FSJ: Offen auch für Menschen außerhalb Deutschlands
FSJ im Kindergarten: „Ich möchte gar nicht woanders arbeiten“
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21.04.2011
FSJ im Kindergarten: „Ich möchte gar nicht woanders arbeiten“
Görlitz (DWEKD/Weyandt) - Ein Freiwilliges Soziales Jahr, wie es die Diakonie bundesweit anbietet, ist ein Jahr des Engagements für andere. Und eine ganz besondere Hilfe, um den eigenen Weg zu finden. Michaela Sigl (18) hat ihn für sich entdeckt. In der heilpädagogischen Kita im sächsischen Görlitz.
Schmusen mit Katrin*. Ein wachsames Auge auf Ralf. „Ja, Tom, ich hole dir die Bausteine.“ Michaela Sigl spielt, tröstet und passt auf. In der heilpädagogischen Kita des alten Säuglingsheims Salem der Stiftung Diakonie Görlitz ist die 18-Jährige ganz in ihrem Element.
Was tun nach dem Abi?
Hier am Fuße der „Landeskrone“, des alten Hausbergs der Stadt, lässt sich über die Neiße Richtung Polen blicken. Michaela Sigl stammt aus einem Dorf in der Gegend, der Schlesischen Niederlausitz. „Nach dem Abi wusste ich nicht so richtig, was ich machen sollte. Ich wollte in den sozialen Bereich und habe durch ein paar Leute aus meiner Klasse vom FSJ erfahren“, erzählt sie. Und heute, nach dem ersten Drittel ihres Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ), sagt sie: „Ich möchte gar nicht woanders arbeiten.“ Zwei Kinder in ihrer Gruppe sind nicht behindert, die anderen haben verschiedene geistige Beeinträchtigungen und Verhaltensauffälligkeiten. „Das Beobachten der Kinder, die eher ohne Sprache kommunizieren, fasziniert mich“, sagt sie und strahlt.
Früh ab 6:30 Uhr können die Kinder gebracht werden, um 7 Uhr beginnt normalerweise Michaela Sigls Dienst. Die frühe Zeit ist ein Grund, dass sie gern das Angebot einer möblierten Wohnung auf dem Gelände angenommen hat. „Man wird in den normalen Tagesablauf eingespannt, was ich positiv finde“, sagt sie. „Um 7 Uhr kommt der Frühstückswagen aus der Küche, dann püriere ich das Essen." An der Küchenzeile im Gruppenraum zu hantieren, das Essen mundgerecht vorzubereiten, den Tisch zu decken, all das gehört zu ihren Aufgaben als FSJ-lerin. Nach Frühstück und Morgenkreis geht es erst einmal in den Toilettenraum. Ob auf dem Wickeltisch, dem Töpfchen, der Kindertoilette, alle müssen versorgt werden.
Die Erzieherinnen sind froh über die Hilfe der FSJ-lerin
Am Vormittag beschäftigen sich die Kinder für einige Zeit frei in dem bunt eingerichteten Raum. Die Erwachsenen nutzen jeden Moment, sich Kindern einzeln zuzuwenden. Jetzt ist die Erzieherin Elke Morgenstern mit Ralf auf der Treppe, Treppensteigen üben, ihre Kollegin Kerstin Kalder mit einem anderen Kind im Bad. Und Mark hat Spaß am Werfen von Spielzeug über den Raumteiler – auf Maria. Michaela Sigl hat ihn im Blick. „Mark, nein!“, ruft sie. Sophie hat inzwischen Evas Ruhelager entdeckt, das „Nielson–Haus“, eine besonders gestaltete Ecke, die die Wahrnehmung der Kinder fördern soll. Quer gespannt hängen Glöckchen an einem Gummiband. Sophie, und mit ihr zusammen Tom und Katrin, ziehen fasziniert daran. Die stark körperlich beeinträchtigte Eva lacht und genießt den Trubel um sie herum. Die Kinder profitieren voneinander, aber brauchen auch Schutz voreinander. Michaela Sigl achtet jetzt darauf, dass Evas Spielzeug nicht kaputt geht. Elke Morgenstern und Kerstin Kalder, beide seit Jahrzehnten im Beruf, sind froh über die tatkräftige Unterstützung der FSJ-lerin: „Manchen fällt es erst mal schwer. Michaela war da und es hat funktioniert. Das ist nicht immer so.“
Heute steht Malen auf dem pädagogischen Gruppenplan, der an der Tür aushängt. Alle Kinder werden umgezogen, lange Hosen und Sweatshirts aus und Malerkittel an. Jedes bekommt ein blaues Papier mit Klebefilm vor sich befestigt, dann werden Farbe und Pinsel ausgeteilt, los geht's. Sophie tupft und pinselt weiß auf blau. Ein Bild davon ist für die Oma zum Geburtstag.
Fix und alle – Spaß macht es trotzdem
Nach dem gemeinsamen Mittagessen schlafen die Kinder. Mittagspause – aber nicht für die FSJ-lerin. Marie hat erbrochen. „Na so was, da mache ich dir dein Bettchen wieder sauber“, wendet sich Michaela Sigl ihr zu. Michaela ist jetzt sechs Stunden im Dienst. Wie fühlt sie sich im Moment? „Fix und alle“, gibt sie zu, betont aber gleichzeitig: „Das heißt aber nicht, dass ich das nicht machen wollen würde. So wie es ist, ist es in Ordnung. Mir macht mein FSJ Spaß!“
Bald hat sie wieder ein Seminar mit anderen FSJ-lern, organisiert vom Träger, der Diakonie Sachsen. Und später? „In zehn Jahren stelle ich mir vor, dass ich mit meinem Freund in einer Wohnung lebe, dass ich Erzieherin bin, dass ich mich mit den Kolleginnen und Kindern gut verstehe, Geld verdiene, ein selbständiges Leben lebe.“ Mit 18 Jahren weiß sie – dank FSJ – genau, was sie will.
*Namen der Kinder redaktionell geändert
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