17.10.2007
Diakoniepräsident Kottnik sieht Raum für stärkere Präsenz und engere Vernetzung mit Kirchengemeinden und Kommunen
"Zivilgesellschaft progressiv mitgestalten!"
Münster (DW EKD) Die künftig noch bewusstere "Einbeziehung diakonischen Handelns in die Präsenz der Kirche in der Stadt beziehungsweise in der Gesellschaft hat Züge einer neuen Dimension und ist aus meiner Sicht nur zu begrüßen."
Diakoniepräsident Klaus-Dieter Kottnik umriss in seinem Bericht vor der Diakonischen Konferenz die vielfältigen Bezüge, in denen Diakonie steht, und in denen sie sich bewähren und in Anpassung an aktuelle Herausforderungen neue Strategien entwickeln muss. Der Gedanke der Vernetzung steht in diesem Jahr besonders im Mittelpunkt.
"Mitten im Leben - Diakonie: Kirche in der Welt", so lautet das Motto der diesjährigen Diakonischen Konferenz, die am Abend des 16. Oktobers mit einem Festgottesdienst in Münster eröffnet wurde. Kottnik benennt als die drei wesentlichen Spannungsfelder "Kirche und Diakonie", "Diakonie und öffentliche Wahrnehmung" und "Diakonie als gemeinnütziger Wohlfahrtsverband in Bezug auf das europäische Wettbewerbsrecht". In dem 2006 mit dem Impulspapier "Kirche der Freiheit" begonnenen Reformprozess der EKD spielt auch die Frage diakonischer Initiativen oder Projekte in Kirchengemeinden eine Rolle. Pfarrer Klaus-Dieter Kottnik sieht hier noch einigen Spielraum für stärkere Präsenz und engere Vernetzung.
Zur Wirkung in der Öffentlichkeit lautet die Analyse des Diakoniechefs, dass unter einem weitgefassten Diakoniebegriff, der rein mitmenschliches Handeln meint, an die großen Wohlfahrtsverbände Diakonie und Caritas unter Wettbewerbsaspekten "eine besonders hohe Meßlatte zur Bewertung ihrer Arbeit" angelegt werde. Das deutsche System der freien Wohlfahrt sieht er unterschiedlichen Begehrlichkeiten ausgesetzt und erlebt es als nicht unumstritten. "Einerseits profitieren die Kirchen von der Akzeptanz der sozialen Arbeit von Diakonie und Caritas, andererseits wird aber gerade die Frage gestellt, warum ausgerechnet die Kirchen sich in der modernen Form der Wohlfahrt noch betätigen müssen, wo andere dies doch genauso tun und tun können." Auch Diakonie unterliege inzwischen dem Einfluss des europäischen Wettbewerbsrechts.
Zugleich aber sei mit den Gesetzen zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements gerade der Wert des Dritten Sektors betont worden. Kottnik würdigte die Bedeutung ehrenamtlichen Engagements, zum Beispiel bei den Bahnhofsmissionen und der Telefonseelsorge. Er betont auch an dieser Stelle die große Bedeutung der Netzwerkbildung für die zukünftige Arbeit der Diakonie. Um die Netzwerke mit den Kirchengemeinden herum könnten sich Verbindungen mit Akteuren ergeben, "die auch diakonisch handeln, ohne explizit diakonisch zu sein. Auf diese Weise wird Zivilgesellschaft progressiv mitgestaltet. Dies ist durch keinen gewerblichen Anbieter zu ersetzen." Der innerdiakonische Wettbewerb habe sich an faire Regeln zu halten, dabei werde die Anwendung des Diakonischen Arbeitsvertragsrechts (AVR) helfen, so Kottnik. Das neue Tarifwerk sei bereits für 120.000 Mitarbeitende in der gesamten Republik gültig und solle breit angewendet werden.
"Pflege", "Arbeitsmarkt" und "Kinderarmut" sind die Themen, die gegenwärtig im besonderen Focus der Diakonie stehen. Hier sei es jeweils gelungen, wichtige Positionen in die Politik und die Gesetzgebung mit einzubringen, wenn auch die Diakonie sich an einigen Stellen weiter reichende Schritte erhofft habe.
Diakonisches Werk der EKD e.V.
Barbara-Maria Vahl, Pressesprecherin

