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AG zu Prostitution und Menschenhandel im DW EKD
Handeln gegen Zwangsprostitution
Hilfeangebote der Diakonie
Irina - Stationen eines Alptraums
Männer tragen Verantwortung
Woran man Zwangsprostituierte erkennt
"Krystina"
Krystina sitzt vor einer Spiegelkommode und wartet auf "Freier". Sie ist noch ein Kind. Erst vor wenigen Minuten spielte sie mit anderen Mädchen ihres Alters im Hof. Auf den Zuruf einer Frau aus dem Fenster einer Mietskaserne trennte sie sich folgsam von ihren Spielkameradinnen und ging ins Haus.
Geschminkt und in Reizwäsche sitzt sie nun vor dem Spiegel. Denn es ist ein "Kunde" eingetroffen, ein älterer Herr, der bereits auf sie wartet.
Mit diesen Bildern beginnt ein TV-Spot des Diakonischen Werkes der EKD gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel. Produziert vom Nikolai Karo spielt er in einem beliebigem Hinterhof, wie man ihn nahe der deutschen Grenze Richtung Osten oft findet. Diese Grenze ist gleichzeitig eine Trennlinie zwischen dem armen und dem wohlhabenderen Teil Europas. Gut erreichbar für viele Bundesbürger, die nicht nur aufgrund preiswerter Waren und Dienstleistungen den schnellen Grenzverkehr suchen.
"Krystina" ist kein Einzelschicksal
Das Schicksal der Kinderprostituierten Krystina ist gleichzeitig fiktiv und bitter wahr. Insbesondere in Tschechien, Moldawien, Russland, der Ukraine, Rumänien, Polen und Bulgarien hat sich in den vergangenen Jahren ein jährlich anschwellender, organisierter Handel mit Mädchen und Frauen Richtung Westeuropa entwickelt.
Nach Schätzungen werden jährlich zwischen einhundert- und fünfhunderttausend Opfer über die Grenzen nach Westen gebracht. Der Weg in die Prostitution ist dabei in Staaten wie Moldawien - mit bis zu 70 Prozent Arbeitslosigkeit - längst zum Kollektivschicksal vieler junger Mädchen geworden. Sie wollen der trostlosen Perspektivlosigkeit entkommen.
Das Schema ist dabei oft ähnlich: Den Betroffenen wird eine Anstellung im Westen als Kellnerin oder Hausmädchen vorgegaukelt, anschließend wird versucht, ihren Willen zu brechen, um sie für die Arbeit in einem Bordell oder Callgirl-Ring gefügig zu machen.
Der TV-Spot endet mit einem Spendenappell, denn dieses Hilfesystem für die Betroffenen ist gefährdet. Mit einer Spende wird die Arbeit der Beratungsstellen unterstützt, die den betroffenen Frauen und Mädchen eine Tür zum Ausstieg und Neuanfang öffnen will.
Einigen hundert Opfern - eine genaue bundesweite Statistik wird bisher leider nicht geführt - konnte im Jahr 2002 durch den Einsatz der Beratungsstellen geholfen werden. Die Hilfe umfasste dabei das gesamte Spektrum dieser speziellen Sozialarbeit bis zur Heimreise in ihre Heimatländer und der Arbeit vor Ort, damit sich die schreckliche Odyssee der Betroffenen nicht von Neuem wiederholt.

