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20.04.2010

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Armut im ländlichen Raum: Vernetzte Tafelarbeit im Westerwald

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Berlin (DW EKD) - Die Geschichte der Westerwaldkreis-Tafel beginnt 2005.

Eine Initiative von Privatpersonen aus den Kirchengemeinden in Bad Marienberg startete das erste Tafelprojekt. Daraus entstand sehr schnell der Wunsch nach einem gemeinsamen Angebot für den gesamten Westerwaldkreis. Unter der Trägerschaft des Diakonischen Werkes wurde eine Struktur geschaffen, die inzwischen mit acht Ausgabestellen den Westerwaldkreis flächendeckend versorgt.

Die Gründung der lokalen Ausgabestellen begann jeweils mit einem runden Tisch aus Politik, Verwaltung, Kirchengemeinden, Wohlfahrtsverbänden und Vereinen. Häufig waren es die Bürgermeister, die mit großem Nachdruck die Etablierung eines solchen Angebotes in ihrer Kommune betrieben haben und damit für diese erstaunlich schnelle Gründungswelle im Kreis Westerwald gesorgt haben. Ehrenamtliche für diese Tätigkeit zu finden, war nirgends ein Problem. „Bestimmt die Hälfte der Tafelmitarbeiter war zuvor noch nie ehrenamtlich aktiv“, erzählt Koordinatorin Petra Strunk von der großen Resonanz, die die Aufrufe zur Tafelgründung gefunden haben.

Strunk hat bei der Diakonie den Aufbau hauptamtlich begleitet, ihr stehen inzwischen zwei weitere Teilzeitbeschäftigte zur Seite. Gemeinsam sorgen sie für den „Rahmen“ der Tafelarbeit vor Ort – Räumlichkeiten, Fahrzeuge, Spenden- und Finanzverwaltung. Ihre wichtigste Aufgabe ist es, sich um die inzwischen 378 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu kümmern, die als Ehrenamtliche die Arbeit vor Ort leisten.

Eine bemerkenswerte Besonderheit im Westerwaldkreis ist es, dass eine Reihe von „Tafelkunden“ sich hier ehrenamtlich als Mitarbeiter engagieren. An manchen Ausgabestellen stellt dieser Kreis bis zu ein Viertel der Aktiven. Sie in die Gruppe der ehrenamtlichen Helfer mit gleichen Rechten und Pflichten zu integrieren, ist eine wichtige Herausforderung. „Dazu braucht es eine gute Begleitung“, so Strunk. Es sei für beide Seiten eine wichtige Erfahrung, wenn man gemeinsam dieselben Kisten schleppt oder vergammeltes Gemüse aussortiert.

Es geht darum „Lebensmittel vor der Vernichtung zu bewahren“, weist Petra Strunk auf die primäre Aufgabe der Tafeln hin. Mehr können und wolle man nicht leisten, sondern dazu gebe es ein Netzwerk von Organisationen und Initiativen. An zwei Ausgabestellen bieten Sozialarbeiter während der Öffnungszeiten der Tafel Sprechstunden an. Sie gehen gezielt auf Familien zu und haben beispielsweise die Möglichkeit, mit Hilfe von Spendengeldern Kinder in Sportvereine zu vermitteln.

Eine Familienbildungsstätte wirbt inzwischen für ihre Mutter-Kind-Gruppen, eine Kirchengemeinde weist auf ihre Kinderfreizeiten hin. Auch die Tafelmitarbeiter sind geschult, auf Unterstützungsangebote – Schuldnerberatung, Hilfen bei psychischen Erkrankungen, Erziehungsberatung – hinzuweisen.

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