Gewalt in der Pflege: Beratungsstelle erweitert Angebot

23. März 2020
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Die Berliner Beratungsstelle «Pflege in Not» bei Gewalt und Konflikten in der Pflege alter Menschen hat ihr Angebot erheblich ausgeweitet.

Durch die Corona-Krise und ihre Folgen spitze sich für die pflegenden Angehörigen die Situation zu Hause extrem zu, sagte Leiterin Gabriele Tammen-Parr am Montag in Berlin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Grund sei der Wegfall vieler Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige. Deshalb sei die telefonische Beratungszeit verdreifacht worden.

Zugleich rief Tammen-Parr dazu auf, sich in der Nachbarschaft zu vernetzen: «Klingeln Sie bei Ihren älteren Nachbarn, aber halten Sie Abstand.» Allein mit Zettel aufhängen oder der Vernetzung über soziale Medien sei es nicht getan. 

Wegen der Krise entfielen die Tagespflege, Gesprächsgruppen für pflegende Angehörige, Betreuungsgruppen für Demenzerkrankte oder die Einzelbetreuung durch Ehrenamtliche, sagte Tammen-Parr. Dadurch seien die Pflegebedürftigen und deren Angehörige zu Hause ganz auf sich gestellt. «Es ist doch klar: Wenn niemand mehr 'rauskommt aus der Wohnung, dass es in dieser zugespitzten Situation ohne Entlastung von außen zu Aggressionen und Konflikten kommen kann.»  In den vergangenen Tagen habe sich die Anzahl der Anrufe erhöht, sagte Tammen-Parr. «Natürlich können wir an den äußeren Bedingungen nichts ändern. Wir möchten aber Angehörige, die zu Hause pflegen, und Angehörigen von Heimbewohnern die Möglichkeit geben, sich zu informieren und sie emotional stützen», so die Leiterin von «Pflege in Not».

epd