Empowerment geflüchteter Frauen

4. Juni 2018
  • Journal
  • Flucht und Migration

Das Projekt unterstützt Frauen und andere schutzbedürftige Personengruppen mit Fluchterfahrung in Deutschland.

Das Projekt wird aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration gefördert.

Aufgrund von Krieg, Konflikten und Verfolgung aber auch Armut, Folter oder den Folgen von Umweltzerstörung verlassen Menschen ihre Heimat und suchen Schutz in anderen Ländern. Insbesondere Frauen, Mädchen und LGBTIQA* sind in diesen Zusammenhängen häufig von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen, ob vor der Flucht, auf dem Reiseweg oder nach Ankunft im Zielland. Formen geschlechtsspezifischer Gewalt, Diskriminierung aufgrund des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung gelten als geschlechtsspezifische Verfolgung und werden seit 2005 im deutschen Asylrecht als Asylgründe berücksichtigt.

Ca. 35 % der Personen, die zwischen 2013 und 2019 in der Bundesrepublik Deutschland einen Asylantrag gestellt haben, sind Frauen und Mädchen. Im Jahr 2019 lag der prozentuale Anteil von Frauen und Mädchen, die einen Asylantrag gestellt hatten, sogar bei über 43 %. Neben den geschlechtsspezifischen Fluchtgründen (z. B. drohende Zwangsheirat, häusliche Gewalt, Genitalverstümmelung/Beschneidung) und der besonderen Verletzlichkeit bzw. Gefährdung auf der Flucht (z. B. Menschenhandel und sexuelle Gewalt) befinden sich Frauen und Menschen mit besonderem Schutzbedarf in Aufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften immer noch nicht in Sicherheit. Fehlende Privatsphäre und Rückzugsräume sowie psychische Belastungen und rechtliche Hürden erschweren ihnen das Ankommen in Deutschland.

Um diese Menschen frühzeitig zu erreichen und niedrigschwellig zu beraten, fördert die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration seit 2016 Projekte, die "Unterstützung für geflüchtete Frauen und andere besonders schutzbedürftige Personengruppen" anbieten.

Video zum Projekt

Im Video werden zwei diakonische Projekte zum Empowerment von geflüchteten Frauen deutschlandweit vorgestellt: "Begleitung und Beratung von geflüchteten Frauen im Kreis Weimarer Land" vom Diakoniewerk Apolda gGmbH in Apolda und "Perspektive: Neue Heimat" vom Träger "Evangelische Jugendsozialarbeit Hof und Umgebung e.V. - Internationales Mädchen - und Frauenzentrum der EJSA" in Hof.

Fachtage

Durch die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) und die Frauenhauskoordinierung e.V. (bis 2017) wurden mehrere projektbezogene Fachtage zum Empowerment geflüchteter Frauen und anderer vulnerabler Personengruppen durchgeführt:

 2016: Fachtag „Schutz von geflüchteten Menschen vor geschlechtsspezifischer Gewalt“ 

 2017: Fachtag „Empowerment ist… Realitäten und Perspektiven in der Sozialen Arbeit mit geflüchteten Menschen“ 

2018: Fachtag „Partizipation in der Empowermentarbeit mit geflüchteten Frauen“ 

 2019: Fachtag „Rechte haben und Rechte durchsetzen – geflüchtete Frauen stärken“

Fragen und Antworten zum Projekt

Die Diakonie Deutschland hat 2016 den ersten Gesamtantrag bei der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration gestellt und konnte im ersten Förderjahr 31 Projekte deutschlandweit finanzieren. In der 5. Förderperiode 2020-2021 konnten Mittel für 18 bundesweite Projekte akquiriert werden. Die Diakonie Deutschland koordiniert und unterstützt als Zentralstelle die Projekte, die das Thema "Empowerment geflüchteter Frauen und anderer besonders schutzbedürftiger Personengruppen" im Fokus haben. Neben der fachlichen Begleitung und Vernetzung der Projekte ist die Diakonie Deutschland für die Auswertung der Projekte und die Abwicklung des Gesamtprojekts zuständig.

Die Selbsthilfepotentiale und -strukturen von Frauen und anderen besonders schutzbedürftigen Personen mit Fluchterfahrung sollen durch die Projekte gestärkt und unterstützt werden. Dazu gehören die Stärkung der persönlichen Ressourcen, die Verbesserung der aktuellen Lebenssituation, die Überwindung der Isolation und die Selbstorganisation im direkten sozialen Umfeld. Daneben steht die Beschäftigung mit Menschen- und insbesondere Frauenrechten im Vordergrund. Verschiedene Maßnahmen sollen auch zur Prävention von Gewalt in Aufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften beitragen. 

Ziel der diakonischen Projekte ist es, im Sinne des Empowerments die Selbstständigkeit, gesellschaftliche Teilhabe und Bildungschancen von Frauen mit Fluchterfahrung zu fördern und zu unterstützen. Konkret wird dies unterstützt durch den Aufbau von sozialen Netzwerken, niedrigschwelligen Angeboten, durch die Stärkung der Handlungskompetenzen und die Verbesserung des Wissensstands über das Leben in Deutschland und die deutsche Gesellschaft. Dabei wurde die Erfahrung gemacht, dass es sinnvoll ist auch die Familien der Frauen einzubeziehen. So werden zunehmend auch Angebote gemacht, die sich beispielsweise an geflüchtete Eltern oder speziell an geflüchtete Männer richten.

Frauen und andere besonders schutzbedürftige Gruppen mit Fluchterfahrung, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden oder persönliche Krisen durchleben, werden so möglichst kurz nach der Ankunft in Deutschland angesprochen und begleitet. Sie finden durch die Projektmitarbeiter*innen vor Ort Ansprech- und Vertrauenspersonen und erfahren Unterstützung bei der Bewältigung der belastenden Lebensumstände

Die Projekte und die Zugänge zu der Zielgruppe sind vielfältig. Einige Projekte sind direkt in den Flüchtlingsunterkünften angesiedelt. Sie bieten Frauen geschützte Räume zum Austausch und bieten Workshops und Informationsveranstaltungen an. Andere Projekte sind in den Beratungsstellen der Diakonie angesiedelt und beraten die Frauen außerhalb von Aufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften. Sie unterstützen Frauen u.a. bei der Bewältigung von Behörden- oder gesundheitlichen Angelegenheiten, bei der Suche nach Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder, bieten Kunsttherapie an oder vermitteln in psychologische Beratung. In Fällen von häuslicher Gewalt stellen sie Kontakte zu Unterstützungseinrichtungen für Frauen her. Ein Projekt ist direkt im Frauenhaus angesiedelt und unterstützt Frauen mit Fluchterfahrung im Frauenhaus. Außerdem werden auch Projekte gefördert, die Betroffene von Menschenhandel im Fokus haben oder sich an LGBTIQA* Geflüchtete richten. 

Das Projekt läuft seit dem 01. Januar 2016. Die jetzige Förderperiode endet am 31. Dezember 2021.

Bundesweit werden in der Förderperiode 2020-2021 18 Projekte vor allem in evangelischer oder diakonischer Trägerschaft finanziert. Die Projektmitarbeiter*innen arbeiten in den meisten Fällen mit geflüchteten Frauen, die in Aufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind.

Das Projekt wird aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration gefördert.

Kontakt

Rebekka Lang

Projektleitung

030 652 11-1220

[email protected]