Themenschwerpunkt

Hospizarbeit und Palliativ­versorgung

© Diakonie/Annette Schrader

In Würde leben – bis zuletzt

Hospizarbeit ist aus einer Bürgerbewegung heraus entstanden und wird bis heute maßgeblich vom ehrenamtlichen Engagement getragen.
 Sie steht für ein ganzheitliches Konzept zur Begleitung und Betreuung schwerstkranker sterbender Menschen. Ziel ist es, die letzte Lebensphase so lebenswert wie möglich zu gestalten und ein Sterben in Würde und Geborgenheit zu ermöglichen. Palliativversorgung, oder auch Palliative Care, ist ein ganzheitlicher Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von schwerstkranken, sterbenden Menschen und ihren Familien.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Hospizarbeit ist die Seelsorge. Im Gespräch, in Gebeten oder in Gottesdiensten begleiten Seelsorgerinnen und Seelsorger sowohl den Sterbenden wie auch die Angehörigen. Seelsorge kann eine Begleitung Angehöriger über den Tod der Patientinnen und Patienten gewährleisten. Sie ergänzt palliative Versorgung dadurch um die Perspektive nach dem Tod.

Begleitung statt Sterbehilfe

Viele Ärzte sehen die Palliativmedizin als Alternative zur Sterbehilfe. Studien zeigen, dass der Wunsch nach Sterbehilfe zurückgeht, wenn über die mit Palliativmedizin und Hospizarbeit verbundenen Möglichkeiten eines würdevollen Lebensendes aufgeklärt wird.

Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland

„Palliativmedizin und Hospizkultur gehören in jedes Krankenhaus, in jedes Pflegeheim und in jedes Gemeinwesen”

Nachgefragt

In Politik und Öffentlichkeit wird immer wieder kontrovers über Sterbehilfe diskutiert. Diakonie-Präsident Ulrich Lilie ist Mitherausgeber eines Buches, das die "blinden Flecken" in der Sterbehilfedebatte thematisiert.

Ulrich Lilie: Im Mittelpunkt der Debatte um die Sterbehilfe steht meist ein autonomer, erwachsener Mensch, der über alle Belange seines Lebens und selbstverständlich auch sein Lebensende selbst bestimmen kann. Ist ein solches Bild vom Menschen schon eine fragwürdige Fiktion, stellen sich erst recht einige weitere Fragen: Was ist mit den Menschen, deren Autonomie tatsächlich eingeschränkt ist? Beispielsweise aufgrund einer körperlichen Erkrankung, aufgrund einer Behinderung oder Demenz. Was ist mit Kindern, die unheilbar erkrankt sind? Oder mit einem psychisch kranken Menschen, der um Sterbehilfe bittet? Ihre Lebenssituationen sind von gesunden Menschen oft nur sehr schwer nachzuvollziehen und einzuschätzen. Daher werden ihre besonderen Anliegen und Bedürfnisse in der Sterbehilfedebatte häufig zu wenig berücksichtigt. Aber gerade diese Menschen dürfen wir nicht vergessen.

Lilie: Die Debatte um den assistierten Suizid berührt Grundfragen des Verständnisses vom Leben und Sterben des Menschen. Sterben und Tod dürfen keine Tabuthemen in der Gesellschaft sein – sie gehören selbstverständlich zum Leben dazu. Ich sehe in der aktuellen Debatte die Chance, selbst den Blick auf das eigene Lebensende zu richten und zu fragen: Wie möchten wir eigentlich sterben? Eng verknüpft ist damit die Frage: Wie möchten wir alt werden? Daraus wird sich, so hoffe ich, eine Kultur des würdevollen Sterbens und des würdevollen Alterns entwickeln.

Lilie: Organisierte Sterbehilfe zu verbieten, ist aus vielen Gründen wichtig und richtig. Mindestens ebenso wichtig ist aber, die Ursachen dafür, warum Menschen Beihilfe zur Selbsttötung wünschen, zu beheben. Eine Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD zeigt, dass die Menschen vor allem vor einer langen, qualvollen und schmerzhaften Sterbephase Angst haben. Wir müssen darum zuerst dafür Sorge tragen, dass jeder Mensch sicher sein kann, im Sterben gut versorgt zu werden. Darum plädiert die Diakonie dafür, die palliative Versorgung der großen Anzahl sehr alter und sterbender Menschen umfangreich zu verbessern – und zwar nicht nur in spezialisierten Einrichtungen wie Hospizen und Palliativstationen, sondern vor allem auch in den Pflegeheimen sowie in den ambulanten Diensten.

Geschichten aus unserer Arbeit

  • Ehrenamtliche Hospizhelferin

    "Am Lebensende einfach nur da sein"

    Zukunftspläne? Alles, was war und sein könnte? Nicht mehr relevant am Lebensende! „Es reicht, einfach nur da zu sein – auch das ist Nächstenliebe“, sagt Irmgard Neese über ihr Ehrenamt im Diakonie-Hospiz Wannsee im Video.

    © Diakonie/Ulrike Pape
  • Sterbebegleitung

    "Ich habe so eine Freude!"

     

    Menschen, die für ihre letzten Wochen in ein Hospiz gehen, blühen oft noch einmal auf. Fühlen sich befreit, probieren Neues aus. Und können so Abschied nehmen. Ein Besuch im stationären Hospiz der Diakonie Erlangen.

Ansprechpartner

© Hermann Bredehorst

Dr. Jutta E. Ataie

Hospiz und Palliative Care

030 65211-1761

[email protected]