heike Prestin, Referatsleitung Altenhilfe, Pflege, Hospiz bei der Diakonie Deutschland.

eine Spritze wird in einen Oberarm gespritzt
© Diakonie Aue-Schwarzenberg/Silvio Namsler

Impfen schützt nachgewiesen vor schweren Verläufen der Covid-19-Erkrankung und verringert die Anzahl der Todesfälle.

Die Diakonie hat sich seit Beginn der Impfungen dafür stark gemacht, auch mit einer eigenen Kampagne. Diakonie-Präsident Ulrich Lilie fordert eine allgemeine Impfpflicht, um die Verletzlichsten in unserer Gesellschaft zu schützen. Warum ist Impfen so wichtig, um die Corona-Pandemie endlich in den Griff zu bekommen?

Heike Prestin: Die Impfung ist derzeit das beste Mittel, das wir haben. Impfen schützt nachgewiesen vor schweren Verläufen der Covid-19-Erkrankung und verringert die Anzahl der Todesfälle. Wir haben uns als Diakonie lange gegen eine Impfpflicht ausgesprochen und darauf gesetzt, Menschen zu überzeugen und aufzuklären. Das machen wir immer noch. Wir sehen aber mittlerweile, dass die Gefahr zu groß ist, dass ungeimpfte Menschen andere anstecken. Gerade die Verletzlichsten. In unserer Gesellschaft – auch in vielen unserer Einrichtungen – leben Menschen, die ein größeres Risiko haben, an Covid-19 zu erkranken oder sogar daran zu sterben. Besonders diese Menschen müssen wir alle schützen. Das geht am besten mit der Impfung. Die Menschen wollen und sollen nicht wieder isoliert werden müssen. So weit darf es nicht noch einmal kommen. Darum ist eine allgemeine Impfpflicht nur konsequent.

Millionen Menschen in Deutschland – und weltweit – haben sich bereits gegen das Coronavirus impfen lassen. Mit gutem Erfolg. Einige Menschen sind dennoch nicht überzeugt, sich impfen zu lassen. Wie sollte man ihrer Skepsis begegnen und wie können Impfverweigerer noch erreicht werden?

Porträtfoto Heike Prestin
© Hermann Bredehorst

Heike Prestin ist Referatsleitung Altenhilfe, Pflege, Hospiz bei der Diakonie Deutschland.

Prestin: Ich habe den Eindruck, dass sich noch immer viele Menschen aus Angst nicht impfen lassen. Einige aus Bequemlichkeit und nur wenige, weil sie zu rechtextremen Verschwörungsgruppen gehören. Für die ängstlichen Menschen braucht es Verständnis, auch wenn das manchmal nicht ganz einfach ist. Die Informationsflut der vergangenen Monate hat bei vielen Menschen eben nicht zu mehr Erkenntnis, sondern zu mehr Unsicherheit geführt. Menschen, die bislang nicht geimpft sind, weil es ihnen zu aufwendig ist, einen Impftermin zu bekommen, müssten ein persönliches Impfangebot erhalten. In Ländern, in denen allen Bürgerinnen und Bürgern ein persönliches Impfangebot gemacht wurde, wie zum Beispiel Portugal, aber auch Bremen, sind die Impfquoten viel höher. Und Extremisten, die zu Gewalt aufrufen und gezielte Falschinformationen verbreiten, müssen klare Grenzen gesetzt werden. Das darf nicht toleriert werden.

Die neue Bundesregierung hat die Bewältigung der Corona-Pandemie ganz oben auf ihre Agenda gesetzt und einen Corona-Expertenrat einberufen. Wo sehen Sie politischen Handlungsbedarf, um die Impfquote weiter und ggf. schneller zu erhöhen?

Prestin: Es wäre gut, wenn von der Politik klare und verständliche Signale kommen, die einfach und schnell umsetzbar sind. Der neue Expertenrat ist sicher eine gute Entscheidung, jetzt muss dieser aber auch zu guten Ergebnissen kommen. Ich denke, es ist wichtig zu bedenken, dass man die Politik nicht nur für die unentschiedenen und zweifelnden Menschen macht, sondern auch für diejenigen, die sich aktiv und solidarisch für ein sicheres Miteinander einsetzen. Meine Hoffnung ist, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt wieder stärker wird, wenn es ein klares Ziel gibt, mit einem Weg, auf dem man nicht allein ist.

Redaktion: Diakonie/Sarah Spitzer