Diakonie-Zitat: Prostituierte in Not - Corona Krise trifft Sexarbeiterinnen besonders hart

2. Juni 2020
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  • Corona
  • Armut und Arbeit

Anlässlich des Internationalen Hurentages macht die Diakonie Deutschland auf die Corona-bedingt existentielle Notlage von Frauen in der Prostitution aufmerksam. Die COVID-19 Pandemie und die damit verbundenen notwendigen Einschränkungen, wie die Einhaltung des Kontaktverbots sowie die Hygiene- und Abstandsregeln, haben zu einem erhöhten Beratungsbedarf geführt. In den entsprechenden Fachberatungsstellen bestehen erhebliche Engpässe bei den Beratungsangeboten für Betroffene.

Foto: Schild mit Verhaltensregeln, aufgestellt auf einem Tisch in einer Beratungsstelle
© epd-bild/Stephan Wallocha

Die Corona-Krise bringt Frauen in der Prostitution in existenzielle Notlagen. Beratungsstellen wie das "Sperrgebiet" der Diakonie in Hamburg bieten Hilfe und sind Treffpunkt für Frauen, die sich prostituieren.

Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland. „Die Corona-Pandemie bedeutet ein offizielles Berufsverbot für Sexarbeiterinnen. Mit dem Job geht die existentielle Grundlage verloren. Insbesondere Migrantinnen sind betroffen. Ohne gesichertes Einkommen können viele ihre Mieten nicht mehr zahlen, es droht Wohnungslosigkeit. Die Frauen müssen sich neue Unterkünfte, teilweise in sehr prekären Wohnverhältnissen, suchen und können die hohen Mieten nicht bezahlen. Die Folgen sind Mietschulden, neue Abhängigkeitsverhältnisse bis hin zu Schuldknechtschaft. Diese Abwärtsspirale muss verhindert werden.

Wir brauchen jetzt ausreichend Fachberatungsstellen für Prostituierte, die ihnen in dieser extremen Notlage mit Beratung und Unterstützung zur Seite stehen. Es muss verhindert werden, dass die erlebte Ausweglosigkeit zur Prostitution im Verborgenen führt. Denn in der Illegalität ist das Risiko von Gewaltübergriffen, sexuell übertragbaren Erkrankungen oder Ausbeutung der Sexarbeiterinnen extrem hoch. Wir brauchen nicht nur akut, sondern auch längerfristig einen flächendeckenden Ausbau und eine sichere Perspektive für die Fachberatungsstellen. Die Fachberatung ist dringend notwendig, denn sie hilft unter anderem dabei, illegale Tätigkeit durch beispielsweise andere Existenzsicherungsmaßnahmen zu ersetzen.  Neue Beratungsformen, wie zum Beispiel Video-Beratung, sollten verstärkt erprobt und entwickelt werden. Betroffene benötigen akut und unbürokratisch Hilfe und dauerhaft ein verlässliches Angebot an Fachberatungen – über Corona hinaus.“

Die Diakonie Deutschland ist Unterzeichnerin des Appells „Sexarbeiter_innen in der Krise: Gleichbehandlung und Unterstützung sicherstellen!“ gemeinsam mit anderen Verbänden und Fachberatungsstellen.

Für Rückfragen und weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Ansprechpartnerin

© Hermann Bredehorst

Kathrin Klinkusch

Pressesprecherin

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