zwei FSJlerinnen des Johannesstiftes in Berlin

11.04.2011

Hub 2011 128-95

Bundesfreiwilligendienst: „Offen für Menschen jeden Alters“

Text mit ReadSpeaker vorlesen

Berlin (DWEKD) - Die Einführung des Bundesfreiwilligendienstes bedeutet das Ende des Zivildienstes und einen Paradigmenwechsel – weg von der Dienstpflicht, hin zum Freiwilligendienst. Was erwartet die so genannten Budfis, kurz für Bundesfreiwilligendienstler? Interview mit Rainer Hub, Referent für Freiwilliges soziales Engagement und Zivildienst bei der Diakonie.

Wie genau soll der Bundesfreiwilligendienst von statten gehen?
Rainer Hub:
Im Prinzip soll der Bundesfreiwilligendienst für Menschen zwischen 16 und 27 Jahren so ähnlich ablaufen wie das Freiwillige Soziale oder Ökologische Jahr (FSJ, FÖJ). Die Freiwilligen sollen möglichst keine Unterschiede in ihrem Alltag merken. Wer Erfahrungen im sozialen, ökologischen oder kulturellen Bereich sammeln will,  also beispielsweise in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, Krankenhäusern, Kitas oder Förderschulen, wendet sich an die regionalen Träger, etwa einen Landesverband der Diakonie. Im Gespräch miteinander wird dann eine passende Stelle gesucht und in der Regel gefunden.

Was ist der Unterschied zum FSJ?
Hub:
Der Bundesfreiwilligendienst soll durch Mittel aus dem Zivildienst ersetzt werden. Dies sind Bundesmittel und müssen es aus verfassungsrechtlichen Gründen auch bleiben. Daher heißt er auch Bundesfreiwilligendienst. Für die bereits vorhandenen Freiwilligendienste sind dagegen die Länder zuständig. Konkret heißt das:  Die Freiwilligendienste werden aus unterschiedlichen Töpfen bezahlt. Im Alltag sollen junge Menschen bis 27 aber möglichst keinen Unterschied bemerken, ob sie nun FSJler/in oder Bufdi/Bufda sind.

Ist die Bezahlung überall gleich?
Hub:
Noch nicht. Im Bundesfreiwilligendienst gibt es bisher kein Kindergeld. Dies soll zwar durch ein erhöhtes Taschengeld kompensiert werden, stellt die Einrichtungen letztlich aber vor große Beratungsaufgaben. Infolge auch unseres Protests gegen diese Ungleichbehandlung sollen  jetzt doch noch Mittel über steuerrechtliche Wege gefunden werden. Das wird sich bis zum Inkrafttreten des Gesetzes im Juli hoffentlich geklärt haben.

Sind die Einsatzgebiete anders als im FSJ?
Hub:
Die Bundesfreiwilligendienstler erhalten die anerkannten Plätze der ehemaligen Zivildienstleistenden. Dies können neben sozialen Diensten auch Verwaltungsaufgaben, Fahrdienste oder Hausmeistertätigkeiten sein. Das FSJ gilt dagegen als Bildungsjahr. Das heißt, neben sozial-karitativen Diensten gibt es auch ein FSJ in den Bereichen Kultur, Sport und der Denkmalpflege.

Wer kann beim Bundesfreiwilligendienst mitmachen?
Hub:
Alle zwischen 16 und 99, die sich für mindestens sechs und höchstens 24, in der Regel 12 Monate, freiwillig engagieren wollen. Der neue Dienst steht im Unterschied zum Zivildienst auch Frauen offen und anders als beim FSJ auch Menschen über 27. Der Bundesfreiwilligendienst richtet sich zum Beispiel auch an Berufstätige oder Familien, deren Kinder aus dem Haus sind. Zielgruppe sind vor allem aber auch Menschen im Ruhestand. Der Bundesfreiwilligendienst stellt also eine Chance dar, weil Menschen, für die es bisher kein Angebot gab, nunmehr auch einen Freiwilligendienst absolvieren können. 


Wie groß ist bisher das Interesse?
Hub:
Beim FSJ war die Nachfrage bundesweit stets höher als das Angebot. Durch den Bundesfreiwilligendienst stehen jetzt erstmals mehr Plätze zur Verfügung. Der Bund will ab dem 1. Juli Mittel für 36.000 Stellen für die so genannten Bufdis zur Verfügung stellen. Allerdings bleibt den Trägern kaum Zeit für Werbung und Auswahlgespräche. Erst im April und Mai ist die Gesetzesinitiative voraussichtlich abgeschlossen. Die Vorlaufzeit ist also viel zu knapp, sodass die anvisierte Zahl an Bufdis im ersten Jahr voraussichtlich nicht zu realisieren sein wird.

Wie bereitet sich die Diakonie auf den Bundesfreiwilligendienst vor?
Hub:
Da der Wegfall des Zivildiensts schon lange ein Thema in der Diakonie ist, haben viele Einrichtungen bereits nach und nach damit begonnen, auf Zivildienstleistende zu  verzichten oder sie zu reduzieren und gleichzeitig das FSJ auszubauen. Insbesondere die letzten Dienstzeitverkürzungen auf neun und zuletzt auf sechs Monate haben bei den Einrichtungen ein endgültiges Umdenken nach sich gezogen.

Weitere Informationen für Bundesfreiwilligendienstler im Bereich der evangelischen Kirche und Diakonie:
www.ev-freiwilligendienste.de

zurück

Suche

Themen und Aufgaben

Social Bookmarks

Was ist das?

Diakonie Shop

Hier finden und bestellen Sie bequem unsere aktuellen Werbemittel
zum Shop