Umfrage zur Aufnahme von Flüchtlingen: Deutschland will helfen

- Die Bereitschaft der Deutschen, Flüchtlingen zu helfen, ist ungebrochen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die das Sozialwissenschaftliche Institut (SI) der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) heute in Hannover veröffentlicht hat.

Flüchtlinge
Die Kreuzberger Gruppe ‘Weltweit’ organisiert Deutschunterricht in sieben Berliner Flüchtlingsheimen. Kathrin Harms

So können sich mehr als die Hälfte (51 Prozent) der über 2.000 Befragten vorstellen, ein Flüchtlingsheim in ihrer Nähe zu unterstützen. Elf Prozent der Befragten haben das bereits in der Vergangenheit getan. 37 Prozent geben an, Sachspenden für Flüchtlinge geleistet zu haben. Weitere 48 Prozent können sich vorstellen, künftig zu spenden. Mit 13 Prozent ist auch die Bereitschaft, selbst Flüchtlinge aufzunehmen, immer noch hoch. Das aktuelle Engagement für Flüchtlinge (10,9 Prozent der Deutschen) liegt damit sogar noch etwas höher als im Sport, dem ansonsten größten Engagementbereich in Deutschland (10,1 Prozent der Deutschen).

Ein "Kippen der Stimmung", wie es bisweilen vorausgesagt wurde, lässt sich in der Studie, die auch von der Diakonie Deutschland mitgetragen wurde, nicht ablesen. Auf die Frage "Wird Deutschland Ihrer Ansicht nach die Herausforderungen durch die Aufnahme der Flüchtlinge bewältigen?" antworteten lediglich knapp 16 Prozent mit "ganz sicher nicht". Die überwiegende Mehrheit (rund 60 Prozent) ist in der Prognose noch nicht endgültig festgelegt. "Skepsis und Zuversicht halten sich die Waage", urteilt Diakonie-Präsident Ulrich Lilie.

"Die Chancen für eine gelingende Integration stehen gut. Wir müssen diese Herausforderung nun mit umsichtigem und  gut abgestimmtem professionellen Handeln gestalten. Dazu wird die Diakonie mit ihren vielen Haupt- und Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe ihren Beitrag leisten." Dass Deutschland Menschen in existentieller Not zur Seite steht, wird sich nach Meinung von mehr als 88 Prozent der Befragten positiv auf Deutschland auswirken.

Klare Erwartungen haben die Befragten auch an die Kirche. Sie soll sich für die Aufnahme von Flüchtlingen einsetzen (75 Prozent) und den Dialog zwischen Religionen (75 Prozent) befördern. "Die Überzeugung, dass Flüchtlinge unabhängig von Religion und Herkunft unseren menschlichen Beistand verdienen, ist die grundlegende Motivation für das ehrenamtliche Engagement von rund 120.000 Menschen in der evangelischen Kirche", sagt der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm. "Dass Menschen sich Dialog wünschen und nicht Abgrenzung, ist ein ermutigendes Zeichen für ein friedliches  Miteinander der Religionen."

Die größte Sorge in Zusammenhang mit den nach Deutschland kommenden Flüchtlingen haben die Befragten vor einem Anwachsen des Rechtsextremismus. Knapp 85 Prozent teilen diese Sorge, die damit noch vor der Sorge vor Wohnungsnot (77 Prozent) rangiert.

Für die Studie hat das SI 2021 Deutsche über 14 Jahren zu ihrer Einschätzung von Risiken und Herausforderungen der Aufnahme von Flüchtlingen befragt. Die Ergebnisse der Studie sind im Internet unter www.ekd.de abrufbar.

Diese Presseinformation wird von der EKD und der Diakonie Deutschland im gleichen Wortlaut versandt. Doppelsendungen bitten wir zu entschuldigen.

Für Rückfragen und weitere Informationen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.