22.01.2010

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Diakonie-Präsident: Heimkinder-Bericht erschütternd

Berlin (epd) - Der Präsident des Diakonischen Werks, Klaus-Dieter Kottnik, hat sich für eine Wiedergutmachung an ehemaligen Heimkindern ausgesprochen.

Es sei auch „eine finanzielle Unterstützung sinnvoll“, sagte Kottnik dem epd am Freitag in Berlin, wo der Runde Tisch Heimkinder einen Zwischenbericht vorlegte. Der Umfang möglicher Entschädigungen lasse sich aber noch nicht absehen, sagte Kottnik. Diese Fragen stünden im Zentrum der Arbeit des Runden Tisches in diesem Jahr.

Durch den Zwischenbericht des Runden Tisches, auf den sich sowohl Heimkindervertreter als auch Vertreter der Kirchen, des Bundes und der Länder verständigt haben, werde öffentlich anerkannt, „dass jungen Menschen, die man damals Fürsorgezöglinge nannte, Gewalt angetan worden ist“, sagte Kottnik: „Der Bericht ist erschütternd.“ Ihn schmerze, so der Diakoniepräsident, „dass diakonische Einrichtungen daran beteiligt waren“.

Der Bericht zeige aber auch, dass nicht die gesamte Heimerziehung in der frühen Bundesrepublik schlecht gewesen sei: „Aber jetzt muss es uns um diejenigen gehen, die betroffen waren“, betonte Kottnik. Er verwies darauf, dass an den Standorten früherer Heime bereits viel zur Aufarbeitung der Heimerziehung geschehe. In Einzelfällen werde auch finanzielle Unterstützung geleistet.

Der Runde Tisch Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren unter Leitung der früheren Bundestagvizepräsidentin Antje Vollmer soll das Schicksal früherer Heimkinder aufarbeiten und Empfehlungen für mögliche Entschädigungen geben. Im ersten Jahr seiner Arbeit stand die Aufarbeitung und historische Einordnung der Heimerziehung im Mittelpunkt, in diesem Jahr soll es um Lösungen für die Unterstützung ehemaliger Heimkinder und ihre Entschädigungsforderungen gehen.

Von 1949 bis Mitte der 70er Jahre lebten rund 800.000 Kinder und Jugendliche in Heimen, 500.000 von ihnen in kirchlichen Einrichtungen. Viele von ihnen wurden misshandelt und mussten unentgeltlich arbeiten. In einem außergewöhnlichen Petitionsverfahren hatten ehemalige Heimkinder auf ihr Leid aufmerksam gemacht, Anerkennung und finanzielle Entschädigungen gefordert. Der Bundestag hatte daraufhin die Einrichtung eines Runden Tisches beschlossen, an dem die Betroffenen, die Kirchen und Wohlfahrtsverbände als Heimträger, Bund und Länder sowie Experten vertreten sind. Das Gremium soll seine Arbeit Ende dieses Jahres mit Empfehlungen an die Politik abschließen.

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