Erklärung der Konferenz Diakonie und Entwicklung zur aktuellen Situation der Flüchtlinge

Auf Ihrer konstituierenden Sitzung am 14./15. Oktober 2015 in Berlin hat die Konferenz Diakonie und Entwicklung eine Erklärung zur aktuellen Situation der Flüchtlinge verabschiedet.

Mit fünf Punkten bezieht die Konferenz Position:

  1. Flüchtlinge haben ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben

    Das Recht auf ein menschenwürdiges Leben für Flüchtlinge in Deutschland umzusetzen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe von Bund, Ländern, Kommunen und Zivilgesellschaft. Auch denjenigen Menschen, denen das Asylrecht keine Bleibeperspektive in Deutschland ermöglicht, muss eine Perspektive für ein menschenwürdiges Leben eröffnet werden. Alle gesellschaftlichen Akteure sind gefordert, dazu einen Beitrag zu leisten.

  2. Flucht und Vertreibung beenden

    Die Bundesregierung muss durch eine abgestimmte Politik aller zuständigen Ressorts an der Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele sowie an der Bekämpfung der Ursachen von Flucht arbeiten. Dazu gehört eine politische Aufwertung von ziviler Krisenprävention und Konfliktbearbeitung, Erhöhung der Mittel für Entwicklung, für Klimaanpassung und Kompensation für Klimaschäden wie auch eine Handelspolitik, die andere Gesellschaften nicht zu Verlierern macht. Wir alle sind aufgefordert, einen Beitrag zur Umkehr dieser ungerechten, gewaltförmigen und klimaschädlichen Verhältnisse zu leisten.

  3. Europa braucht eine menschenwürdige Flüchtlingspolitik

    Die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten müssen sich an ihre Werte erinnern: Für die Europäische Union sind die Achtung der Menschenrechte und Menschenwürde konstitutiv. Die Länder der Europäischen Union müssen sich auf eine Flüchtlingspolitik verständigen, die den Schutz und die Interessen der Flüchtlinge als auch die der Mitgliedstaaten berücksichtigt und der Verantwortung Europas auch für die Fluchtursachen gerecht wird. Das individuelle Asylrecht ist ein Menschenrecht und darf nicht eingeschränkt werden.

  4. Flüchtlinge bereichern unser Land

    Die Aufnahme von Flüchtlingen ist eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft. Für eine gelungene Integration und die Förderung ihrer Potentiale sind die Umstände ihrer Ankunft entscheidend. Erforderlich und hilfreich sind Wertschätzung der Flüchtlinge, eine menschenwürdige Unterbringung in der Mitte unserer Gesellschaft sowie ein möglichst schneller Zugang zu Kita, Schule, Ausbildung und Arbeit.

  5. Wir setzen uns für eine schnelle Integration und für ein Miteinander in Vielfalt ein

    Politisch und zivilgesellschaftlich Verantwortliche auf allen Ebenen müssen sich mit Entschiedenheit gegen jegliche Formen von Fremdenfeindlichkeit, Hass, Rassismus und eine menschenfeindliche Haltung wenden. Sorgen und Ängsten vor Überforderung sollte mit Argumenten begegnet werden. Um die Willkommensbereitschaft der Bevölkerung auf Dauer zu erhalten, ist der Prozess der Aufnahme umsichtig politisch zu begleiten. Kommunen, in denen Flüchtlinge untergebracht werden sollen, sind frühzeitig zu informieren und die Bürgerinnen und Bürger in die Planungen einzubeziehen. Begegnungen und kultureller Austausch fördern Verständnis und Kennenlernen.

    Notwendig ist ein schneller Zugang zu Kindertagesstätten, Schulen, Ausbildung, Arbeit sowie Sprach- und Integrationskursen. Flüchtlinge brauchen neben Angeboten zur Traumabewältigung spezialisierte, qualifizierte Beratung und Betreuung sowie professionelle Ansprechpartner, wie auch die vielen ehrenamtlich Helfenden. Länder und Kommunen müssen in die Lage versetzt werden, die notwendigen finanziellen, organisatorischen und personellen Ressourcen zügig bereitstellen zu können.