Diakonie-Position zu Menschenhandel

28. Oktober 2015
  • Broschüre
  • Armut und Arbeit

Mit zehn Punkten will die Diakonie ihre Argumente für eine sachliche Diskussion in der aktuellen Auseinandersetzung zu Prostitution und Menschenhandel einbringen.

Die soziale Arbeit mit Prostituierten und Betroffenen von Menschenhandel ist eine traditionsreiche und originäre Aufgabe der Diakonie. Frauen und Männer, die sich prostituieren oder sexuell ausgebeutet werden, befinden sich meistens in sozialen Notlagen und werden stigmatisiert. Die Diakonie Deutschland setzt dieser Situation die Unterstützung und Begleitung durch niedrigschwellige Beratungsstellen entgegen. Gleichzeitig bieten diese Einrich- tungen auch sexuell misshandelten Kindern und Jugendlichen Schutz vor Gewalt und Ausbeutung. Es bedarf eines differenzierten Angebots von Fachberatungsstellen mit qualifizierten Beraterinnen und Beratern.

Die gesellschaftliche Diskussion zum Umgang mit Prostitution ist kontrovers. Die Verteidigung der individuellen Rechte, wie die persönliche Freiheit, das Recht auf freie Berufswahl und die Anerkennung von sexuellen Dienstleistungen als gesellschaftliche Realität auf der einen Seite und die Forderung nach Abschaffung und Verbot der Prostitution als menschenunwürdige, ausbeuterische Praxis auf der anderen Seite, stehen einander unversöhnlich gegenüber.

Prostitution ist ein komplexes Feld, in dem es auf viele Fragen keine einfachen Antworten gibt. Fakt ist, dass vor allem Frauen, aber auch Männer in der Prostitution diskriminiert und ausgegrenzt werden. Die herabwürdigende gesellschaftliche Haltung gegenüber den Prostituierten verfestigt Stigmatisierungen und erschwert die Durchsetzung von Rechten und persönlicher Anerkennung.

Menschenhandel ist ein komplexes Phänomen und tritt in den unterschiedlichsten Formen auf. Die Kernelemente des Menschenhandels sind neben der Anwerbung und Ausbeutung, Nötigung, Zwang und Täuschung. Menschenhandel ist ein Verstoß gegen die Würde und die Unversehrtheit des Menschen und muss konsequent verfolgt werden.

Die Diakonie Deutschland tritt für die Rechte der betroffenen Frauen und Männer ein und akzeptiert ihre Entscheidung, in der Prostitution zu arbeiten. Die Diakonie unterstützt ausdrücklich nicht ein Verbot der Prostitution, da dies eine weitere Stigmatisierung der Prostituierten zur Folge hätte. Sie sieht jedoch dringenden Handlungsbedarf zur Regulierung des Prostitutionsgewerbes und begrüßt deshalb das Anliegen der Bundesregierung, in dieser Legislaturperiode gesetzliche Änderungen auf den Weg zu bringen. Oberstes Ziel muss die Stärkung der Rechte von Prostituierten und Betroffenen von Menschenhandel sein. Nur so kann ausreichend Schutz und Unterstützung gewährleistet werden.

Die Diakonie Deutschland bringt mit den vorliegenden zehn Punkten ihre Argumente für eine sachgerechte Diskussion in die aktuelle Auseinandersetzung ein. Für sie ist der respektvolle Umgang mit den ratsuchenden Frauen und Männern in der Prostitution, wie auch der von Menschenhandel Betroffenen handlungsleitend.

Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik