Themenschwerpunkt

Hospizarbeit und Palliativ­versorgung

© Diakonie/Annette Schrader

Mehr Palliativversorgung in den Krankenhäusern

Am Lebensende wollen Menschen auch im Sterben gut versorgt und begleitet werden. Das 2015 beschlossene Hospiz- und Palliativgesetz überträgt den Pflegeheimen mehr Verantwortung und legt fest, dass die Palliativversorgung ein Bestandteil der Regelversorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung wird. Krankenhäuser können nun einen stationsunabhängigen Palliativdienst einrichten. Das Gesetz verbessert außerdem die Finanzierung stationärer Hospize und stärkt ambulante Hospizdienste.

Personal reicht nicht aus

Wir wollen Menschen am Lebensende ein hohes Maß an Lebensqualität und Selbstbestimmung ermöglichen. Dafür sorgen unsere ehrenamtlichen Mitarbeitenden und die stationären Hospize und ambulanten Hospizdienste. Das Gesetz reicht nicht aus zur Stärkung der Hospizkultur und Palliativversorgung in stationären Pflegeeinrichtungen. Die vorgesehene gesundheitliche Versorgungsplanung ist zwar ein viel versprechendes Instrument, sie erfordert jedoch mehr Personal und finanzielle Mittel.

Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland

„Palliativmedizin und Hospizkultur gehören in jedes Krankenhaus, in jedes Pflegeheim und in jedes Gemeinwesen”

Nachgefragt

Im Notfall gibt es oft keine Möglichkeit mehr, über medizinischen Maßnahmen zu diskutieren. Die Patientenverfügung soll neu geregelt werden. Manfred Carrier erklärt, um was es in dem Gesetz genau geht und wer es in Anspruch nehmen kann.

Manfred Carrier: Es geht darum, die medizinische Behandlung am Lebensende selbst zu bestimmen, auch dann, wenn man sich im akuten Notfall nicht mehr äußern kann. Ich komme zum Beispiel als Notarzt um 4 Uhr nachts in ein Pflegeheim zu einer über 80 Jahre alten Frau. Sie ist nach einem Schlaganfall seit ungefähr fünf Jahren unfähig zu gehen und zu sprechen, konnte aber noch mit Hilfe selbst essen. Sie hat jetzt offensichtlich eine Lungenentzündung, der Blutdruck ist nicht mehr messbar. Es gibt keine Patientenverfügung. Die Atmung ist erschwert. Für den Notarzt gilt die "Lebenserhaltungspflicht". Das kann Infusion heißen, legen eines Beatmungsschlauches und dann Intensivstation bedeuten. Was aber, wenn die 80 Jährige diese Maßnahmen nicht möchte? Wer soll, muss oder darf das entscheiden? Diese Fragen soll eine Patientenverfügung regeln

Carrier: Das Problem der Patientenverfügung ist, dass jeder sich zu Hause hinsetzen kann und etwas schreiben kann. Beispielsweise kommt es vor, dass eine ältere Dame aufschreibt "Ich will nicht wie meine Nachbarin Herta an Schläuchen sterben". Das führt dazu dass Rettungsärzte eine solche Patientenverfügungen nicht ernst nehmen, weil die Patientenverfügungen viel zu allgemein formuliert sind und der Wille des Patienten in dieser konkreten Situation nicht ersichtlich wird. Das trifft oft auch auf Patientenverfügungen zu, die in Notariaten gefertigt worden sind. Deshalb ist eine Idee, die Planung für das Lebensende mit einem Berater gemeinsam zu überdenken und festzulegen. Diese Beratungen kosten Geld. Deshalb hat der Gesetzgeber jetzt festgelegt, sie für die Menschen einzuführen, die am häufigsten von gesundheitlichen Krisensituationen betroffen sind: Menschen, in Pflegeheimen oder in Einrichtungen der Eingliederungshilfe. Aber: Die Einrichtungen können selbst entscheiden, ob sie die Beratungen anbieten. Das heißt, kein Bewohner kann sagen, es steht im Gesetz, ich will das jetzt haben. Nur wenn sie es anbieten hat der Bewohner auch einen Rechtsanspruch darauf.

Carrier: Gerade verhandeln Krankenkassen, Pflegeverbände und die Verbände der Eingliederungshilfe über die konkrete Umsetzung. Zum Beispiel über die Frage, welche Qualifikation braucht derjenige, der die Beratung durchführt? Muss das ein Arzt sein oder kann auch eine Pflegekraft oder Sozialarbeiter  beraten? Außerdem wird vereinbart, wie so ein Prozess abläuft: Wann findet die erste Beratung statt? Wie lange wird der Prozess dauern? Was auch noch geregelt werden soll, ist der Umgang mit Bewohnern mit kognitiven Einschränkungen oder mit Behinderung: Welche Rolle spielen die Bevollmächtigten und Betreuer? Ein weiterer, wichtiger Punkt ist der Kostenfaktor. Davon hängt ab, ob sich die neue Regelung flächendeckend durchsetzt. Wenn die Einrichtungen die Kosten erstattet bekommen, so wie es das Gesetz vorsieht werden viele Einrichtungen entsprechende Angebot machen. Wenn sie draufzahlen müssen, sind sie zu nichts verpflichtet und werden es auch nicht umsetzen. Die Verhandlung über all diese Regelungen soll, laut Gesetzgeber, bis Ende 2016 fertig sein. 

Journal

Sterbebegleitung

"Ich habe so eine Freude!"

Menschen, die für ihre letzten Wochen in ein Hospiz gehen, blühen oft noch einmal auf. Fühlen sich befreit, probieren Neues aus. Und können so Abschied nehmen. Ein Besuch im stationären Hospiz der Diakonie Erlangen.

Ansprechpartner

© Hermann Bredehorst

Manfred Carrier

Stationäre und teilstationäre Altenhilfe und Pflege

030 65211-1671

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