5 Möglichkeiten, Obdachlosen zu helfen – und was Sie besser lassen sollten

24. Oktober 2017
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  • Wohnungslosigkeit

In der kalten Jahreszeit begegnen einem auf dem Weg zur Arbeit immer mehr Menschen, die die Nacht in U-Bahnhöfen verbracht haben. Aber wie helfen? Tasse Kaffee, Brötchen oder einen Schlafsack spenden? Wir haben obdachlose Menschen und unsere Sozialarbeiter gefragt, wie Sie helfen können.

Ein Mann gibt einer Person Kleidung
© Diakonie/Hermann Bredehorst

Auch die Vermittlung in eine Obdachlosenpraxis, wie hier in Berlin am Stralauer Platz kann helfen

Obdachlose Menschen wahrnehmen. Wenn er ansprechbar ist, fragen, ob und welche Hilfe notwendig ist. Zum Beispiel Krankenwagen rufen oder einen Wärmebus informieren, der die Person gegebenenfalls in eine Notschlafstelle bringen kann. Wenn die Person nicht reagiert, sie möglichst in stabile Seitenlage bringen und einen Krankenwagen rufen.

Grundsätzlich gilt: Mein Gegenüber sagt mir, welche Hilfe er oder sie benötigt, nicht ich. Dann: Anschauen. Ansprechen. Fragen. Es geht nicht nur um den Inhalt der Antwort, sondern um das "Wie" der Kommunikation. Fragen, ob die Person eine Spende von mir annehmen möchte beziehungsweise was sie gerade gebrauchen kann. Das kann ein warmer Tee, Wasser, ein Brötchen, Kleidung oder auch Geld sein. Dinge nur in der Qualität spenden, in der ich sie selbst annehmen würde. Und viele freuen sich über ein nettes Hallo oder ein Gespräch.

Für Obdachlose Menschen gibt es Tagesstätten, Notschlafstellen oder Essensausgabestellen. Eine Zusammenstellung verschiedener Angebote in ganz Deutschland finden Sie hier.

Geld spenden:

  • Sich bewusst machen, was  mit dem Geld geschehen soll. 
  • Sich über entsprechende Anbieter informieren. Dies wenn möglich persönlich, denn im Gespräch können wichtige Aspekte der Arbeit zur Sprache kommen.

Materielles (Lebensmittel, Bekleidung, Hygieneartikel, ...) spenden: 

  • Bei einer konkreten Einrichtung erfragen, was beziehungsweise ob mein Spendenangebot gerade benötigt wird.
  • Dinge nur in der Qualität spenden, in der ich sie selbst annehmen würde.

Zeit spenden: 

Die persönlichen Voraussetzungen klären: Was ist meine persönliche Motivation? Wieviel Zeit habe ich? Was möchte ich tun?

In der Arbeit mit obdachlosen Menschen werde ich mit viel Not und persönlichen Schicksalen konfrontiert. Kann ich nach meinem Engagement abschalten? Welche Möglichkeiten gibt es, das Erlebte zu reflektieren? 

Für die Menschen ist es wichtig, so angenommen zu werden, wie sie sind. Kann ich den Menschen mit ausreichend Sensibilität und Respekt begegnen? Obdachlose Menschen haben manchmal mir fremde Verhaltensweisen entwickelt. Inwieweit kann ich Andersartigkeit achten ohne sie zu bewerten?
Sich informieren, was gebraucht wird. Dies ist wichtig nicht nur, um tatsächlich eine sinnvolle Unterstützung zu leisten, sondern auch, um sich selbst vor Enttäuschungen und falschen Erwartungen zu schützen. 

Und dann: Lassen Sie sich mit Neugier und Freude auf die Begegnungen ein, und lassen Sie sich von den Perspektiven, die sich dadurch eröffnen, überraschen.

Urteilen - viele denken "der kauft sich ja sowieso nur Drogen von meiner Spende". Die Gründe für Obdachlosigkeit können ganz unterschiedlich sein - meist sind es wirtschaftliche Notlagen gepaart mit schwierigen persönlichen Lebensumständen. Wer in so einer Lebenssituation ist, hat Hilfe verdient. Außerdem sollte man nicht unsensibel nachfragen.

Text: Diakonie/Anieke Becker