Nachgefragt: Die Corona-Pandemie stellt auch die Kinderhospizarbeit vor ungeahnte Herausforderungen

9. Februar 2021
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Die Corona-Pandemie stellt auch die Kinderhospizarbeit vor große Herausforderungen. Wie es gelingt, schwer kranke Kinder mit ihren Familien in dieser schwierigen Zeit weiterhin verlässlich zu begleiten und welche Unterstützung die Kinderhospizarbeit braucht, erklärt Irene Müller, Geschäftsführerin der mission:lebenshaus gGmbH, die das Angelika Reichelt Kinder- und Jugendhospiz Joshuas Engelreich betreibt, und Vorstand des Bundesverbandes Kinderhospiz e.V.

Porträtfoto von Irene Müller
© Sarah C. Laurinat

Irene Müller ist Geschäftsführerin der mission:lebenshaus gGmbH, die das Angelika Reichelt Kinder- und Jugendhospiz Joshuas Engelreich betreibt, und Vorstand des Bundesverbandes Kinderhospiz e.V.

Wie hat sich die Corona-Pandemie auf die Kinderhospizarbeit ausgewirkt und welche Herausforderungen müssen die Hospize und ambulanten Dienste meistern?

Die Pandemie stellt uns alle vor ungeahnte Herausforderungen. Anfangs waren die Familien aus Angst vor dem Virus so verunsichert, dass sie sogar den dringend zur Entlastung gebotenen Hospizaufenthalt in Frage gestellt haben. Hier gilt es immer wieder in intensiven Gesprächen an ihrer Seite zu sein, Transparenz zu schaffen, Ängste abzubauen und es manchmal auch gemeinsam auszuhalten.

Die Familien mit ihren lebensverkürzt erkrankten Kindern leben seit Beginn der Pandemie oft in einer selbst verhängten Isolation, aus Angst vor der Ansteckung mit Covid-19. Hier benötigen die Familien unsere Stimme zur hohen Priorisierung zur Impfung.

Wir geben alles, damit sich die Familien in dieser Zeit nicht allein gelassen fühlen. Wir telefonieren, schreiben, vernetzen und riefen den Geschwister-Chat ins Leben. Wir gehen kreative Wege um Familien in ihrem Alltag zu stärken und ihnen zu zeigen, wir sind da. Wir erarbeiteten Konzepte, tauschen uns aus und unterstützen. Wir sind froh und dankbar, dass wir es gemeinsam schaffen, die Hospize als Orte der Geborgenheit trotz oder gerade in der Pandemie für die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie ihre Familien zu erhalten.

Die vertrauensvolle Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamt, ambulanten Hospizdiensten, stationären Hospizen, Spezialisierter ambulanter Palliativversorgung (SAPV), um nur einige zu nennen, hat uns auch in dieser besonderen Zeit gezeigt: Es geht nur gemeinsam.

Angelika Reichelt Kinder- und Jugendhospiz Joshuas Engelreich
© mission:lebenshaus gGmbH

Das Angelika Reichelt Kinder- und Jugendhospiz Joshuas Engelreich in Trägerschaft der mission:lebenshaus gGmbH ist speziell auf die Bedürfnisse von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ausgerichtet.

Wie gelingt es, schwer kranke Kinder und ihre Familien auch unter Pandemie-Bedingungen gut zu begleiten?

Manchmal sind Fragen die besseren Antworten. Wir fragen uns tagtäglich: Was brauchen die Kinder, Jugendlichen, jungen Erwachsenen? Was brauchen die Eltern, was die Geschwister? Was brauchen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Wie können wir Sorge dafür tragen in der Kraft zu bleiben und trotz Abstand Nähe herzustellen? Wie können wir die Finanzierung aufrechterhalten? Diese Fragen begleiten alle, die sich für die Familien einsetzen und in der Verantwortung sind.

Den Dialog und den Diskurs zu fördern, für die Rechte der Familien einzustehen und die Gesellschaft sowie die Politik für die Bedürfnisse und Bedarfe lebensverkürzend erkrankter Menschen auch und insbesondere in der Pandemie zu sensibilisieren, das ist unsere Aufgabe. Die Belange in den Blick zu nehmen und nicht wegzuschauen, Solidarität zu leben und gemeinsam verantwortlich zu handeln, dafür stehe ich mit allen Beteiligten gemeinsam ein.

Was ist notwendig, um die Kinderhospizarbeit in der Corona-Krise vor allem finanziell zu sichern?

Wir haben der Politik als Träger und unter anderem gemeinsam mit dem Bundesverband Kinderhospiz unmittelbar signalisiert, dass wir dringend zusätzliche finanzielle Unterstützung benötigen. Mit vereinten Kräften ist es uns gelungen – dem Schutzschirm für Kinderhospize wurde zugestimmt. Diesen so lange zu verlängern, wie eine Gefährdungslage vorliegt, ist dringend geboten.

Wir sind weiterhin auf Spenden stark angewiesen und sind deshalb dankbar, dass wir so viel Unterstützung in ganz unterschiedlicher Art und Weise erfahren dürfen, da ohne diese Zuwendungen vieles nicht möglich ist.

Interview: Diakonie/Sarah Spitzer