Gleiche Chancen in der Kunst

6. September 2016
  • Journal
  • Inklusion und Behindertenhilfe

Die Wanderausstellung der Diakonie Deutschland zeigt Kunstwerke von Menschen mit und ohne Handicap. Momentan in der documenta-Halle in Kassel.

Ein Mann in einem Rollstuhl und eine Frau sprechen miteinander
© feindesign.de/Daniel Penschuk

Die Eröffnung der Ausstellung "Kunst trotzt Handicap"

Ist ein Handicap eine Herausforderung für den betroffenen Menschen? Auf jeden Fall. Für die Kunst kann man dies kaum behaupten. Sie lebt von selbst auferlegten Regeln, Widerständen und Herausforderungen und vom Durchbrechen dieser Beschränkungen. Kassel ist die siebte von insgesamt zwölf Stationen der Ausstellung "Kunst trotz(t) Handicap".

Wie bereits in der Vergangenheit mit einer Wanderausstellung unter dem Motto "Kunst trotz(t) Armut" möchte die Diakonie Deutschland dazu beitragen, dass der soziale Status von Kunstschaffenden nicht die Wertschätzung ihrer Werke bestimmt.

Die Exponate der Ausstellung erklären dem Besucher, dass "Handicap" ein Begriff ist, um etwas Soziales zu beschreiben. In der Kunst verliert er an Bedeutung. Die ausgestellten Künstler malen mit Mund und Füßen, können beim Bildhauen ihre Skulpturen nicht sehen oder finden durch die Malerei einen Weg aus der Sprachlosigkeit. Daraus entstehen einzigartige Kunstwerke. Und – durch die Kunst finden viele Menschen mit Handicap eine Basis für das soziale Miteinander. Die Wanderausstellung führt den Besuchern Werke vor Augen, die auch kritischen Blicken mühelos standhalten können.

Kreativität fördern

Von den 100 ausstellenden Künstlern haben etwa 70 ein Handicap, das kann eine geistige oder körperliche Behinderung sein, eine Sucht oder eine psychische Erkrankung. Im Sinne des Inklusionsgedankens finden sich auch 30 Künstler ohne Handicap, die sich für einen Zugang zur Kunstszene auch ohne akademische Ausbildung eingesetzt haben, darunter Werke von Joseph Beuys, Arnulf Rainer oder Otmar Alt.

In vielen Einrichtungen der Behindertenhilfe und Diensten der gemeindenahen psychiatrischen Versorgung werden die kreativen Potenziale der betreuten Menschen durch spezielle Angebote in künstlerischen Werkstätten und Ateliers gezielt gefördert und zur Entwicklung gebracht. Der Kurator Andreas Pitz hat diese Einrichtungen selbst besucht als er mit dem Projekt betraut wurde: "Ich war begeistert von der hohen Qualität vieler Arbeiten, die sicherlich auch auf die professionelle Anleitung zurückzuführen ist und so gar nichts mit Bastelstunde oder Kunsttherapie zu tun hat."

Text: Diakonie/Benjamin Wolgast

Informationen zur Ausstellung

Noch bis zum 18. September 2016 kann man die kostenlose Ausstellung in der documenta-Halle in Kassel besuchen. Termine und Veranstaltungshinweise finden Sie auf der Homepage

Wer die Ausstellung verpasst, der hat bis Juli 2017 noch vier Möglichkeiten sie in anderen Städten zu besuchen. Die nächsten Stationen sind:

Hannover, Marktkirche (21. 9.-19.10.2016)

Bremen, Kulturkirche Sankt Stephani (10.2.-10.3.2017)

Schwäbisch Hall, Hällisch-Fränkisches Museum (16.3.-23.4.2017).