15.11.2001
Bahnhöfe müssen öffentliche Orte bleiben
Diakonie bleibt bei Gesprächsangebot an Bahnchef Mehdorn
Berlin - Für das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland bleiben Bahnhöfe öffentliche Orte, an denen jeder Anschluss finden muss
Damit widerspricht es Hartmut Mehdorn, der heute in einem Interview mit der Zeitschrift "Bunte" einen begrenzten Zugang für Bahnstationen gefordert hatte.
Diakoniepräsident Jürgen Gohde: "Die Bemühungen um einen sauberen, sicheren Bahnhof erkennen wir voll an. Bahnhöfe sind allerdings in ihrer Geschichte immer auch Treffpunkte von Menschen gewesen. Sie sind Ausdruck des Lebensgefühls unserer Gesellschaft und gerade nicht die Bereiche, von denen Menschen ausgeschlossen werden dürfen. Herr Mehdorn hat Recht, wenn er mit seiner Argumentation Wert darauf legt, dass die Kommunen, dass die öffentlichen Akteure sich Gedanken machen, was mit Wohnungslosen in unserem Land passiert." Das Diakonische Werk begrüßt diese Diskussion am Anfang des Winters, weil sie unterstreicht, dass jeder Mensch, der aus Gründen der Kälte, aus Gründen von Armut in diesem Winter möglicherweise große Schäden erleiden wird, ein Opfer ist, das vermeidbar wäre. "Die Bahnhofsmissionen bieten weit mehr als ein Warenangebot oder einen Service. Sie bieten qualifizierte Ansprechpartner, die sowohl professionell als auch mit ihrer Ehrenamtlichkeit Menschlichkeit in unserem Land gestalten."
Die Bahn sei nach wie vor viel mehr ist als ein modernes Verkehrsmedium, dies zeige das öffentliche Interesse am Thema der Zukunft der Bahnhofsmissionen. Gohde: "Die Bahn ist ein wesentlicher Gestaltungsfaktor der Lebensqualität und wir wollen sie gerne bei ihren Bemühungen unterstützen, die soziale und kulturelle Struktur - sprich: Lebensqualität in unserem Land - zu fördern. Insoweit bleibt mein Gesprächsangebot für Herrn Mehdorn bestehen." Die Diakonie begrüßt zudem die Anregung des Hessischen Rundfunks, eine Fernsehdiskussion zwischen Diakoniepräsidenten und Bahnchef zum Thema zu initiieren.
Mehdorn hatte von den Kirchen ein Engagement für Obdachlose eingefordert. Gohde dazu: "Es sind die Kirchengemeinden und die Kirchen in den letzten Jahren immer wieder gewesen, die für diesen Personenkreis Angebote machen, zum Beispiel die Vesperkirche in Stuttgart, wo mit unendlich vielen Ehrenamtlichen dieser Dienst gestaltet wird, ich denke an das Projekt "Gesegnete Mahlzeit" in Kassel, an "Hinz und Kunzt" in Hamburg, die Tafeln usw. Es sind Initiativen der Jugendhilfe in Würzburg zu nennen. Viele dieser Aktivitäten zeichnen sich durch ein ganz hohes bürgerschaftliches Engagement und durch ökumenische Zusammenarbeit aus."
Näheres zur Bahnhofsmission unter www.bahnhofsmission.de.

