26.01.2012
Diakonie „eingeschränkt beruhigt“ über Rückgang der Hartz-IV-Kinder
Berlin (epd). Der Rückgang der Zahl der Kinder, die von Hartz-IV-Leistungen leben müssen, ist aus Sicht der Diakonie eine erfreuliche Entwicklung.
Der Präsident des evangelischen Wohlfahrtsverbandes, Johannes Stockmeier, sagte dem epd am Donnerstag in Berlin aber auch, dass er nur „eingeschränkt beruhigt“ sei. Viele sozial schwache Eltern seien zwar nicht mehr auf Hartz IV angewiesen, hätten aber dennoch keine sicheren Jobs.
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit ist die Zahl der unter 15-Jährigen, die die staatliche Grundsicherung erhielten, von September 2006 bis September 2011 von 1,9 Millionen auf 1,64 Millionen gesunken, wie die „Süddeutsche Zeitung“ (Donnerstagsausgabe) berichtete. Diakonie-Präsident Stockmeier führt den Rückgang auf die Tatsache zurück, dass arbeitslose Hartz-IV-Bezieher eine Arbeitsstelle gefunden haben: Von 2007 bis Mitte 2011 sank die Zahl der Hartz-IV-Empfänger im erwerbsfähigen Alter von 5,2 Millionen auf 4,7 Millionen.
Stockmeier bremste allerdings den Optimismus, denn das ungebremste Wachstum des Niedriglohnsektors führe zu „Armut trotz Arbeit“. Außerdem könnten ungesicherte Arbeitsverhältnisse wie Zeitarbeit oder befristete Beschäftigung bald wieder zum Jobverlust führen und damit die Rückkehr zu Hartz IV bedeuten.
Dem evangelischen Theologen ist das gesellschaftliche Armutsrisiko, insbesondere das Risiko der Kinderarmut, weiterhin zu hoch. Der Diakoniechef betonte, dass von Armut und sozialer Ausgrenzung weit mehr Familien betroffen seien als die registrierten Hartz-IV-Bezieher. „Daher muss neben der Bekämpfung der Einkommensarmut auch der Zugang sozial benachteiligter Kinder zu Bildungs- und anderen Teilhabeleistungen weiter verbessert werden“, appellierte Stockmeier.

