Buß- und Bettag

21. November 2017
  • Journal
  • Diakonie und Glauben

Nur in Sachsen ist der Buß- und Bettag ein gesetzlicher Feiertag. Warum das so ist und wieso dieser Tag auch heute noch wichtig ist, erklärt Oberkirchenrat Christian Schönfeld.

ein Schild "Buß- und Bettag geschlossen"
© epd/Diane Mayer

Der Bußtag lädt ein, gewohnte Einstellungen und Überzeugungen zu überprüfen.

Was wird am Buß- und Bettag gefeiert?

Schönfeld: Buß- und Bettage entstanden in Zeiten aktueller Notstände und Gefahren, ganz besonders bei Kriegsgefahr (etwa im 30-jährigen Krieg). Daraus entwickelten sich regelmäßig begangene Buß- und Bettage. Der Herbstbußtag (Mittwoch vor dem letzten Sonntag nach Trinitatis) wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Buße und Gebet bestimmen solche Tage. In einer Gesellschaft des Recht haben- und Recht behalten-wollens ist dies wirklich ein mutiges, anscheinend unzeitgemäßes Unterfangen. Hier sind Selbstbehauptungen und Selbstdarstellungen gefragt. Luthers Überlegungen in seinen Thesen "Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht 'Tut Buße', hat er gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll." (1. These), sie passen nicht so recht in unsere Zeit. Der Bußtag will helfen, aus der egozentrischen Spirale herauszufinden.

Seit 1995 ist dieser Tag kein gesetzlicher Feiertag mehr – außer in Sachsen. Warum ist dieser Tag nach wie vor wichtig?

Schönfeld: Im Jahr 1994 wurde beschlossen, den Buß- und Bettag als arbeitsfreien Tag mit Wirkung ab 1995 zu streichen, um die Mehrbelastung für die Arbeitgeber durch die Beiträge zur neu eingeführten Pflegeversicherung durch Mehrarbeit der Arbeitnehmer auszugleichen. Nur im Freistaat Sachsen besteht er bis heute als gesetzlicher Feiertag weiter – dafür bezahlen in Sachsen Arbeitnehmer (nicht jedoch deren Arbeitgeber) einen höheren Beitrag zur Pflegeversicherung als im restlichen Bundesgebiet. Durch die Feiertagsgesetze ist es in den meisten anderen Bundesländern aber jedem Arbeitnehmer möglich, sich unter Hinweis auf religiöse Pflichten an diesem Tag freizunehmen.

Es muss kein Urlaubstag genommen, allerdings auf Lohn verzichtet werden. Zur Streichung des Buß- und Bettages als Feiertag kam es in vielen Bundesländern, weil die Lobby zur Erhaltung des Pfingstmontags größer war als die Mahnung der Kirchen, solche Besinnungstage nicht zu gering zu schätzen. So bleibt nur zu hoffen, dass in anderen Zeiten diese Abwägungen anders bewertet werden. Wir Sachsen jedenfalls können uns gut an die Zeit vor 25 Jahren erinnern, wo Kerzen und Gebete Wunder gewirkt haben. Vielleicht war das auch ausschlaggebend für den Feiertag, den wir hier begehen.

Wie wird der Buß- und Bettag heute gefeiert?

Schönfeld: Der Bußtag bietet die Chance, innezuhalten und mein Leben im Angesicht von Gottes Willen zu betrachten. Der Bußtag lädt ein, gewohnte Einstellungen und Überzeugungen zu überprüfen. Der Bußtag bietet die Möglichkeit, aus dem erschöpfenden Stress der Selbstbehauptung auszusteigen und sich die Augen für Gottes Willen öffnen zu lassen. Denn bei der Buße geht es weniger um ein schmerzhaftes Büßen als vielmehr um eine Besinnung darauf, wie Leben gelingen kann. Buße zielt nicht auf Strafe, sondern will Hinführung zur Erkenntnis sein, dass es eine Rückkehr zum Haus des Vaters gibt (Gleichnis vom verlorenen Sohn), dass das Gelingen unseres Lebens an anderen Faktoren gemessen als uns oftmals suggeriert wird.

Im 20. Jahrhundert hat Deutschland zweimal Irrwege ins Verderben beschritten. Haben da Christen den Ruf zur Umkehr, zum Innehalten nicht gehört? Müssen wir einen Untergang befürchten, wenn Umkehr ignoriert wird? Kann Leben ohne Besinnung gelingen? Der Bußtag ist eine Erinnerung, dass unser Leben auf Werte angewiesen ist, die wir uns nicht selbst erarbeiten und leisten können. Es ist eine Einladung, unser Leben neu auszurichten. Es bietet die Chance, innezuhalten und sein „Marschgepäck“ neu zu sortieren, Unnötiges rauszuwerfen und Wichtiges neu einzuordnen.

Interview: Diakonie/Anieke Becker