Heimerziehung
Beiträge zum Thema
16.09.2008
Diakonie erforscht Heimerziehung in der Nachkriegszeit
Diakonie-Direktor Schwetje: „Jeder Fall von Misshandlung war ein Fall zuviel!“
Hannover (DW Hannovers) Seit einem Jahr forscht ein Projektmitarbeiter im Auftrag des Diakonischen Werkes zu „Gewalt und Unrecht in der Heimerziehung der 50er und 60er Jahre“.
Damit reagiert die Diakonie auf die Berichte ehemaliger Heimkinder über Misshandlungen, Erniedrigungen und wirtschaftliche Ausbeutung in konfessionellen und staatlichen Heimen. Ziel der Untersuchung ist es, herauszufinden, in welchem Ausmaß solche Vorfälle auch in evangelischen Heimen im Bereich der hannoverschen Landeskirche vorkamen. Das Projekt befindet sich noch in der Phase der Materialsammlung. Die Archive der Einrichtungen und Ämter wurden zum Teil konsultiert – eine aufwändige Recherche, wenn man ein Gesamtbild erlangen will. Daneben wurden Interviews mit Betroffenen geführt.
Deutlich wird, dass es Fälle von Gewalt und anderen Übergriffen auch hier gegeben hat. Für ein Gesamturteil oder auch nur einen Überblick über die Situation in allen Heimen ist es allerdings noch zu früh. Die Auswertung der Ergebnisse wird nicht vor Mitte nächsten Jahres vorliegen.
Auch auf Bundesebene laufen entsprechende Untersuchungen. Der Diakonie Bundesverband hat mit den anderen konfessionellen Trägern der Erziehungshilfe eine unabhängige Studie über die konfessionelle Heimerziehung in der Nachkriegszeit initiiert und mit Drittmitteln unterstützt. Diese Studie wird im Rahmen einer DFG-Forschungsgruppe an der Ruhr-Universität Bochum durchgeführt.
Auch wenn noch keine gesicherten Ergebnisse vorliegen, lassen sich bereits Aussagen treffen. Die Berichte der Betroffenen machen deutlich, dass es Übergriffe gegeben hat und diese – zumindest in einigen Heimen – keine seltenen Ausnahmen bildeten. Daneben gibt es allerdings auch ehemalige Heimkinder, die ihre Zeit im Heim als fürsorglich und geborgen erlebt haben. Ein pauschales Urteil über die Heimerziehung ist offenbar nicht möglich und sinnvoll. Aus diesem Grund steht das Diakonische Werk auch pauschalen Lösungsansätzen kritisch gegenüber. Den Betroffenen ist am besten geholfen, wenn ihre Erfahrungen im Kontakt mit den Einrichtungen, in denen sie wohnten, bearbeitet werden. Dazu bietet die Diakonie ihre Unterstützung an, indem sie Kontakte herstellt und den Zugang zu noch vorhandenen Akten ermöglicht. Für Diakonie-Direktor Manfred Schwetje steht fest: „Wir können noch nicht sagen, in welchem Ausmaß es in unseren Heimen zu Übergriffen gekommen ist. Aber klar ist: Jeder Fall ist ein Fall zuviel.“
Das Diakonische Werk der Landeskirche hat für Betroffene eine Hotline geschaltet. Unter der Nummer 0511- 3604 344 kann man uns von 9 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr erreichen.
Weitere Informationen:
Pressestelle DW Hannovers: Telefon: (0511) 3604-252

