Themenschwerpunkt

Hospizarbeit

© Diakonie/Ulrike Pape

In Würde leben – bis zum Tod

Hospizarbeit ist aus einer Bürgerbewegung heraus entstanden und wird bis heute wesentlich von der Überzeugungskraft und dem Engagement ehrenamtlich tätiger Menschen getragen. Hospizarbeit rückt die Bedürfnisse der Betroffenen in den Vordergrund und steht für ein ganzheitliches Konzept zur Beratung und Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen und ihrer Zugehörigen. Das zentrale Anliegen der Hospizarbeit ist es, die letzte Lebensphase so lebenswert wie möglich zu gestalten.

Ehrenamtliche aus anderen Kulturen und Bevölkerungsschichten gewinnen

Auch heute noch sind es überwiegend ältere Frauen aus der Mittelschicht, die sich ehrenamtlich in der Hospizarbeit engagieren. Ergebnisse einer aktuellen Studie des deutschen Hospiz- und Palliativverbandes zeigen jedoch, dass sich 17 Prozent der Bevölkerung vorstellen können, sich ehrenamtlich um schwerstkranke und sterbende Menschen zu kümmern. Das ist mehr als bisher angenommen. Die Diakonie möchte dieses Potential stärker ausschöpfen. Ihr geht es darum, die politischen und organisatorischen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit noch mehr jüngere und berufstätige Menschen sowie Männer und auch Menschen aus anderen Kulturen für die ehrenamtliche Hospizarbeit gewonnen werden können.

Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland

„Menschen brauchen am Ende ihres Lebens vor allem Menschen, die für sie sorgen und ihnen beistehen. Sie müssen spüren, dass sie nicht alleine sind.”

Nachgefragt

Die Bedeutung der ehrenamtlich engagierten Menschen für die Hospizarbeit erläutert Dr. Jutta Ataie, Expertin für Hospizarbeit und Palliativ Care bei der Diakonie Deutschland.

Dr. Jutta Ataie: Die Ursprungsidee der Hospizbewegung war es, dem Sterben einen Platz im Leben zu geben und nicht zu einem guten Sterben anzuleiten. Sterben konfrontiert den Menschen mit Fragen, auf die es keine Expertenantworten gibt. Sterbebegleitung ist im Bereich zwischen Wissen und Nicht-Wissen angesiedelt. Deshalb sind hier professionell und ehrenamtlich arbeitende Menschen aufeinander angewiesen. Sie ergänzen sich im Interesse der Betroffenen aufgrund ihrer unterschiedlichen Rollen und Aufgaben gut und können voneinander lernen.

Ataie: Ehrenamtlich engagierte Menschen schenken schwerstkranken und sterbenden Menschen und ihren Angehörigen Zeit, gehen auf ihre Wünsche und Bedürfnisse ein und schaffen durch die Begegnung auf Augenhöhe ein Stück Normalität. Sie sind in der Öffentlichkeitsarbeit aktiv, betätigen sich in den Vorständen von Hospizvereinen oder unterstützen den Hauswirtschaft- oder Verwaltungsbereich stationärer Hospize. Zudem setzen sich ehrenamtlich engagierte Menschen für eine andersartige Kultur im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer ein und halten das Bewusstsein wach, dass das Sterben in die Mitte unserer Gesellschaft gehört. Dadurch leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität der Betroffenen.

Ataie: Ehrenamtlich Engagierte in der Hospizarbeit sind nicht nur altruistisch, sondern wünschen sich, dass ihre Tätigkeit in ihr Leben passt und diesem Sinn und Tiefe verleiht. Das für ehrenamtliche Hospizarbeit typische Rollen- und Aufgabenverständnis hat sich gewandelt. Heute engagieren sich auch Menschen, die studieren, erwerbstätig sind, vielleicht auch Kinder haben. Sie verfügen nicht so frei über ihre Zeit, wie ältere Frauen, die sich nach der Erwerbsphase ehrenamtlich engagieren. Menschen, die zeitlich sehr eingespannt sind, fallen manchmal aus guten Gründen plötzlich aus, für eine kurze Zeit oder auch für immer. Dies erfordert sehr viel Koordination durch die Hauptamtlichen.

Haupt- und ehrenamtlich engagierte Menschen müssen im Team gut zusammen arbeiten und einander akzeptieren. Dafür sind fortlaufend Schulungen nötig. Die Teammitglieder müssen lernen, Toleranz für ihre teilweise sehr unterschiedlichen Zeitkonzepte und Weltbilder zu entwickeln und umzusetzen. Nur so werden die ehrenamtlich engagierten Menschen dauerhaft Freude an und Motivation für Ihre Tätigkeit behalten und sich längerfristig an die jeweilige Hospizorganisation binden.

Informationen über die Ausbildung für ehrenamtlich arbeitende Menschen im Hospiz finden Sie in dem vollständigen Interview.

Geschichten aus unserer Arbeit

  • Ehrenamtliche mit Migrationshintergrund

    Austausch der Kulturen

    In der ehrenamtlichen Hospizarbeit sind bisher kaum Menschen mit Migrationshintergrund tätig. Senay Omatan ist eine der ersten türkischen Sterbebegleiterinnen im Berliner Lazarus Hospiz. 

    © Diakonie/Ulrike Pape
  • Ehrenamtliche Hospizhelferin

    "Am Lebensende einfach nur da sein"

    Zukunftspläne? Alles, was war und sein könnte? Nicht mehr relevant am Lebensende! „Es reicht, einfach nur da zu sein – auch das ist Nächstenliebe“, sagt Irmgard Neese über ihr Ehrenamt im Diakonie-Hospiz Wannsee im Video.

    © Diakonie/Ulrike Pape
  • Sterbebegleitung

    "Ich habe so eine Freude!"

    Menschen, die für ihre letzten Wochen in ein Hospiz gehen, blühen oft noch einmal auf. Fühlen sich befreit, probieren Neues aus. Und können so Abschied nehmen. Ein Besuch im Hospiz der Diakonie Erlangen.

Ansprechpartner

© Hermann Bredehorst

Dr. Jutta E. Ataie

Hospiz und Palliative Care

030 65211-1761

[email protected]