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Freiwilligendienst: Mein diakonisches Jahr in Costa Rica
Erfolgsmodell Freiwilligendienste
04.04.2011
Freiwilligendienst: Mein diakonisches Jahr in Costa Rica
Berlin (DWEKD) - Serjoscha Lusky, 21 Jahre alt, hat vor seinem Geographie-Studium ein diakonisches Jahr in Costa Rica verbracht. Organisiert wurde es von den Evangelischen Freiwilligendiensten für junge Menschen. Auf diakonie.de berichtet er von seinen Erfahrungen.
Ein Abenteuer am anderen Ende der Welt zu erleben - darum ging es mir, als ich mich nach meinem Abitur für einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst bewarb. Wie dieses Jahr jedoch letzten Endes mich persönlich und vor allem auch meine Einstellung zum Leben und zur Welt verändert hat, hätte ich mir vor meinem diakonischen Jahr in Costa Rica nicht erträumen lassen.
Fußball fürs Leben
Im Herbst 2009 trat ich die Reise nach Costa Rica an. Dort angekommen stand ich vor der großen Frage, wie ich dort etwas bewirken soll, ohne einen Funken an Spanischkenntnissen oder überhaupt ein Gefühl für die Kultur. "Fußball fürs Leben"(fútbol por la vida) heißt die Partnerorganisation in Costa Rica, bei der ich tätig war. Das Projekt, das mich dort erwartete, war darauf ausgerichtet, Kindern und Jugendlichen aus Armenvierteln über Sport soziale Werte näher zu bringen. In ihrer Familie hatten sie kaum Zuneigung erfahren, viele sind mit Gewalt in Berührung gekommen, mussten des Überlebens wegen klauen oder hatten schon früh Kontakt mit Drogen. Ziel war, die Kreativität und vor allem das Kindsein in ihnen wieder zu erwecken.
Voneinander lernen
Hier musste ich feststellen, dass man als Freiwilliger am Anfang eher Beobachter und auch manchmal bloß Handlanger ist. Auch gehören Misserfolge mit dazu, da Kinderköpfe nicht einfach so zu reparieren sind wie Maschinen. Es ist wirklich schwer, jemanden, der in der frühen Kindheit von schlimmen Erlebnissen geprägt ist, wieder in die richtige Bahn zu lenken. Klar geworden ist mir auch, dass dieser Prozess sehr viel Zeit, Geduld und mehr als einen deutschen Freiwilligen wie mich benötigt. Deshalb musste ich mich schnell damit abfinden, dass ich nicht hier aus Deutschland nach Costa Rica gehen kann, um ihnen dort die Welt zu erklären. Die Idee eines entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes geht vielmehr dahin, voneinander zu lernen, ein Bewusstsein zu erwecken und andere zu informieren, zu motivieren und sich für Gerechtigkeit einzusetzen.
Integration mit Fußball
Nach etwa einem halben Jahr hatte ich mich in Costa Rica akklimatisiert und auch endlich das Gefühl, für das Projekt nützlich zu sein. In einem kleinen Dorf namens San Martin bin ich Trainer dreier Fußballmannschaften gewesen, darunter befand sich auch eine Mädchenmannschaft, die mich in Sachen Integration vor eine große Aufgabe gestellt hat. Die männlichen Jugendlichen zu mehr Ernsthaftigkeit und Toleranz für den Frauenfußball zu bewegen und den Frauen ein Selbstwertgefühl zu ermöglichen, war nicht immer leicht.
Armut als intensive Erfahrung
In San Martin konnte ich meine sozialen und sportlichen Fähigkeiten jedoch gut einbringen. Genau das hatte ich mir seit Beginn der Arbeit so sehr gewünscht. In San Martin war ich in einer Familie untergebracht, die mich herzlich aufnahm. Diese Familie, Mutter, Vater und acht kleine Kinder, lebten dort unter sehr armen Bedingungen. In einem kleinen Haus teilten sie sich drei Räume und fünf Betten. Aus diesem Grund stand auch für mich kein eigenes Bett zur Verfügung. Die Gastfreundschaft war dennoch einfach überwältigend, und ich war bald der große Bruder von meinen acht Gastgeschwistern. Ein Einblick in diese Art von Armut war im Nachhinein meine intensivste Erfahrung in Costa Rica.
Ein Bericht von Serjoscha Lusky
Junge Menschen im Alter zwischen 18 und 27 können sich für einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst im Ausland bewerben:
Evangelische Freiwilligendienste für junge Menschen
FSJ und DJiA gGmbH
Diakonisches Jahr im Ausland
Otto-Brenner-Str. 9
30159 Hannover
Telefon: 05 11 / 450 00 83 40
Telefax: 05 11 / 450 00 83 31
Weitere Informationen:
www.djia.de

