Freistatt - der Film

- „Freistatt“ erinnert an das große Versagen auch der evangelischen Heimerziehung in den Nachkriegsjahren, so Diakonie-Präsident Ulrich Lilie zum Kinostart des Films am 25. Juni in einer Erklärung.

Szene aus dem Film Freistatt
Oberbruder und Zögling - Szene aus dem Film Freistatt Salzgeber & Co. Medien GmbH

Aus Anlass des aktuellen Kinofilms „Freistatt“ erklärt Diakonie-Präsident Ulrich Lilie:

Der Film „Freistatt“ erinnert uns an das große Versagen auch der evangelischen Heimerziehung in den Nachkriegsjahren. „Dass Kinder und Jugendliche in unseren evangelischen Heimen schweres Leid und Unrecht erfahren haben, beschämt uns immer noch zutiefst. Der Mut der Betroffenen, ihre Erlebnisse und Traumata öffentlich zu benennen, hat uns die Augen geöffnet. Die Einrichtungen der Diakonie haben Verantwortung für die Geschehnisse der Vergangenheit übernommen und gemeinsam mit den ehemaligen Heimkindern einen Prozess der Aufarbeitung, der persönlichen Begleitung und des Dialogs aufgenommen.

Auch wenn wir uns bewusst sind, dass materielle Hilfe das erfahrene Leid und die verlorenen Lebenschancen der betroffenen Menschen nicht wiedergutmachen kann, beteiligen wir uns in aller Konsequenz am Heimkinderfonds und dessen Aufstockung. Wir setzen uns zudem seit langem für einen Fonds für Betroffene ein, die als Kind in Einrichtungen der Behindertenhilfe und Psychiatrie Leid und Unrecht erfahren haben. Viele diakonische Träger bieten weitere individuelle Hilfen an. 2011 haben EKD und Diakonie die ehemaligen Heimkinder öffentlich um Verzeihung gebeten.

Auch mir ist es ein Anliegen, unser Versagen und unsere Schuld zu bekennen und die Menschen um Verzeihung zu bitten, die in unseren Heimen großes Leid und Unrecht erfahren haben. Das, was dort passiert ist, steht im deutlichen Widerspruch zu unseren christlichen Überzeugungen. Es beschämt mich, dass der Umgang mit den anvertrauten Kindern und Jugendlichen nicht von christlicher Liebe geprägt war.

Heute gilt es Vorkehrungen zu treffen, damit Missbrauch und Gewalt in Einrichtungen der Diakonie nicht mehr geschehen. Dazu zählen z.B. Schutzkonzepte, neutrale Vertrauenspersonen für Kinder und Jugendliche, Rechtekataloge, Informationen und Qualifizierungen der Mitarbeitenden. Mittlerweile gehören diese Maßnahmen zum Standard diakonischer Einrichtungen.“

Der Spielfilm „Freistatt“, der am 25. Juni bundesweit in den Kinos angelaufen ist, thematisiert die Fürsorgeerziehung in Heimen in der Nachkriegszeit.  Freistatt gehört zu den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Dort wurden damals Jungen und junge Männer auf Anordnung der Jugendämter und Gerichte oder auch auf Betreiben der jeweiligen Familien aufgenommen.

Bethel hat die Dreharbeiten für den Film maßgeblich unterstützt. Bereits bei der Erarbeitung des Drehbuchs gab es zahlreiche Gespräche und Recherchen in der Ortschaft Freistatt und einen Austausch mit ehemaligen Fürsorgezöglingen, die mit Freistatt auch vorher schon in Kontakt standen. Ganz wesentlich bezieht sich „Freistatt“-Regisseur Marc Brummund auf die wissenschaftliche Aufarbeitung zur Fürsorgeerziehung in Freistatt, die 2009 im Bethel-Verlag erschienen ist.