Firmen profitieren von sozialem Engagement

13. Juli 2017
  • Journal
  • Freiwilliges Engagement
  • Engagement und Hilfe

Wenn Firmen sich engagieren, ist das nicht nur ein Gewinn für die Einrichtungen. Viele Unternehmen nutzen soziales Engagement für Personalentwicklung. Wie sich Unternehmen engagieren können, haben wir unseren Experten für Freiwilliges Engagement Rainer Hub gefragt.

© Mercedes-Benz Bank

Soziales Engagement - ein Gewinn für beide Seite: Über 100 Mitarbeitende der Mercedes-Benz Bank renovierten eine Unterkunft für Flüchtlinge in Stuttgart.

Wie können sich Firmen sozial engagieren?

Rainer Hub: Es haben sich vor allem zwei Formate bewährt: der "Social Day" und der "Blickwechsel". Bei dem Social Day bringt sich ein Unternehmen mit seiner Mitarbeiterschaft einen Tag lang in einer Einrichtung ein. Manche Unternehmen machen etwas, was sie schon gut können. Ein Malerbetrieb streicht zum Beispiel gratis ein paar Räume. Andere Unternehmen wollen etwas machen, was sie sonst nie machen. Man muss vorher klären, was die Einrichtung brauchen kann, wovon dann auch die Firma, die sich engagieren will, etwas hat.  

Wieviel Planung ist nötig?

Hub: Man sollte etwa vier bis sechs Monate vorher planen.  Zum Beispiel haben wir als Diakonie im letzten Jahr in der Berliner Stadtmission Streichen der Wände angeboten. Dafür mussten wir Material einkaufen und organisieren, wer diese Arbeit anleitet. Umgekehrt muss sich auch die Einrichtung vorbereiten. Sie muss sich überlegen, wo sie Hilfe gebrauchen kann und ihre Klienten aussuchen, die mitmachen. Es soll ja schließlich Begegnung stattfinden.  

Was muss bei der Planung des Sozialen Tages noch beachtet werden?

Hub: Es sollte ein Wochentag und kein Samstag eingeplant werden. Damit wird deutlich, dass sich das Unternehmen engagiert und nicht die Mitarbeitenden ehrenamtlich. Außerdem ist dann eher Begegnung mit den Menschen vor Ort möglich.  

Wie funktioniert das Format "Blickwechsel"?

Hub: Im Unterschied zum Sozialen Tag gehen hier Einzelpersonen oder Teams eine Woche in eine Einrichtung. Manche Unternehmen haben eine Projektwoche für ihre Auszubildenden eingeführt, manche bieten dieses Format für ihre mittlere Führungsebene an. Diese Maßnahme wird als Instrument der Personal- oder Teamentwicklung genutzt. Das klassische Konzept sieht vor: einen Tag kennenlernen der Einrichtung, drei Tage Mitwirken im Alltag, ein Tag Auswertung und Reflexion. Zeitlich lässt sich dieses Konzept aber auf die Bedürfnisse des Unternehmens, das sich engagieren möchte, anpassen.  

Können sich Unternehmen die Einsatzfelder aussuchen?

Hub: Ja. Möglich ist der Einsatz in der Altenpflege, Behindertenarbeit, Hospiz,  Flüchtlingshilfe und vieles mehr. Im Beratungsgespräch vorher wird geklärt, welche Wünsche aber auch welche Berührungsängste es möglicherweise gibt.  

Was haben die Firmen davon?

Hub: Der Soziale Tag dient vor allem dem gegenseitigen Kennenlernen. Er kann ein Einstieg für den Blickwechsel sein. Das Unternehmen hat auch ein Imagegewinn davon. Es zeigt, dass es seine soziale Verantwortung im Gemeinwesen wahrnimmt. DieMitarbeitenden profitieren von dem Perspektivenwechsel und es schult Empathiefähigkeit. Das zweite Modul, den Blickwechsel verstehen viele Unternehmen auch als Mitarbeiterfortbildung. Soziale Fähigkeiten (soft skills) werden hier gestärkt. Es gibt zum Beispiel Banken, die Ihr Schalterpersonal auf diese Weise schulen, denn zum Bankschalter kommen auch alte, verwirrte, behinderte oder obdachlose Menschen.

Interview: Justine Schuchardt/diakonie.de