„Eigentlich kann es jeden treffen!“
Eine Nacht unterwegs mit dem Kältebus
Fürs Krankenhaus nicht krank genug und für die Straße zu krank
Wolfgang K., 51 Jahre: wohnungslos
Fürs Krankenhaus nicht krank genug und für die Straße zu krank
Medizinische Versorgung und Pflege von Obdachlosen
Das Leben auf der Straße greift die Gesundheit an. Wohnungslose Menschen sind dem Wetter ausgesetzt, sie ernähren sich nicht abwechslungsreich, belasten ihren Körper häufig zusätzlich durch Alkohol und Nikotin. Werden sie krank, haben sie keinen Rückzugsort. Eine Arztpraxis aufzusuchen - davor scheuen sie sich häufig.
Wie ist eine regelmäßige medizinische Versorgung - vor allem bei chronischen Krankheiten - überhaupt möglich? Die "Krankenstation für wohnungslose Menschen" im Berliner Bezirk Tiergarten, ein Projekt der Berliner Stadtmission, nimmt Frauen und Männer stationär auf, um ihre akuten und chronischen Erkrankungen zu behandeln. "Sie sind für das Krankenhaus nicht krank genug und für die Straße zu krank", erzählt Krankenschwester Antje.
Die Obdachlosen werden von Ambulanzen, Krankenhäusern und Notübernachtungen geschickt. Die "Krankenstation" hat 20 Betten, zur Zeit sind nur Männer in Behandlung. Sie leiden an Bronchitis, an Hauterkrankungen und offenen Wunden an Füßen und Beinen, zunehmend auch an Herz-Kreislauf-Krankheiten. Sie kämpfen mit Bauchspeicheldrüsenentzündungen und Durchblutungsstörungen als Folge des Alkoholkonsums, haben Knochenbrüche infolge eines Unfalls.
Die Wohnungslosen bleiben meist zwischen wenigen Wochen und einem halben Jahr. Tagsüber werden sie von drei Krankenschwestern und einem Pfleger versorgt. Einmal in der Woche kommt eine Ärztin, die Sprechstunden auch in der eigenen Praxis anbietet. Ziel der "Krankenstation": Die Obdachlosen sollen in ein betreutes Wohnprojekt eingegliedert werden.
Isabel Fannrich
Mehr Informationen unter www.zentrum-lehrter-strasse.de.

