09.11.2006
Förderung von Beschäftigung: Diakonie begrüßt die Beschlussfassung der EKD- Synode
Hoffnung auf die Konjunktur ist ein "Ammenmärchen"
Berlin - Das Diakonische Werk der EKD sieht sich durch das deutliche Votum der EKD-Synode in seiner Forderung nach mehr öffentlich geförderter sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung bestätigt.
Die Synode, die bis heute in Würzburg tagt, hatte ausdrücklich das "Passiv-Aktiv-Transfer- Modell" der Diakonie unterstützt.
"Nur wenn den Menschen neben besseren Bildungsangeboten wieder Perspektiven sinnvoller Beschäftigung eröffnet werden, kann die Armutsspirale unterbrochen und der Begriff der Chancen- und Teilhabegerechtigkeit mit Leben erfüllt werden", bekräftigt der sozialpolitische Vorstand des Diakonischen Werkes der EKD, Dr. Bernd Schlüter.
Das Hartz IV-System mit seinem Grundsatz "Fordern und Fördern" komme erst dann ins Laufen, wenn auch Langzeitarbeitslosen zeitnah Beschäftigungsangebote gemacht werden könnten. Damit erübrige sich die Kontrollbürokratie und die unsägliche Missbrauchsdebatte, hebt Schlüter hervor.
Die bisherigen Ein-Euro-Jobs seien eine Sackgasse und nähmen die strukturellen Grundprobleme des so genannten ersten Arbeitsmarktes nicht wahr. Wenn Menschen dort keine Beschäftigung fänden, liege das nicht immer an einer "geringen" Qualifikation. Neben den nach wie vor zu hohen Lohnzusatzkosten sei daran vor allem die Exklusivität einer spezialisierten Arbeitswelt schuld, aus welcher alle einfachen Tätigkeiten wegrationalisiert worden seien. Schlüter bezeichnetes es als ein Ammenmärchen, dass die schwankende Konjunktur die strukturellen Beschäftigungsprobleme lösen könne.
Das von der Diakonie entwickelte Modell "Passiv-Aktiv-Transfer" sieht vor, die finanziellen Mittel, die derzeit für Arbeitslosengeld II ausgegeben werden, in aktive Mittel für erwerbslose Menschen umzuwandeln. Das Modell kann Menschen fit machen für den ersten Arbeitsmarkt, nimmt aber auch Rücksicht auf Menschen mit dauerhaft geringen Beschäftigungschancen. Es zielt auf dringend notwendige Tätigkeiten im Sozial- und Gesundheitswesen, im Umweltschutz und weiteren gemeinwohlorientierten Bereichen.
"Wir wollen damit selbstverständlich die fachlich qualifizierte Pflege nicht ersetzen, sondern nehmen den dringenden Bedarf im Bereich der haushaltsnahen Dienstleistungen und der sozialen Betreuung ernst", betont Schlüter. Für Menschen, die sich für solche Tätigkeiten nicht eigneten, etwa weil sie erst eigene Schwierigkeiten überwinden müssen, sehe das Modell die Förderung einer betreuten Tätigkeit in den Beschäftigungsbetrieben der freien Wohlfahrtspflege vor. Sie könne durch weitere Beratungs- und Therapieangebote ergänzt werden.
"Wenn die Politik sich endlich von falschen Denkmustern und Ideologien verabschiedet, können wir gemeinsam Tausende von Menschen in die Gesellschaft zurückholen", lautet Schlüters Appell.
Das Diakonie-Modell findet sich als Positionspapier "Option sozialversicherungspflichtige Beschäftigung" im Internet.
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Barbara-Maria Vahl
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