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„Man muss doch nach vorne leben“ | 

Blind-PG

„Man muss doch nach vorne leben“
Besuch in einem außergewöhnlichen Altenheim

Ich treffe die Bewohnerinnen des Evangelischen Seniorenheims Albestraße bei der wöchentlichen Gymnastikstunde im Andachtsraum. Ein Pfleger bringt die letzten Teilnehmerinnen in den Raum. Ich beobachte, wie Frau S., eine kleine fröhlich aussehende Dame, sich ihrer Nachbarin zuwendet und sich mit ihr unterhält.

„Ich wohne hier“, höre ich besagte Nachbarin sagen, „Sie auch?“ Frau S. überlegt und meint dann zögernd, ja, sie habe wohl ein Zimmer hier gemietet. Die Runde wird wach, als Frau Ullm vom Sozialdienst eintritt und ein fröhliches „Guten Morgen!“ in die Runde wirft.

Zusammen tanzen wir den Silbermond-Tanz, einen Sitz-Tanz. Von allen Stühlen und Rollstühlen recken sich Arme und Beine zum Takt der Musik. Aus den meisten Gesichtern lese ich konzentrierte Anspannung - im Alter werden Bewegungen schwieriger, die steifen Gelenke schmerzen.

Meine Nachbarin ist zu den Klängen der Musik eingenickt, aber das stört niemanden. Es ist genaus so wichtig, dabei zu sein, teil zu nehmen und Gemeinschaft zu erleben.

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