Thema kompakt: Generalistische Pflegeausbildung

- Die generalistische Pflegeausbildung fasst die bisherigen Ausbildungen der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zu einer zusammen. Warum und wie die Pflegeausbildung neu gestaltet wird, erklärt diese Übersicht.

Pflegeausbildung
Bundesregierung strebt gemeinsame Pflegeausbildung für alle an © epd-bild / Rüdiger Niemz

Was ist die generalistische Pflegeausbildung?

Die generalistische Pflegeausbildung fasst die bisherigen Ausbildungen der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zu einer generalistischen Pflegeausbildung zusammen. Mit diesem Berufsabschluss können die Fachkräfte in allen pflegerischen Bereichen arbeiten. Die neue Berufsbezeichnung lautet „Pflegefachfrau“ oder „Pflegefachmann“.

Geregelt ist die generalistische Ausbildung im Pflegeberufegesetz, welches noch in dieser Legislaturperiode vom Deutschen Bundestag und vom Bundesrat verabschiedet werden soll. Der Start der neuen generalistischen Pflegeausbildung ist ab Januar 2019 geplant, so dass voraussichtlich ab 2022 die ersten Pflegefachfrauen und Pflegfachmänner ihre Tätigkeit aufnehmen. 

Bekommt in der Ausbildung umfassendes pflegerisches Verständniskann sich schnell in jeweiliges Spezialgebiet einarbeitenkann sich um die pflegerische Versorgung von Menschen unabhängig der Lebensphase und Situation kümmernausgebildet für alle pflegerischen Bereiche, z. B.Pflegefachfrau/mannDie generalistische PflegeausbildungKrankenpflegeAltenpflegeKinderkran-kenpflege

Was sind die Ziele der generalistischen Pflegeausbildung

Die Pflegeausbildung wird grundlegend modernisiert: Durch eine generalistische Ausbildung erhalten die Auszubildenden umfassendes pflegerisches Verständnis, das es ihnen ermöglicht, sich schnell in die jeweiligen Spezialgebiete einzuarbeiten. Die Ausbildung qualifiziert sie dafür, sich um Menschen mit Pflegebedarf unabhängig von deren Lebensphase und Lebenssituation zu kümmern. Dies macht sie beruflich flexibler: Sie können zwischen den verschiedenen Bereichen der Pflege wechseln. Die generalistische Pflegeausbildung macht den Pflegeberuf attraktiver und wirkt dem Fachkräftemangel in der Pflege entgegen. Zudem steigert sie die Qualität in der Pflege.

Warum werden die bisherigen Pflegeausbildungen zu einer generalistischen zusammengeführt?

Die Anforderungen an die Pflege und die pflegerischen Versorgungsstrukturen haben sich in den letzten Jahren verändert und sind vielschichtiger geworden. In Pflegeeinrichtungen werden Menschen zunehmend auch medizinisch und pflegerisch versorgt. In medizinischen Versorgungseinrichtungen wie beispielsweise Krankenhäusern steigt der Anteil der Menschen, die pflegebedürftig sind – etwa aufgrund einer Demenzerkrankung oder ihres hohen Alters. Die Trennung zwischen akuter Pflege und Langzeitpflege weicht zunehmend auf. Eine zukunftsgerechte Pflegeausbildung kann nicht mehr nur auf eine altersabhängige Lebensphase oder ein pflegerisches Versorgungssegment ausgerichtet sein, sondern muss für die neuen, umfassenderen Herausforderungen in der Pflege qualifizieren.

Das Pflegeberufegesetz sieht erstmals sogenannte Vorbehaltsaufgaben für Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner vor. Vorbehaltsaufgaben dürfen ausschließlich von Pflegefachfrauen und Pflegefachmännern durchgeführt werden.

Organisation und Finanzierung

Wie ist die generalistische Pflegeausbidlung finanziert?

Voraussetzung für die generalistische Pflegeausbildung ist ein mittlerer Schulabschluss oder ein Hauptschulabschluss mit einer angeschlossenen zweijährigen Ausbildung zur Pflegehilfskraft. 
Die generalistische Pflegeausbildung dauert unverändert 3 Jahre und teilt sich wie bisher in theoretischen Unterricht und Praxiseinsätze. Der praktische Teil der Ausbildung überwiegt. Er gliedert sich in Einsätze in einer stationären Pflegeinrichtung, einem Krankenhaus und einem ambulanten Dienst. Hinzu kommen diverse Praxiseinsätze in anderen Bereichen. Die genauen Regelungen zu diesen Praxiseinsätze stehen noch aus. Im Rahmen der praktischen Ausbildung wählen die Auszubildenden allerdings einen so genannten Vertiefungseinsatz und erlangen so in einem Bereich vertiefte Kenntnisse. Die Ausbildung schließt mit einer staatlichen Prüfung ab, die zum Führen der Berufsbezeichnung Pflegefachfrau oder Pflegfachmann berechtigt. Die Fachkräfte können dann in allen pflegerischen Arbeitsbereichen tätig sein.

