Illustrationsbild

News Archiv

2010 2009 2008 2007 2006 2005 2004 2003 2002

11.06.2010

Diakonie-Präsident Kottnik während eines Vortrages im Februar 2010

Warum die Diakonie am Dritten Weg festhält

Berlin (epd) - Die Diakonie befindet sich mit ihrem Arbeitsrecht in einer schwierigen Lage. Deshalb ist es notwendig, die Grundlagen der Arbeit der Diakonie in der Diskussion zu berücksichtigen.

In einem Gastkommentar für epd-Sozial äußert sich Diakonie-Präsident Kottnik dazu:

Es ist nicht zu bestreiten: Die Diakonie befindet sich mit ihrem Arbeitsrecht zurzeit in einer schwierigen Lage. Vor allem die Arbeitsrechtliche Kommission des Diakonischen Werkes der EKD kommt derzeit nicht zustande. Die Dienstnehmerseite unternimmt keine Anstrengung für ihre Arbeitsaufnahme. Nach eigenem Bekunden sehen einige Vertreter der Dienstnehmer keinen Sinn in der Fortführung der Arbeitsrechtssetzung auf dem Dritten Weg. Sie setzen auf Tarifverträge mit den Gewerkschaften. Die Gründe dafür möchte ich an dieser Stelle nicht erörtern. Die Ursachen sind mit Sicherheit vielfältig. Ich bedaure außerordentlich, dass wir uns derzeit in dieser Lage befinden.

Ich möchte jetzt nicht einen Ausweg aus dieser Lage beschreiben. Darüber wird die Diakonische Konferenz Mitte Juni zu befinden haben. Auch möchte ich nicht mit dem kirchlichen Selbstbestimmungsrecht argumentieren, obwohl dieses Verfassungsrecht nach Artikel 140 Grundgesetz ein unermesslich hohes Gut ist. Ein hohes Gut muss nicht nur geschützt, sondern auch gelebt werden.

Da Diakonie Kirche ist, hat sie an den Rechten und Aufgaben der Kirche teil. Natürlich gilt auch für die Diakonie: „Alles prüfet und das Gute behaltet.“

Es gehört zu meinen tiefen Überzeugungen, dass wir einen eigenen Weg gehen müssen. Nicht nur Karl Barths Verhältnisbestimmung von Staat und Kirche in Fortführung von Luthers Zwei-Reiche-Lehre drängt mich dazu. Denn es ist nicht so, wie einst Friedrich Naumann dachte, dass ein öffentlicher Mensch, der den öffentlichen und harten Strukturzwängen verpflichtet ist, vom privaten zu unterscheiden sei, für den der Gehorsam zu Jesus gelte („Das Leben braucht beides; die gepanzerte Faust und die Hand Jesu, beides je nach Zeit und Ort“). Naumann meinte, dass deshalb zwei Wirklichkeiten nebeneinander stünden, das öffentliche Leben und das in der Kirche, das mit dem privaten Leben in eins zu setzen sei. Sondern Karl Barth denkt Christengemeinde und Bürgergemeinde, also Kirche und Gesellschaft, aufeinander bezogen und Christus als das Zentrum von beidem. Gerhard Lohfink hat in diesem Zusammenhang von der Kirche als Kontrastgesellschaft gesprochen. Zwar durchdringen sich Kirche und Gesellschaft. Wohl aber ist die Kirche der Ort, an dem modellhaft Exemplarisches für die Gesellschaft entwickelt wird.

Die Entstehung der Inneren Mission (Diakonie) ist ein gutes Beispiel für das Modellhafte der Kirche im sozialstaatlichen Werden. Alternativen, Neuerungen werden im Raum der Kirche angestoßen und wirken sich auf das gesamtgesellschaftliche Leben aus. Den Impuls dazu bietet das Evangelium. Das ist – sehr vereinfacht dargestellt – Karl Barths Vorstellung von den zwei Reichen.

Für mich hat dieses guten Anhalt an biblischer Tradition. Im Kolosserbrief heißt es: „Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen …“ und danach: „Alles, was ihr tut, mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus“ (Kol. 3,16 und 17). Das bedeutet: Konstitutiv für die Kirche ist das Wort Gottes, also der Gottesdienst. Das Handeln ist die Fortführung des Gottesdienstes mit anderen Mitteln. Bei diesem Handeln kann es keine anderen Gesetze geben als die, die der Liebe Christi in seinem Wort entsprechen.

Das ist für das Leben in der Kirche und damit auch in der Diakonie eine riesengroße Herausforderung. Aber sie ist der Mühen wert. Für mich bedeutet das, dass die Kirche die Aufgabe hat, Alternativen für das Leben zu entwerfen, also auch Alternativen der Konfliktlösung. Dass tarifliche Auseinandersetzungen Konflikte sind, ist unbestritten. Tarifkonflikte in unserem Lande sind von dem Verständnis eines Kampfes geprägt, der mit gleichen Waffen ausgefochten wird, der Waffe des Streiks und der Waffe der Aussperrung. Unzweifelhaft ist diese Kampfmethode in unserer Gesellschaft zur Mehrung des Wohlstandes und der Güterverteilung sehr erfolgreich gewesen.

Für Kirche und Diakonie muss es aber eine Alternative geben. Es kann nicht sein, dass in ihr Methoden des Kampfes Einzug halten, die im schlimmsten Falle auf dem Rücken der Menschen ausgetragen werden, die als Kinder oder zu Pflegende auf die Dienste der Menschen in Kirche und Diakonie angewiesen sind. Dies verträgt sich nicht mit dem Grundverständnis des Evangeliums. Konflikte müssen partnerschaftlich, auf Augenhöhe, in gegenseitigem Respekt und der gemeinsamen Anstrengung zur Konfliktlösung bearbeitet werden. Dazu gehört schlussendlich auch die Einigung, dass man sich als Konfliktparteien einem unabhängigen Schlichterspruch stellt.

Dies sind die Grundzüge des alternativen Weges der Tarifkonfliktlösung, der Vorbildcharakter haben sollte. Von diesem Weg muss man überzeugt sein. Diesen Weg muss man wollen. Und diesen Weg muss man leben. Dazu rufe ich auf.

Dazu kann führen, dass man in der Vergangenheit Fehlgelaufenes ausspricht, bekennt, analysiert, dann die Vergangenheit auf sich beruhen lässt und Konsequenzen daraus zieht. Blockaden führen nicht weiter. Ein gemeinsames Voranschreiten ist möglich mit verantwortbaren Lösungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Diakonie. Ein Großteil der Mitarbeiterschaft will das auch so.

Präsident Klaus-Dieter Kottnik

© epd-Sozial Nr. 19/14.04.2010

zurück

Suche

Themen und Aufgaben

Social Bookmarks

Was ist das?

Diakonie Shop

Hier finden und bestellen Sie bequem unsere aktuellen Werbemittel
zum Shop