Zunahme von Demenzerkrankungen - Kirche und Diakonie stoßen gesellschaftliche Debatte an

- Rund 1,4 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Demenz. Jährlich erkranken derzeit rund 140 000 Menschen neu. Aktuellen Studien zufolge wird sich diese Zahl bis 2050 verdoppeln.

In der Villa Lux leben 12 Demenzkranke. Sie werden rund um die Uhr betreut (2008)
Mark Orel liest Bewohnerin Theresia aus der Zeitung vor. epd-Bild/Jochen Günther

In ihrem heute veröffentlichten Text „Wenn die alte Welt verlernt wird. Umgang mit Demenz als gemeinsame Aufgabe“  informieren die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Diakonie Deutschland über Hilfsangebote für ratsuchende Menschen und ermutigen Betroffene und deren Angehörige zu einem bewussten Umgang mit der Erkrankung. Zugleich fordern sie die Verantwortungsträger in Politik und Verbänden auf, die Lebensumstände für Demenzkranke und ihre Angehörigen zu verbessern.

„Es steht zu wenig ausgebildetes Personal zur Verfügung“, betonte der Vorsitzende der EKD-Kammer für Öffentliche Verantwortung, der Staatsrechtswissenschaftler Hans-Jürgen Papier, bei der Vorstellung des Textes in Berlin. „Auf die massiv steigenden Zahlen sind wir bislang nur unzureichend vorbereitet. Notwendig seien zudem „neuartige flexible Betreuungsformen, die daraufhin konzipiert sind, dass pflegende Familienangehörige bedarfsgerecht unterstützt werden“, so der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts. Letztlich gehe es aber nicht nur um Ressourcen, sondern auch um die Anerkennung und soziale Verankerung von Pflegetätigkeiten. „Es geht um eine ‚Kultur‘ des Umgangs mit Pflege.“

Der Präsident der Diakonie Deutschland, Ulrich Lilie, betonte die sozialpolitische Bedeutsamkeit des Themas Demenz: „Die Politik muss die Unterstützung und Versorgung von Menschen mit Demenz als langfristige Aufgabe begreifen und nicht von Legislatur-periode zu Legislaturperiode denken. Da uns diese Aufgabe auch mehr Geld kosten wird, brauchen wir eine neue Verantwortungsbereitschaft in der Gesellschaft. Die vorliegende Schrift ist eine hervorragende Gesprächsgrundlage für alle Menschen in Kirche und Gesellschaft, die die Herausforderung Demenz annehmen wollen.“

EKD-Ratsmitglied Elisabeth Gräb-Schmidt erinnerte bei der Vorstellung des Textes in Berlin daran, dass der Umgang mit Demenz nicht allein rechtliche oder medizinische Fragestellungen aufwerfe, sondern das Grundverständnis des Menschen und des Menschlichen insgesamt berühre. „Die Demenzerkrankung stellt das Bild des starken, bewussten und leistungsfähigen Lebens in Frage.“ Gerade Demenz zeige, „wie sehr die Zerbrechlichkeit und die Bedrohtheit in unser Verständnis des Lebens hineingehören“, sagte die Tübinger Theologieprofessorin.

Die von EKD und Diakonie herausgegebene Borschüre möchte die gesellschaftliche Diskussion verbreitern und einen konkreten Beitrag dazu leisten, den Umgang mit Demenz in praktischer wie geistlicher Hinsicht zu erleichtern. Bereits jetzt stellen sich Kirchen und Diakonie der demografischen Herausforderung und wirken in ihren Gemeinden, Einrichtungen und Werken daran mit, Ideen und Konzepte zum Umgang mit Demenz zu entwickeln und praktisch umzusetzen.

Einzelexemplare von  „Wenn die alte Welt verlernt wird. Umgang mit Demenz als gemeinsame Aufgabe“ können zum Preis von 1,70 € angefordert werden bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Herrenhäuser Str. 12, 30419 Hannover, Telefon 0511-2796-0, versand@ekd.de.

Für RÜckfragen und weitere Informationen
Ute Burbach-Tasso, Pressesprecherin