Auf die generalistische Ausbildung können in Fort- und Weiterbildungen oder im Rahmen von Studiengängen berufs- und praxisbezogene Fachkenntnisse aufgebaut werden.
Das Pflegeberufsgesetz eröffnet erstmals die Möglichkeit, den Berufsabschluss Pflegefachfrau und Pflegfachmann in einem dreijährigen Hochschulstudium zu erwerben. Die Gestaltung des Studiums liegt weitgehend in der Länderkompetenz und die neuen Finanzierungsregelungen finden auf das Hochschulstudium keine Anwendung. Die hochschulische Pflegeausbildung ist ebenso wie die Fachschulausbildung im gesamten EU-Ausland anerkannt und ermöglicht weitreichende berufliche Mobilität.

Praxiseinsätzein einem Krankenhausin einer stationärenAltenhilfeeinrichtungin der Kinder-krankenpflegein der psychatrischen Versorgungim ambulantenPflegedienstKleine Pflichteinsätze z. B.Ablauf der Ausbildung Pflegefachfrau/mannvorausgesetzte QualifizierungoderHauptschulabschluss und abge-schlossene zweijährige Ausbildung zur Pflegehilfskrafttheoretischer UnterrichtmittlererSchulabschluss3 JahreAusbildungsdauerstaatlichePrüfungPflegefachfrau /Pflegefachmann

 

Auf die generalistische Ausbildung können in Fort- und Weiterbildungen oder im Rahmen von Studiengängen berufs- und praxisbezogene Spezialkenntnisse aufgebaut werden. Das Pflegeberufsgesetz eröffnet erstmals die Möglichkeit, den Berufsabschluss Pflegefachfrau und Pflegfachmann in einem dreijährigen Hochschulstudium zu erwerben. Die Gestaltung des Studiums liegt weitgehend in der Länderkompetenz und die neuen Finanzierungsregelungen finden auf das Hochschulstudium keine Anwendung. Die hochschulische Pflegeausbildung ist ebenso wie die Fachschulausbildung im gesamten EU-Ausland anerkannt und ermöglicht weitreichende berufliche Mobilität.

Wie wird die generalistische Pflegeausbildung finanziert?

Die Kosten der generalistischen Pflegeausbildung werden über einen Landesausbildungsfonds finanziert. In diesen zahlen alle Krankenhäuser, alle ambulanten, stationären, teilstationären Altenhilfeeinrichtungen sowie das Land und die Pflegeversicherung ein. Aus dem Ausbildungsfonds erhalten die ausbildenden Einrichtungen und die Pflegeschulen die Ausbildungskosten nach einem festgelegten Berechnungsverfahren anteilig erstattet. In der Finanzierung ist auch die Praxisanleitung der Auszubildenden enthalten. 
Für die Auszubildenden ist die Ausbildung kostenlos, sie erhalten eine Ausbildungsvergütung. Das Schulgeld, das in einigen Bundesländern für die Altenpflegeausbildung zu zahlen ist, wird abgeschafft. 

 

Wie geht es mit den herkömmlichen Ausbildungsgängen beziehungsweise deren Absolventen weiter?

Die bis 2018 nach „altem Recht“ begonnen Pflegeausbildungen werden regulär nach dem Kranken- bzw. Altenpflegegesetz zu Ende geführt. Altenpfleger, Gesundheits- und Krankenpfleger sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger können sich auf Antrag als Pflegefachfrauen und Pflegfachmänner anerkennen lassen. Ihre ursprüngliche Ausbildung wird in der Urkunde vermerkt. Ihr Status als Pflegefachkraft im Sinne der heimgesetzlichen Regelungen der Länder und der Pflegeversicherung bliebt unberührt.

Historie und Ausblick

1. August 2003: Das bundeseinheitliche Gesetz über die Berufe in der Altenpflege (Altenpflegegesetz – AltPflG) tritt in Kraft

2004 bis 2008: Das Modellprojekt zur generalistischen Ausbildung “Pflegeausbildung in Bewegung“ mit acht Modellstandorten wird durchgeführt (Vorbereitung und Durchführung inklusive wissenschaftlicher Begleitung, Tagungen und Evaluation). Es wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und den Europäischen Sozialfonds sowie wissenschaftlich begleitet durch das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung und das Wissenschaftliche Institut der Ärzte Deutschland.

