07.11.2008
Welchen Wert hat soziale Arbeit? ...
Berlin (DW EKD Online) - ... wenn Milliarden für die Finanzwirtschaft zur Verfügung stehen, aber nur mit Mühe Mittel für die soziale Arbeit bereitgestellt werden. Wie kann das Interesse der jungen Generation an sozialen Berufen gefördert werden, wenn die Bezahlung nicht angemessen ist?
Diakonische Einrichtungen und Dienste sehen sich seit Jahren steigenden Kosten gegenüber. Sei es, dass die Energiepreise steigen oder mehr Personal erforderlich ist, um die Erwartungen und auch berechtigten Anforderungen an die Qualität sozialer Dienste – etwa in der Pflege – zu erfüllen. Nur zu oft werden sie abgespeist mit dem Hinweis auf leere Kassen, Konsolidierungsmaßnahmen und Sparzwängen.
Da verwundert es schon sehr, wenn bei Wirtschaftskrisen wie etwa im Finanzwesen oder in der Autoindustrie die Bereitschaft Milliarden zur Verfügung zu stellen, sehr groß ist. Was zählt ein Mensch in der „sozialen Marktwirtschaft“? Wie „sozial“ kann sie sein, wenn die Investitionen in das „Soziale“ immer weiter zurückgefahren oder gedeckelt werden.
Engagement für mehr Mitmenschlichkeit, nicht nur verbale Anerkennung sozialer Arbeit, sondern auch die Bereitschaft und der Wille sie durch entsprechende finanzielle Ausstattungen zu fördern, sind gefragt.
Wenn Mitarbeitende zu Demonstrationen auf die Straße gehen, dann ist das zuerst eine Frage der Tarifauseinandersetzung. Es zeigt aber zugleich auch das Dilema, dass Einrichtungen und diakonische Dienste immer größere Schwierigkeiten haben, den Aufgaben gerecht werdende Löhne zu zahlen. Ihnen fehlen die Mittel, weil sie von der anderen Seite mit Sparvorgaben und Kostenreduzierungen konfrontiert werden.
Auf dem Bundeskongress der Evangelischen Obdachlosenhilfe in Hamburg wies Dr. Bernd Schlüter darauf hin, dass neben dem fehlenden Geld auch die mangelnde Anerkennung der sozialen Arbeit durch Politiker dazu führt, dass motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Sozialsystem vertrieben werden. Er forderte, dass mehr Politiker eigene Erfahrungen im Umgang mit sozialer Arbeit machen müssten und verwies dazu auf den kommenden Präsidenten der USA, Barack Obama. Der hatte Ende der 80er Jahre in Chicago als Sozialarbeiter gearbeitet, bevor er sein Studium begann.
In gleicher Weise forderte die Hannoversche Bischöfin Käßmann mehr Anerkennung der sozialen Arbeit. Zur Eröffnung des größten Branchentreffs der Sozialwirtschaft in Nürnberg sagte sie mit Blick auf die Finanzwirtschaft, dass soziale Arbeit „Profite im sozialen Miteinander“ schaffe. Es sei ein Skandal, dass die Sozialbranche immer noch um öffentliche Anerkennung kämpfe und die Tätigkeit mit und für Menschen nicht die erforderliche Wertschätzung und Entlohnung erfahre.
Deshalb ist eine gesellschaftliche Diskussion nötig über den Wert sozialer Arbeit. Denn sie dient dem Einzelnen, fördert aber gleichzeitig den Zusammenhalt in der Gesellschaft.