März 2010: Die Bund-Länder-AG “Weiterentwicklung der Pflegeberufe“ im Auftrag des BMG und BMFSFJ wird eingesetzt. Sie veröffentlicht im März 2012 Eckpunkte zur Vorbereitung eines neuen Pflegeberufsgesetzes.

2013: Der Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD für die 18. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages (2013-2017) sieht ein einheitliches Pflegeberufsgesetz vor.

Januar 2016: Das Bundeskabinett verabschiedet den Gesetzentwurf zu einer generalistischen Pflegeausbildung.

Ausblick: Das Pflegeberufsgesetz tritt in Stufen in Kraft. Die neue Pflegeausbildung kann nicht unmittelbar mit Verabschiedung des Gesetzes beginnen. Zuvor sind weitere Voraussetzungen zu schaffen. Es müssen notwendige ergänzende Rechtsverordnungen erlassen werden. Auch die Arbeit der im Gesetz vorgesehenen Fachkommission, die die Ausbildungsbetriebe und Pflegeschulen mit Musterrahmenausbildungs- und -lehrplänen unterstützen, muss beginnen. Schließlich muss das neue Finanzierungssystem auch organisatorisch umgesetzt werden. Pflegeschulen und Ausbildungsbetriebe haben so hinreichend Zeit, um sich auf die neue Ausbildung einzustellen. Für bestehende Pflegeschulen und das vorhandene Personal sind zudem umfassende Übergangs- und Bestandsschutzregelungen vorgesehen.

2019: Der erste Ausbildungsjahrgang der generalistischen Pflege beginnt.

Hintergrund und Zahlen

Die generalistische Pflegeausbildung zur Pflegefachfrau und Pflegfachmann ist Teil eines neuen Pflegeberufsgesetzes. Die Politik reagiert damit auf die demographischen Veränderungen in der Gesellschaft, mit denen neue Anforderungen an die Pflege einhergehen.

Einige Zahlen im Überblick:

  • Im Schuljahr 2012/13 gab es insgesamt 129.447 Pflegeschüler, die eine Ausbildung in der Altenpflege, Kranken- oder Kinderkrankenpflege gemacht haben. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes für das Schuljahr 2012/2013 aus dem Berufsbildungsbericht 2014 hervor.
  • Bundesweit waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Dezember 2013 2,63 Millionen Menschen im Sinne der Pflegeversicherung pflegebedürftig. Zum Vergleich: Im Jahr 1999 waren es rund 2 Millionen Menschen, 2005 rund 2,13 Millionen, bis zum 2011 stieg die Anzahl der Pflegebedürftigen auf 2,5 Millionen.
  • Mehr als zwei Drittel (71 Prozent oder 1,86 Millionen) aller Pflegebedürftigen werden zu Hause durch Angehörige und Pflegedienste gepflegt, rund 30 Prozent in Heimen (Stand 2013).
  • Im Jahr 2013 waren gemäß Statistischem Bundesamt 685.447 Menschen in Pflegeheimen und 320.077 in ambulanten Pflegediensten beschäftigt.
  • Gemäß einer 2010 veröffentlichten Projektionsstudie des Statistischen Bundesamtes mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) könnten bis zum Jahr 2025 zwischen 135.000 und 214.000 Pflegevollkräfte fehlen.

Zur Diakonie gehören 112 Fachschulen für Altenpflege, 71 Fachschulen für Krankenpflege, 13 Fachschulen für Krankenpflegehilfe und 11 Fachschulen für Kinderkrankenpflege (Quelle: Einrichtungsstatistik der Diakonie Deutschland 2014).

Bewertung der Diakonie Deutschland

Die Diakonie Deutschland hat sich seit Jahren für eine generalistische Pflegeausbildung eingesetzt. In Einrichtungen des Gesundheitswesens wie Krankenhäusern steigt die Zahl älterer und demenzkranker Patienten, die gepflegt werden müssen. Durch eine kürzere Verweildauer im Krankenhaus müssen immer mehr ältere Menschen in stationären Pflegeeinrichtungen und durch ambulante Pflegedienste auch medizinisch weiterversorgt werden. Um die Qualität in der Pflege zu erhalten, benötigen Pflegekräfte daher künftig umfassende fachbereichsübergreifende Kenntnisse der Pflege.
Nach Abschluss der generalistischen Pflegeausbildung sind die Fachkräfte flexibel: Als „Pflegefachfrau“ oder „Pflegfachmann“ können sie sowohl in der Alten- als auch Kranken- und Kinderkrankenpflege arbeiten und im Laufe ihres Berufslebens ihren Tätigkeitsbereich wechseln. Dies macht den Pflegeberuf wesentlich attraktiver. Die generalistische Pflegeausbildung wirkt so dem Fachkräftemangel entgegen.

Text: Diakonie/Sarah Spitzer